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Sommerzeit in St. Petersburg

Von   /  29. März 2009  /  Keine Kommentare

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mm. Ein kleiner Exkurs in die Welt der Zeit, Längen- und Breitengrade.
Grosse Reiche empfinden sich als der Mittelpunkt der Welt. Die Ägypter, Römer, Chinesen und später die Briten, definierten die Geographie immer von Standpunkt Ihrers Machtzentrums aus. Unser heutiges Koordinatensystem hat London bzw. Greenwich als „Nullmeridian“ also der Längengrad (oder die Linie zwischen den Polen) welche die Welt in OST und WEST bzw. Grade östlicher oder westlicher Länge unterteilt. Auch die Zaren rückten mit ihrer Sicht der Welt die alte Hauptstadt in die Mitte.

Petersburg liegt auf einem Null-Meridian

Der Sankt-Petersburger „Meridian“ ist fast genau der 30 östliche Längengrad, und liegt genau auf der Achse Peter und Paul-Festung, Moskowski Prospekt bis zum Observertorium in Pulkowo. Das Observatorium war zur Zarenzeit für russsische Karten der Nullmeridian und somit das gleiche was für die die Briten und die modernen Nationen die Sternwarte in Greenwich bedeutete – der Anfang der Welt oder eben der 0. Längengrad. Durch einen Zufall eben fast genau 30° von einander „entfernt“. Die meisten Karten, welche in der golden Zeit der russischen Entdecker entstanden sind, sei es Krusenstern oder Behring, hatten als Nullmeridian diese Linie angegeben.

Ortszeit ? Uhrzeit ?
Für St. Petersburger hat die Sommerzeit einen weiteren Vorteil. Zumindestens im Sommer bekommt das Observatorium einen Teil dieser Bedeutung wieder. Ob bewusst oder nicht – aber wenn in St. Petersburg die Uhren 12:00 Sommerzeit anzeigen, steht die Sonne auch tatsächlich am höchsten am Himmel in Moskau wäre sie zur gleichen Zeit schon wieder etwas tiefer. Im Winter erreicht die Sonne in St. Petersburg, nach „Moskauer“ Zeit gerechnet, erst um 13:00 den höchsten Punkt. Im Sommer haben daher alle Sankt Petersburger eine Übereinstimmung von Uhrzeit und Ortszeit.

Was hat aber die Zeit mit den Längengraden zu tun ? Da die Erde sich in 24h einmal um sich selbst dreht bedeutet 1h = 15 Längengrade. 24h sind dann eben 360 Grad – also einmal rund um den Globus. Also bedeutet Navigation immer auch die genaue Kenntnis der Zeit. Breitegrade sind an Sternen und der Sonne ablesbar. Die Länggengrade nur mit einer guten Uhr.

meridian 30 laengengrad ostMoskauerzeit

Die Moskauer „Sommerzeit“ ist die Weltzeit* +3, im Sommer +4, gilt vom Ural für den ganzen Westen Russlands und überdeckt einen Bereich von über 2h „Ortszeitverscheibung“ ab. Im Winter bzw. bei Winterzeit, ist nicht etwa Moskau im Mittelpunkt der Ortszeit, sondern es sind die Orte nahe bei, oder auf dem 45 östlichen Längengrad. Das wäre eine Linie, die von Tschetschenien im Süden über Wolgograd, Penza, östlich von Nischni Nowgorod weiter nach Norden geht.

Weiter nach Osten erstreckt sich Russland ab dem Ural noch über weitere 9 Zeitzonen bis Kamtschatka und Tschukota an der Beringstrasse. Kaliningrad hat die westlichste Zeitzone mit Greenwichtzeit UTC* +2 (im Sommer +3), also die gleiche Zone wie Finland und die Baltischen Staaten. So das sich Russland insgesamt über 11 Zeitzonen erstreckt.

Sommerzeit und Ihr

In der Nacht zum 29. März wurden die Uhren um eine Stunde auf die Sommerzeit vorgestellt. Falls Ihr Computer das nicht automatisch erkannt hat, können Sie durch Doppelklick auf die Uhr (bei Windows meist rechts unten) die Einstellungen öffnen und einen zuverlässigen Zeitserver eintragen – z.B. einen Schweizer Zeitserver, der auch alle öffentlichen Uhren in der Stadt „synchronisiert“ ntp.mobatime.ru. So wird Ihr Computer die Uhrzeit immer automatisch genau nachstellen.

* die Weltzeit (UTC= Coordinated Universial Time) wurde nach astronomischen Berechnungen und der Erfindung genauer Uhren 1926 als Ersatz der Greenwich Mean Time (GMT) eingeführt. Geografisch ist UTC +- 0 aber nicht ganz exakt mit dem „Längengrad 0 als Greenwich +- der aktuelle Zeitzone“ übersetzbar.

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