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Stalin – die Leiche in Russlands Geschichtskeller ist auferstanden

Von   /  10. September 2015  /  2 Kommentare

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eva.- In Russland ist ein „Retro-Stalin-Kult“ im Gang – am 9. September sind am selben Tag in der Region Mari-El und in Pensa ein Denkmal für den blutrünstigen Diktator eingeweiht worden. Während die Figur des gefürchteten Generalsekretärs und Generalissimus verherrlicht wird, drängt man das Andenken an seine Hunderttausenden von Opfern in den Hintergrund.

Am 9. September wurde auf dem Gelände einer landwirtschaftlichen Kooperative in der Siedlung Schelanger im Gebiet Mari-El ein Stalin-Denkmal mit der Widmung „Als Anerkennung für einen grossen Menschen“ enthüllt. Am selben Tag eröffneten die Kommunisten der Stadt Pensa eine Stalin-Skulptur.

Im siebzigsten Jahr nach dem Kriegsende wurde bereits eine ganze Reihe von Büsten und Gedenktafeln mit Porträts von Joseph Stalin angebracht – so in Moskau, Jekaterinburg, Machatschkala. Noch im Juli wurde in Choroschewo im Gebiet Twersk ein Stalin-Museum in einem Haus eröffnet, in dem Stalin 1943 übernachtete.

Der Verbrecher wird verherrlicht – seine Opfer werden verhöhnt

Das sind deutliche Zeichen für eine zunehmende Verherrlichung jenes Mannes, dessen tausendfache Verbrechen verharmlost werden und der stattdessen als „starker Führer“ glorifiziert wird. Obschon die Grausamkeit seines Terrorapparats bereits historisch belegt ist und noch zu Sowjetzeiten von der kommunistischen Führung verurteilt wurde, sehen ihn gemäss einer Umfrage nur noch 40 Prozent der Russen als Schuldigen an den Repressionen und Morden der Dreissiger und Fünfzigerjahre – 53 Prozent lehnen diese Sichtweise ab.

Sorgte noch 2010 während der Petersburger Siegesfeier ein Autobus mit einem Stalinporträt für einen öffentlichen Skandal, so werden jetzt bereits Souvenirs mit Stalin-Porträt am Newski Prospekt verkauft. Während man Stalin verherrlicht, werden seine Opfer und Kritiker vermehrt als Nestbeschmutzer empfunden. So behängten kürzlich unbekannte Vandalen ein frisch eröffnetes Solschenizyn-Denkmal in Wladiwostok, mit einem Schild mit der Aufschrift „Juda“. Alexander Solschenizyn hatte mit seinem Buch „Der Archipel Gulag“ die Wahrheit über die stalinistischen Lager ans Licht gebracht.

Behörden schikanieren Menschenrechtsorganisationen

Am selben Tag, an dem die beiden Denkmäler in Pensa und Mari-El eröffnet wurden, nahm die Polizei den Leiter des Menschenrechtsprojekts Gulag.net Denis Soldatow wegen angeblichem Betrug fest. Das Gulag-Museum in Perm, das als einziges seiner Art an die Lagerwelt des stalinistischen Terrors erinnert, ist in seiner Existenz bedroht.

Die Menschenrechtsorganisation „Memorial“, welche die dunkle Sowjetvergangenheit erforscht und jede öffentliche Ehrung Stalins als Blasphemie bezeichnet, wird von den staatlichen Behörden durch Kontrollen und Hausdurchsuchungen schikaniert.

Während in Russland die Sowjet-Nostalgie aufkeimt, führt man in den Ex-Sowjetrepubliken, in der Ukraine und im Baltikum harrsche Verbote für Sowjetsymbolik und „Leugnung der sowjetischen Verbrechen“ ein. So wurden beispielsweise die Lenker russischer Autos mit Aufklebern „USSR“ oder Hammer und Sichel gebüsst oder gezwungen die Abbildungen zu entfernen. In Vilnius wurden Sowjetskulpturen von einer Brücke abmontiert, was zu einer regen Diskussion in der Bevölkerung führte.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. Laut Wikipedia zum Thema Stalinismus:

    „Zwischen September 1936 und Dezember 1938 wurden schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen umgebracht.“

    Die Organisation „Memorial“ geht von ähnlichen Zahlen aus.

    Das sind nur die Opfer dieser Periode – darum sind „Hunderttausende“ eher untertrieben.

    Es ist klar, das verschiedene Quellen auch unterschiedliche Opferzahlen nennen, aber es wird hier keine Debatte darüber geführt.

  2. Dr. Joghurt Blumenkohl sagt:

    seine Hunderttausenden von Opfern.???

    http://www.20min.ch/interaktiv/vizualne//2013_02_stalin/2013_02_stalin_CHE_800x600.html#

    http://www.20min.ch/interaktiv/vizualne/2013_12_diktatoriNovi/2013_12_diktatoriNovi_CHE.html

    da bringen es diese zwei Jungs nur auf ca. 48 Millionen Opfer.

    Daniel Hunter

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