Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Bestechung der Verkehrspolizei GAI? Für Ausländer nicht mehr nötig!

Von   /  30. Januar 2008  /  Keine Kommentare

Schmiergeld im Strassenverkehr – viel zu teuer.

    Drucken       Email

GAI Verkehrspolizei RusslandEin Erfahrungsbericht aus St. Petersburg.

(Achtung lang, nur mit Humor auszahlten und „schmierig“)

Mit dem neuen Jahr sind eine Reihe neuer Gesetze und Vorschriften zum Strassenverkehr in Kraft getreten.

Die Strafen für Alkohol am Steuer, und auch das Überfahren von einfachen oder zweifach-durchgezogenen Mittelstreifen wurden massiv erhöht. Es drohen 3 Monaten Entzug der Fahrerlaubnis oder 15 Tagen Gefängniss.

Zu Beginn dachte ich ja, dass dies endlich ein probates Mittel ist, um die in Russland lange gehegte Tradition „der Erschreckung des Gegenverkehrs“ zu beenden.

Eine Tradition, welche am Besten mit dem Zitat „mein Auto ist gross und die lange Schlange von Versagern vor mir hat ja links neben dem Mittelstreifen extra alles für mich freigelassen – also kann ich da ja mal schnell überholen“ beschrieben ist.

Recht und Gesetz, Strafe, Russland, St. Petersburg, Ikone, icon, Law Order,Solange ich mit dem Auto zur Arbeit und zum Einkaufen, der Datascha oder sonstigem bekanntem Territorium fahre, hatte ich über 3 Jahre keine Probleme mit den Strassenkontrollen der staatlich Auto Inspektion (GAI – ГАИ).

Aber im Dezember 2007 begann meine Gückssträhne.

Um nicht nachträglich in die Mühlen der Justitz zu gelangen, betreten wir ab hier nun das Reich der Prosa :-) – also Alles was jetzt folgt ist die reine „Erfindung“ – wirklich !

Auf dem Weg ins Hotel Astoria, an einer belebt beliebten Stelle direkt hinter der Isaaks Kathedrale, leuchtetet auf dem Parkstreifen linker Hand ein freier Parkplatz aus dem Schnee. Keine 40m vom Hotel, ich Glückspilz!

Blinker links, gesetzt und rasch eingeparkt. Ausgestiegen und schon klebt ein Streifenwagen der GAI am Heck. Später erfuhr ich das die dort seit Wochen in diesem reichen Fischgewässer Angeln.

„Ach seit neustem ist hier ein doppelt durchgezogener Mittelstreifen?“

Grosses Vergehen!

„4 Monate Führerscheinentzug!“„plus 500€ Strafe (umgerechnet)“ tönt es mir von links und rechts entgegen. Jede Menge Scheerereien werden mir prophezeit.

Ich versuche mich zu erklären und werfe ein das ich

a) Geld in diesen Staat schleppender Ausländer bin – also „Idioten Rabatt“ beanspruche…
b) ohne Gefährdung abgebogen bin, den aller Verkehr war mit roten Ampeln gestoppt und keine Autos auf der Fahrbahn…
c) die angebliche doppelte Linie unterm Schneematsch und Schmutz überhaupt nicht sichtbar ist –

Meine Argumente wurden von den Beiden Experten geflissentlich angehört, dann aktive mit einem Nicken zur Kenntniss genommen und nach intensiver, ordentlicher Erwägung ignoriert.

Also gehts weiter wie immer.Mir als Täter ist die Abneigung der Russischen Vehrkehrshüter gegen das Ausschreiben von mehrseitigen Strafanzeigen, samt anschließendem Papierkrieg bekannt. Ich erkläre sie mir mit angeborener oder erworbener Schreib-Lese Schwäche.
Meist werden die komplizierten Formulare zwar hervorgeholt, aber selten unterschrieben. So dachte ich mir, am Besten sollte der „Fahrer-Misse-Täter“ die Beamten nicht unnötig mit Schreibkram in Verlegenheit bringen.

Auf die huldvolle Frage „Ob ich darauf vorbereitet bin“ (übertragen „na was denkst Du wird das kosten, was bist Du bereit zu blechen“) erbarme ich mich, und antworte mit dem klassischen-schissigen Pioniere sind immer und auf alles vorbereitet. Man einigte sich auf 2000 Rubel – aber nur, weil der offensichtlich von seiner Untat geknickte Täter heute nicht mehr dabei hatte, um den Beamten von der Schreibarbeit zu befreien. Aber die netten Polizisten sind ja keine Unmenschen.

So half ich dem Beamten aus der Verlegenheit seine Legasthenie zu beweisen, viele Stunden Büroarbeit zu leisten und sich selbst erspart der Verkehrssünder dabei so an die 3 Tage Rennerei, Schlangestehen und ggf. recht massive Zuzahlungen in die russische Staatskasse.

Ein gutes Geschäft!

Zurück aus dem Land der Märchen, finden wir uns in der Realität –
genauer, auf der Wassili Insel, wieder.

Zum Beispiel auf der 3.Linie, in die ich zwischen Mittlerem- und Grossen Prospekt (auf der Karte von links oben) einbiege. Dort arbeitet mein Allergologe (Dr. Alxei Michalovitch Popovitch) , den ich Ausnahmsweise bei Fragen der Abstossungsreaktionen seiner Webseite und der Yandex Suchmaschine beraten soll.

Hurra ein Parkplatz direkt vorm Hause – (Grün bei Punkt „P“ im Bild) die Parkplätze stehen hier „senkrecht“ zur Strasse und sind hier recht ordentlich angelegt.
3 Linie - Nr6„Senkrecht“ ist aussergewöhnlich selten anzutreffen in St. Petersburg, denn in der schmalen Strasse, könnte man ja in Versuchung kommen in jede beliebige Richtung wieder auszuparken.

Nach dem Besuch tat ich dann eben genau das Falsche. Anstatt in der gleichen Richtung weiter zu fahren, probiere ich den Weg zurückzufahren auf dem ich gekommen war, im Schritttempo weil viel Platz ist ja nicht war.

Und jetzt wirds wirklich interessant…

War beim letztenmal die Strasse noch in beide Richtungen befahrbar, so ist sie jetzt also ein Einbahnstrasse geworden. Das war mir leider unbekannt und das wiederum geht allen so. Später habe ich in der St. Petersburgischen Zeitung gelesen das es beinahe eine „Januarrevolution“ auf der Wasiliinsel gegeben hat, so erbost waren die Anwohner.

Betrachten sie das Bild (ja vergrössern sie es ruhig mit einem Mausklick) – da ist der Kreuzungsverkehr, der ab sofort nur noch, von rechts unten bis zum 2. Grünstreifen einfahren kann, da ist man schon über der Kreuzung aber kann noch abbiegen. Gewohnheitstiere fahren aber gerne wie immer noch weiter und dann in die Strasse „3-Linie“ ein was ich sicher auch gemacht hätte, wäre ich den auch von dieser Seite angefahren.

Um solches schändliches Unterfangen zu stoppen, hat sich ein Videostreifenwagen bei Punkt „G“ weiter in der Strasse auf die Lauer gelegt. Ein reicher Fischgrund ohne Schonzeiten und Fischfangquoten.

Der Beamte sah dann mehr erschrocken aus, als ich Ihm (bei Punkt „H“ ) Schnauze an Schnauze gegenüber stehe. Ich bin ich ja nicht aus der Kreuzung sondern quasi aus dem Nichts vor ihm aufgetaucht.

Mir dämmerte es langsam dass hier

a) was ganz falsch gelaufen ist, und
b) dass bei einem so optimalen Zusammentreffen eines Ordnungshüters mit mir, nur einer Recht hat…
und
c) das der im Zweifelsfall wohl eher nicht ich bin.

Also springe ich aus dem Wagen noch lange eher er mich via Megafon dazu anbrüllen konnte.

GNADE? GNADE !

Ich sitze auf dem Rücksitz im GAI-Wagen. Eine Super Videoanlage und ein Notebook besser als meiner sind auf dem Beifahrersitz montiert, und nötigen mir IT Experten gehörigen Respekt ab.

Um das Eis zu brechen, spreche ich das auch aus, und werfe nach, dass ich auch gerne so ein heisses Gerät zum spielen hätte.

Er frägt und ich gebe Ihm meine Papiere, Fahrzeugschein, Versicherung und den deutschen Internationalen Führerschein in „orginal Beamtengrau“ sowie meine Beteuerung, das ich gerade vom Arzt komme.

Ich ereifere mich das ich die Einbahnstrasse nicht kannte, ja versteigere geradezu – schuldbewusst im Ton – gar nicht kennen konnte. Denn das Schild am dem Ende an welchem ich eingbogen bin wurde von einer Kirche im Umbau und derern Gerüsten verdeckt.

„Ja“ frage ich kleinelaut, „was würde mich den die schreckliche Verfehlung kosten?“. Ich sehe es ganz ehrlich ein das ich hier Falsch gefahren bin auch wenn es dumm ist, das ich es nicht bemerkte.

Also löse ich die Bremse an der Zunge und rede mich warm.

„Ich habs ja nicht besser gewusst – an der Einfahrt zur Strasse könnte ja ein Einbahnstrassen Schild stehen, wenn die Ecke nicht gerade von Baugerüsten verdeckt wäre“

und „im Übrigen bin ich das letzte mal 1997 also vor 11 Jahren am Robespiera Ufer auf der „Strafstojanka“ gestanden und seitdem wirklich sauber und vor allem ein recht(s)gläubiger Autofahrer!“.

Das Datum steht schon auf dem Protokoll, als er mich frägt, ob ich „vorbereitet“ wäre.

Blöde Frage – „Pioniere sind doch immer und auf alles Vorbereitet!“ – aber hier hat sich mal wieder ein ganz zweideutiger Unterton eingschlichen. Eine Frage die der offiziellen als auch der Höhe einer Ausweichzahlung gelten kann. Er will jetzt eine Summe benannt bekommen!

Der graue Lappen den er in der Hand hält, und meinen Internationalen Führerschein repräsentiert, ist bei genauer Betrachtung – nominal – auf dem Amt für Öffentliche Ordnung in Freiburg so ganze 10 Euro Gebühern wert, bei einer maximalen Wartzeit von ca. 7-10 min.

Die russische Variante zur Wiedererlangung eines Führerscheins geht ein nationales mehrmonatiges Ausscheidungs Spiessrutenlaufen voran. Schön durch fiesesten Warteschlangen und Behörden und mit vielen hochmotivierten Beamten darin.

Die 10 min. Wartezeit nimmt er mir nicht ab.

Also erkläre ich ihm, dass ich im Gegensatz zur einheimischen Bevölkerung überhaupt nicht leiden muss, wenn er den Dienst nach Vorschrift machen möchte und biete eben die 10 Euro an. Damit das auch glaubwürdig wird lege ich noch eine Andekdote aus meiner Russischen Frühzeit nach.

Das letzte mal, als ich meinen Schein für einen Monat abgeben musste war im Jahr 1997, und die Scheine wurden damals nocht nicht zur Strafe – mann konnte mit einem Temporären Ersatzausweis weiterfahren.

Das Original wurde als Inkasso Pfand einbehalten. Dennoch kümmert es den gemeinen Westeuropäer wenig, er rennt nur ungern in finster beleuchteten extrem auskunftsfreudigen Behörden herum um das Papier wieder zu bekommen. Zuhause kann er schneller einen neuen bekommen und spart dabei nicht nur Geld das Geld für die Strafe, sondern vor allem viel Zeit.

Der korrekte Vorgang beinhaltet Schlangestehen in russische Ämtern und Banken und dann wieder ins Amt um alle Papiere vorzulegen und zu hören was noch Fehlt.

Ich habs mal ausprobiert und um mich an meine Pflichten zu erinnern und nicht einfach auf den Führerschein zu verzichten und nach Zentraleurpa zu flüchten, wurde mir auf der Zentralen Amt der GAI in der Professor Popova Strasse dann sogleich der Fühererschein eines solchen Ignoranten aus einem Schukarton geklaubt und hergezeigt,
Der gehörte meinem Schweizer Kollegen mit dem wir viel Spass hatten – Jetzt noch ein Ernstes Gesicht zum Vorgang machen fiel mir damals schwer. Gerne hätte ich ihm den wieder mitgebracht.

Aber Zurück auf die Wasili Insel.

Ha ! meint der junge Hüter des Gesetzes, der aber noch nicht lange die Akademie verlassen haben konnte und parriert mit aktuellem Fachwissen.

„Wenn der Russische Staat eine Meldung an (er kannt nicht den Namen aber meinte „Flensburg“) macht, ist es aus mit deinem Fahrvergnügen, dann nehmen Dir die Deutschen auch den Führerschein weg!“.

Touche!

Ohne nachzudenken sprudelt es aus mir hervor – „die Bewertung von Ordnungswiedrigkeiten die im Rahmen der Amtshilfe aus Russland an Beamten in Deutschland gerichtet werden, werden leider immer durch den dicken Firnis-Filter allgemeiner (natürlich völlig falscher und übertriebener) Vorurteile über Korruption und ähnliches in Russland “ gesiebt .

Ein Beamter in Deutschland wird sehr genau die Plausibilität prüfen, ob er einem Staatsbürger aufgrund einer unbedeutenden Ordnungswiedrigkeit in Russland seiner Rechte beschränkt.

Das war natürlich eine frei erfundene Schutzbehauptung – denn kenne ich als freie IT Unternehmer das Innenleben eines deutschen Staatsdieners?

Als Selbständiger Mittelständler liebet mann diese Tiere im deutschen Beamtenzoo ja ganz besonders. Stellen Sie sich so einen typisch deutschen Beamten vor, macht auf Jugendlich und Bürgernah, ist aber im Kern der alte harte Knochen. Eines der typischen Exemplare, der Kur- Pensionsberechtigten Jammerklasse, dass an seiner menschenquälenden Arbeit zweifelnden, bis verzweifelnden, mit einem unsäglichen Menschenbild ausgestattet Anträge abstempelt. Er denkt und erwartet nur das Schlechteste von seinen Mitbürgern und bekommt das natürlich täglich bestätigt. Von dem vielen Stress wird er bald physisch und moralisch arbeitsunfähig – also Frühpansionsberechtig!

Nein, nichts lieg mir ferner als Das, auch in Deutschland kenn ich solche Leute nicht persönlich – ich erzähl dem GAI schnick nur was seine Kollege so umtreibt und er hört mangelnden Respekt heraus! – so einer wie der Deutsche da geht ja noch vor Gericht ? Sind doch extreme akkuart dies Deutschen… Ob der was meldet ?

Aber meine genauer Beschrieb einer Beamtenseele scheint ihm doch nahe zu gehen, vermutlich hat er sich wiedererkannt, er schaut leicht ratlos bis entsetzt ob meiner Erwiederung an.

Ermutigt von meiner Argumentation fass ich nach:
Betrachten sie bitte meinen 21 Jahre alten Wagen mit Grauschleier – sieht so ein neuer Russe aus?

„Millionäre sind wir ja alle nicht“ meint er abwehrend!“
Du vieleicht noch nicht“ denke ich leise bei mir, aber Deine älteren Kollegen schon.

OK – jetzt den Todesstoss ansetzen

Ich winde mich und erhöhe auf – „15 Euro! wäre das OK? „!

Ein Gesicht wie Sauere Gurken. Er bekommnt einen Anrufe, telefoniert und verabredet sich mit einem Kollegen, ich sitze mit schuldbewusster Mine hinten im Auto, und jammer ein bischen vor mich hin, der Herr Verkehrswächter sieht müde aus, als müsser er dringen weiter, und er redet etwas was ich nicht verstehe.

„Was haben Sie gesagt ?“

Er wiederholt „Wenn Du nicht gleich Verschwinde kann er sich es ja noch überlegen!„.
Und drückt mir meine Papiere in die Hand. Diesmal bin ich derjenige der überrascht aus dem Hemd schaut, bedanke mich höflichst, und springe aus dem Wagen. In meine Oldtimer kann ich mich erst mal wieder sammeln.

Hurra – Frau, Freunde, Kinder, Kollegen – alle ruf ich an und verkünde – ich habe gerade ein Wunder erlebt!

Wunder gibt es immer wieder – Teil 3 – Eine neue Methode zum Geld sparen.

Frage: Was passiert aus einer 4-spurigen Brücke mit 2 Spuren in jeder Richtung plus einem neuen Gesetz ?

Antwort: Ganz klar eine Brücke mit 3 Spuren in die Hauptrichtung, plus einer einzelnen Spur wo früher 2 waren plus eine obligatorische „GAI Fangstation“ gleich hinter der Brücke.

Der Wagen vor mir und ich werden rausgewunken – wir sind wie immer in aus der 2 spurigen Strasse einfach geradeaus auf die Brücke gefahren, leider auf der ehemaligen 2 Spur, jetzt Gegenverkehr.

Ich halte etwas näher und schneller an, also muss ich als erstes in den Milizwagen zur Belehrung einsteigen.

Siedend heiss fällt mir ein, das ich den Führerschein bei der GAI Aktion das letze mal vor 3 Tage in das Porte-monnaie* gelegt habe.

Schlimm dabei ist aber – wie mir heute an der Kasse im Supermarkt aufgefallen war, das Geld liegt Heute gemütlich auf dem Schreibtisch zu Hause.

Zum Glück war im Supermarkt noch ein Mitarbeiter dabei der durchaus bereit war seinem dusseligen Chef ein paar Rubel zuzuschieben, aber hier bin ich ganz alleine.

Also gehe ich in die Offensive, schliesslich sind hier heute 2 GAI-schnicks von ausgezeichneter Statur, erheblichen Nackenumfang und Bierbauch am arbeiten. Alte Hasen, die vermutlich schon unter dem letzten Generlsekretär ihr Handwerk erlernten.

Es dauert zwar etwas bis ich diesmal verstanden habe, warum ich schon wieder eine Missetat verbrochen habe, aber klar, das „Fahren im Gegenverkehr“ ist auch in Deutschland nicht gern gesehen.

Ich gebe alles zu und zeige Verständnis für den Staatsdienst, und schimpfe Heute nur auf mich.

Das „Me Culpa“ geht nach dem erfolgreichen Vorfall auf der Insel, schon recht gut geölt von der Zunge – Ich beschliess die Herren „totzuquatschen“.

„Wenn ich so furtbares Verbrechen begangen habe bitte ich habe grösstes Verständnis für die Strafe“ – und dann leise der Stachel.

„ich habe hier alle Fahrzeugpapiere, und hier die Vollmacht meiner Frau Ihren Wagen zu fahren!“

d.h. sie können mich nicht damit erpressen das Auto einzubehalten und z.B. auf die Schtrafstojanka, d.h. ein Extrateueren Parkplatz zu stellen….der wird natürlich von der GAI bzw. nahestehenden ex-Mitarbeitern betrieben.

Mit Verzweiflung in der Stimme – „noch viel Schlimmer mein Führerschein ist im Geldbeutel und selbiger zu Hause“ –

Kein Führerschein!
Kein Auto und
Kein Geld?

Jetzt können sie mich eigentlich nur noch einlochen.Mit Konsulat und dem ganzen Brimborium etc. etc. d.h. heisst das tagelange Arbeit, ggf. die Aufmerksamkeit in der aktuellen Antikorruptionskampagne und am Schlimmsten – den Rest vom Arbeisttag kein „Cash-Flow“ mehr. **

Ich biete an meine Frau den Schein und Geld bringen zu lassen. Die Jungs sind einverstanden und ich fang an zu telefonieren. Ich diskutiere mit der Frau die alles andere als Begeistert ist und die Beamten hören sich das an, sind genervt weil an Ihre eigenen Diskussionen mit Ihren Frauen erinnert und werfen mich ob meines Häuslichen Sermons kurz aus dem Auto um schnell den anderen Wagen abzufertigen.

Der andere Fahrer frägt beim Vorbeilaufen kurz und konspirativ „Wieviel kostet es Heute?“ – „Keine Ahnung, bin noch nicht fertig“.

Die Ehefrau bestätigt den Aufenthalt von Geld und Führerscheinen und will sich auf den Weg machen (d.h. Sie wird sich aufputzen und nicht eher als in 30min die Wohnung verlassen) auch ich suche ein bischen demonstrativ im Auto obwohl ich weiss das nichts da ist. Die Preisverhandlung beim Anderen gingen anscheinen recht zackig vorran er fährt schon wieder weiter.

Zurück bei den Verkehrsgesetzeshütern gestehe ich dann, das ich wirklich nix dabei und wir auf die Frau warten müssen.

Name – „Müller wie Schtirliz“***, der Mann blättert verelgen in meinen Fahrzeugpapieren, ich denke mir nett reden hat das letzte mal auch den letzten Nerv getötet warum nicht aus heute Abend, hier im Eisregen am Obwodnij Kanal.

Ich habe den Führerschein schon mit 17 Jahren vor meinem 18 Geurtstag gemacht und seither 24 Jahre nicht abgegeben

Ich rede wie der Teufe und erwähne ich alles was ich bereits ein paar Tage zuvor erzählt hat und ich merke, bei der Erwähnung alter Orte des intime Glücks für diese Beamten (Eben die Strafstajanka**** am Robespieraufer, die gibts lange nicht mehr) das sie weich werden.

Was sollen sie auch machen mit einem Ausländer der bestenfalls einzusperren ist aber doch eingentlich ein netter Kerl zu sein scheint zu machen. Geld ist ja keins da. Wir beraten schon zusammen was man mit mir machen kann.

Auf was bin ich „vorbereite“ – in diesem Fall ist der Pionier alles und viel mehr Vorbereitet…. z.B. Ich erwähne man könnte mich auch mündlich verwahrnen und einfach laufen lassen….

Meine Frau kommt gleich mit Geld und Dokumenten
Wann ist deine Frau da?“ – ich mach eine sehr konservative Schätzung – „Schon in ca. 55 min !“ Das Auto ist ja leider hier“ – „so viel Zeit haben wir nicht“ – Stimmt denke ich – es gibt für die Beiden seit dem neuen Gesetz ja viel zu viel Fangstationen mit Format, um hier noch lang zu verweilen, und gar weitere Verkehrsverbrechen ungsühnt bzw. unbezahlt abzusitzen, u.A. mit mir auf dem Rücksitzt – Panik!

Ich denke das Sie jetzt besser allein Sein müssen um sich zu bereden.

Meine Frau meint, sie hätten den Internationalen Schein im Handschufach gesehen….
ja, ja, schau schnell nach“ (übertragen bzw. halt endlich den Mund) .

Ich spring vom Milizfahrzeug durch den Eisregen wieder in den eigenen Wagen, Suche, und Suche, Suche und Suche, und finde leider wieder Nichts.

Als ich mich mit dieser Meldung zurück auf dem Rücksitz der Verkehrshüter einfinde. Gibts ein kurze Ermahnung und ich sehe meine Papier auf mich zukommen, „vielen vielen Dank, ich danke für die Verwarnung und den Hinweis auf die neue Verkehrsführung, brodelt es aus mir heraus“ !

Ohne Führerschein und ohne Bezahlung das 2. mal aus den Fängen entschlüpft!

Ich bin diesmal selbst so überwältigt, das ich dem davonfahrenden GAI Beamten noch lange durch die regenasse Scheibe nachsehe. Als ich meiner Frau Bescheid gebe, dass Sie den Mantel hängen lassen kann freut die sich mehr darüber als darüber dass schon wieder ein Wunder passiert ist.

Ja – denke ich Russland ist doch fantastisch!

* Porte-monnaie = Brieftasche = Geldbeutel

** Anekdoten zum Thema Staatsdiener und Arbeit

*** Schtirliz ist eine bekannte Hauptfigur aus einer sehr beliebten TV-Filmserie (17 Momente im Frühling) aus den 60er Jahren.

Der Plot geht ungefähr so: Max Otto von Schtirliz – in wirklichkeit Maxim Isajew, ist ein russischer Spion, der als Mitarbeiter der GESTAPO in Berlin glänzt, doch seinem für einen Chef, dem Gruppenführer „Müller“, kommt er immer wieder sehr verdächtig vor. Der OG Müller wird von dem beliebten Schauspieler Leonid Sergeewitsch Bronewoij sehr sympatisch gespielt. Er ahnt das Schtirliz nicht sauber ist, und ab und zu verdächtigt er Ihn Spion zu sein, sie foppen sich, legen sich Fallen, aber Schtirliz entkommt immer wieder wie durch ein Wunder – und Müller kann ihn nie überführen.

Der Spruch „Mein Name ist „Müller wie bei Schtirlitz“ rührt jedenfalls jede aufrechten EX-Sovietbürger, also auch alle Russen ab 30 aufwärts, zum Grinsen. Den Schtirliz windet sich dabei immer wieder und auf unglaubliche bzw. unglaubwürdige Weise aus der Situation. In der Alltagkultur der 70er und 80er ist er der Prototyp von Witzen aller Art bei denen man sich aus unglaublichen Situationen rettet.

Entschuldigung Chef, die Verspätung, mein Bus ist umgefallen“ – „Das ist doch kein Grund nicht zur Arbeit zu kommen, dann nimmst Du gefälligst den nächsten“ – „Im Prinzip,ja, aber mein Bus ist auf die Türen gefallen„….

Interessant ist jedenfalls das die Deutschen in dem Film nicht so undifferenziert „dumm und böse“ dargestellt sind wie bei den Briten oder Amerikanern in ähnlichem Filmen der Fall ist.

*

    Drucken       Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Russland-Blog: Megapolis Moskau – Begegnung mit Bulgakow

mehr…