Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

SPIEF2019: Zweiter Tag – Wahlgeschenke und Bauvorhaben für viel Geld

Von   /  7. Juni 2019  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Der US-Unternehmer Michael Calvey kam nicht ans PMEF. Im Beisein Putins wurden viele Bau-Projekte in der Stadt präsentiert, die offensichtlich Teil der Wahlkampagne des Kreml-Kandidaten Alexandr Beglow für den Gouverneursposten sind. Der Oppositionelle Nawalny verspottete das Forum als „Party“ der Kreml-Nomenklatura.

Am zweiten Tag des Wirtschaftsforums stand es dann fest: Der unter Hausarrest stehende US-Geschäftsmann Michael Calvey kommt nicht an das Wirtschaftsforum, weil er auf seine Anfrage beim Staatlichen Ermittlungskomitee (SKR) keine Antwort erhielt, wie seine Anwälte verlauten liessen. Einmal mehr äusserte sich daraufhin ein prominenter Gast des Forums zu der Affäre. Der Bankier Oleg Tinkow nannte Calveys Verhaftung einen Skandal und eine Provokation. Ihm persönlich sei es peinlich, was da vor sich gehe, meinte er gegenüber der Agentur Rosbalt.

Den zweiten Tag nutzten Präsident Putin und der provisorische Gouverneur Beglow, um kräftig die politische Werbetrommel zu rühren – kein Zufall, denn im September stehen Gouverneurswahlen an und Beglow braucht dringend Popularität. So wurde eine ganze Reihe von Bauvorhaben präsentiert: Für 2,5 Milliarden Rubel (rund 33,3 Millionen Euro) wird die Petersburger Hauptpost, sowie die dazugehörenden Gebäude zwischen Isaakskathedrale und Neuholland modernisiert. Dabei bleibt zu hoffen, dass sich damit die Effizienz der russischen Post hebt, die wegen ihrer Unzuverlässigkeit und Korruption einen miserablen Ruf geniesst.

Park statt Gerichtsviertel und Tanztheater

Des weiteren soll im Juni der Bau des östlichen Autobahnzubringers für 35 Milliarden Rubel (rund 466 Millionen Euro) zwischen dem Witebsker Bahnhof im Stadtzentrum und dem westlichen Teilstück (ZSD) gebaut werden. Wie der ZSD wird auch dieses Autobahnteilstück kostenpflichtig sein. Als weiteres Vorhaben wurde die Errichtung eines Parks anstelle des vorgesehenen Gerichtsviertels auf der Petrograderseite bei der Metro „Sportivnaja“ bekannt gegeben. Laut Beglow, soll der Entscheid ausschliesslich von Präsident Putin gefällt worden sein, nachdem sich die Bevölkerung darüber beschwert hätten, dass die geplante Überbauung nicht ins Stadtbild passe.

Beobachter beurteilen den Fall hingegen ganz anders und geben zu Bedenken, dass die beiden geplanten Gebäude, das Tanztheater der Eifmann-Tanz-Akademie sowie das neue Obergericht Russlands, politisch und finanziell nicht mehr umsetzbar seien. Obwohl das Verfassungsgericht tatsächlich nach Petersburg umgezogen ist, scheint der Umzug des Obergerichts aus Moskau heute schwer durchsetzbar.

Baugrund des Parks durch Biowaffen verseucht?

So ist das Vorhaben von 2012 eigentlich schon längst vom Tisch, und der Park soll nun als Wahlgeschenk Beglows, bzw. Putins für das Volk dienen. Umweltschützer äussern ihre Bedenken, weil der Boden unter dem geplanten Park noch durch Abfälle des „Instituts für angewandte Chemie“ verseucht sein soll, das dort zu Sowjetzeiten angeblich an Bio-Kampfstoffen geforscht hat.

Auch am zweiten Tag des Forums sorgten die Absperrungen und Sondereskorten für die hohen Gäste für einen Verkehrskollaps an der Pulkower Chaussee. Mit viel Hohn äusserte sich der bekannte russische Oppositionelle Alexei Nawalny in seiner wöchentlichen Sendung auf Youtube zum Petersburger Wirtschaftsforum, dass er als nutzlose „Party“ für hohe Beamte des Kremls und der Staatskonzerne bezeichnete, die mit Steuergeldern finanziert werde.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.newsru.com

www.rosbalt.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

SPIEF2019: Erster Tag – kommt Calvey oder kommt er nicht?

Der Tanzpalast von Boris Eifman wird von Gerard Loozekoot gebaut

Bauprojekt „Europaufer“: Der Bauplatz wird freigeräumt

Deutsch-russisches Architekten-Duo wird Europaufer gestalten

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Einzigartige Gemälde bei Kirchenrestaurierung entdeckt

mehr…