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Stockmann verlässt Petersburg – zusammen mit dem Wohlstand

Von   /  14. Januar 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Die finnische Stockmann-Gruppe schliesst ihre Geschäfte in St. Petersburg auf Ende Januar. Für die meisten Petersburger geht damit eine Ära zu Ende, die für Internationalität, Wohlstand und Mittelklassengesellschaft stand.

Obschon manche das Newski-Zentrum am Vostania-Platz verfluchten, weil seine Errichtung mit einem städtebaulichen Skandal verbunden ist, der seinesgleichen sucht, pilgerten doch die meisten Petersburgerinnen und Petersburger gerne von Zeit zu Zeit in den Stockmann, um sich was Feines oder Schickes zu kaufen, oder wenigstens einen Blick auf die teure Ware zu werfen.

Insbesondere die Delikatessen-Abteilung des Stockmann-Geschäfts im Untergeschoss wurde zeitweise überschwemmt mit Leuten, die sich mit importierten Köstlichkeiten aus aller Herren Länder (und vor allem Finnland) eindecken wollten. Dasselbe galt für das Stockmann-Warenhaus während der „verrückten Tage“, wenn sich die halbe Stadt um die Ausverkaufsware mit zünftigen Rabbatten riss.

Die fetten Jahre sind vorüber

So wie mit der kurzen Zeit des allgemeinen Wohlstands und des Wirtschaftsbooms ist es nun auch mit dem Petersburger Stockmann vorbei. Für fünf Millionen Euro wurde das Russland-Geschäft an die britische Debehams-Gruppe verkauft, die bereits in Moskau tätig ist. Auch die 2300 Angestellten werden von Debehams übernommen. Neben Geschäften in Petersburg schliesst Stockmann auch seine Niederlassungen in Moskau und Jekaterinburg. Schon früher hatte Stockmann die Seppälä-Kleidergeschäfte in Russland geschlossen. Die Lindex-Kette wird bis im Sommer geschlossen.

Wie Fontanka.fi schreibt, war das Russland-Geschäft für Stockmann nie wirklich rentabel. 2014 soll der Umsatz 240 Millionen Euro betragen haben, bei 26 Millionen Euro Verlust. Stockmann hatte rund 20.000 der insgesamt 98.000 Quadratmeter Ladenfläche im „Newski-Zentr“ belegt. Die Meinungen über die Zukunft der Geschäftslokale gehen auseinander. Während die einen Experten sagen, dass der Rückzug wegen der Lebensmittel-Sanktionen und der sinkenden Kaufkraft logisch sei und anstelle von Stockmann nun Geschäfte mit günstigerem Sortiment einziehen würden, meinen die anderen, im „Newski-Zentr“ sei nur Platz für Elite-Geschäfte.

Symbol für gute russisch-finnische Nachbarschaft

Auf jeden Fall wird das Kaufhaus, dem einst ein ganzer historischer Häuserblock zum Opfer fiel, ohne Stockmann anders aussehen. Debenhams, das 188 Geschäfte in England und Irland sowie weitere 69 in 28 verschiedenen Ländern besitzt, wird seine Petersburger Filiale mit einem eigenen Profil versehen. Offen ist vor allem die Zukunft des Lebensmittel- und Delikatessen-Segments, das in diesen Zeiten mit fast unmöglichen Einfuhrbestimmungen ein besonders schweren Stand hat.

Viele Petersburger werden die Firma Stockmann vermissen, die 1989 noch zu Sowjetzeiten unter anderem Namen nach Russland kam und 1998 in Petersburg ihr erstes Stockmann-Geschäft eröffnete. Der Name ist nicht nur ein Stück Tradition, sondern auch ein Symbol für die gute Nachbarschaft mit Finnland. Die grösste und zugleich umstrittenste Investition der Finnen in Russland war der 2010 vollendete Ausbau des „Newski-Zentr“ an der Ecke Newski-Prospekt-Uliza Vostania. Dafür wurden 185 Millionen Euro aufgewendet, 20 Millionen allein für die Rekonstruktion der historischen Fassade. Die Liquidierung des historischen Gebäudes und die ausserplanliche Aufstockung des Dachgeschoss sorgten für laute Proteste unter Denkmalschützern.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.fontanka.fi

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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