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Die Sanierung von Petersburgs „goldenen“ Ufern kostet ein Vermögen

Von   /  27. August 2012  /  Keine Kommentare

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Anna Smoljarowa

“Die Newa hüllte sich in Stein; Die Wasser überspannen Brücken” – diese Wörter von Alexander Puschkin kennt jeder Petersburger Schüler. Die nach dem Erlass von Katharina II. erschaffenen granitenen Ufer von Newa Petersburgs sind weltbekannt und bei den Touristen und Bewohnern beliebt. Heute gehört die Renovierung der Newa-Ufer zum Programm „Erhaltung des historischen Stadtzentrum St. Petersburgs 2013 – 2018“ von Gouverneur Georgi Poltawtschenko.

„Der Teil „Brücken und Ufer“ ist in diesem Programm am meisten ausgearbeitet“, sagt der Direktor der Assoziation „Dormost“ Kirill Iwanow. Nach seiner Aussage, habe man die 2006 entwickelte und föderal unterstützte „Konzeption der Entwicklung und des in normativen Stand Setzens von Straßenanlagen in Sankt-Petersburg bis 2015“ für das neue Programm benutzt. Die Konzeption 2006 wurde wegen der Wirtschaftskrise gestoppt, behauptet Iwanow.

Nach Schätzungen des Komitees für die Entwicklung von Transportinfrastruktur wurde jedes Jahr 30 Prozent weniger Geld für die Uferinstandhaltung ausgegeben als es in der Konzeption 2006 geplant war. Allein in den ersten drei Jahren der Realisierung des Projekts sollte man fast 1,4 Milliarden Rubel für sechs Kilometer Uferstrecken ausgegeben. Von 2009 bis 2015 sollten im Stadtaushalt jährlich 570 Millionen Rubel bereitgestellt werden, was bedeutet, dass Renovierung und Generalsanierung der 10,7 Kilometer Uferstrecke vier Milliarden Rubel (Preis von 2006) kosteten.

Kostenexplosion bei der Ufersanierung

Laut der offiziellen Statistik des Komitees für die Entwicklung der Transportinfrastruktur sind heute die Kosten auf bis zu einer Milliarde Rubel pro Jahr gestiegen. Geldaufwendungen, die immer mehr dringender werden – auf die Liste der Konzeption-2006 wurden unter anderen auch Uferpassagen gesetzt, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts nie generalüberholt worden waren. Fast die Hälfte aller Uferstrecken auf der Liste sind in bedrohlichem Zustand. Zu den typischen Beschädiungen gehören Gehsteigsenkung, Leerräume unter dem Gehsteig, ein unbefriedigender Zustand der Granitverkleidung oder Gehsteigfliesen.

Es geht nicht nur um Finanzierungsbedarf, sondern auch um eine neue Auffassung, welche Maßnahmen man finanzieren soll, betont Kirill Iwanow: „Das Programm zur Rekonstruktion des historischen Zentrums  wird noch langwierige Debatten durchlaufen“. Was das Ufer betrifft, geht es darum, ob man sie unverändert lässt oder ihr Funktion verändert und dabei ihr historisches Aussehen bewahrt. Es geht beispielsweise darum, ob das Dworzowaja Ufer zu einer Fußgängerzone umgewandet wird, während der Verkehr unterirdisch verlegt wird. Die Idee einer Uferzone für Fussgänger findet man auch im Mammut-Projekt “Europa-Ufer” (Investor “Peterburg City”, Finanzpartner “WTB”). Obwohl das Projekt in sich eine Umgestaltung des ganzen Stadtviertels enthält, trägt es einen Namen, der die Wichtigkeit einer künstlerischen Gestaltung der Stadtufer betont.

Kritik der Experten, Vorschläge aus der Bevölkerung

Das ganze Programm „Erhaltung des historischen Petersburger Zentrum 2013 – 2018“ hat schon viel Expertenkritik auf sich gezogen, erklärte der Vorsitzende der Petersburger Abteilung der Allrussischen Gesellschaft von Geschichts- und Kulturdenkmalschutz (WOOPIK) Alexander Margolis in einem Interview für Nachrichten-Agentur “Fontanka”.

Gleichzeitig hat das Komitee für wirtschaftliche Entwicklung, Industriepolitik und Handel die öffentliche Diskussion auf eigenem Internet-Portal freigegeben. Jeder kann dort einen Wunsch ausdrücken, und seit Mai haben Stadtbewohner gegen hundert Stellungsnahmen hinterlassen, darunter konkrete Beispiele: eigene Häuser oder Höfe. Entfernte Bezirke zu entwickeln, grüne und öffentliche  Zonen zu gründen, Müllabfuhr zu verbessern – solche Ideen sind typische Wünsche von Megapolis-Bewohnern.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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