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Sind Gouverneur Poltawtschenkos Tage im Amt gezählt?

Von   /  14. April 2012  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Georgi Poltawtschenko, Petersburger Gouverneur seit vergangenem Herbst, ist nicht mehr im Gespräch – das heisst gesprochen wir vor allem über seinen Rücktritt. Er benehme sich wie jemand, dem nicht mehr viel Zeit auf seinem Posten verblieben sei, schreibt neva24.ru und sagt seinen baldigen Abschied voraus.


Dieser Schritt wäre in soweit nachvollziehbar, als dass der Kreml die Zeit vor der Wiedereinführung der Gouverneurswahlen nutzen würde, um einen genehmen Kandidaten einzusetzen. Doch die Chancen Poltawtschenkos, eine Wahl zu überstehen, sehen momentan alles andere als gut aus.

Gerade 37 Prozent der Stadtbewohner würden laut einer Umfrage der Agentur für soziale Information für ihn stimmen. Zwar beurteilten ihn nur 9 Prozent der Befragten eindeutig negativ, doch ganze 39 Prozent konnten oder wollten keinerlei Urteil abgeben – und genau hier liegt vermutlich sein Problem: Man kennt ihn kaum.

Matwijenko war bei der Sache

Obschon seine Vorgängerin Valentina Matwijenko eine keineswegs unumstrittene Persönlichkeit war, hatte man den Eindruck, sie sei bei der Sache. Neben vielen werbewirksamen Auftritten beschäftigte sich Petersburgs starke Frau aktiv mit ihrer Aufgabe, war unterwegs, kommentierte und zögerte bei Kritik nicht mit einer Antwort.

Poltawtschenko hingegen wirkt wie ein Platzalter, ein ausführender Beamter ohne das geringste Charisma, der nicht mehr tut als er gerade muss und ansonsten stumm und unantastbar im Smolny sitzt. Kürzlich soll er während einer Regierungssitzung einfach eingenickt sein – die Erklärung des Pressedienstes, er habe bloss die Augen geschlossen und nachgedacht, wirkte wenig überzeugend.

Lediglich als orthodoxer Kirchen-Freund bekannt

Bekannt wurde der wortkarge Patriarch lediglich durch seine offenkundige konservative und kirchenfreundliche Haltung. Ohne zu zögern setzte er kürzlich das fragwürdig Gesetz gegen „Homosexuellen-Propaganda und Pädophelie“ in Kraft.

Obschon den Beschluss laut einer Umfrage 78 Prozent der Bevölkerung in Ordnung finden, wurde der Ruf Petersburgs als weltoffene und tolerante Stadt international in Frage gestellt. Während seines letzten Besuchs in Finnlands entging Poltawtschenko den Demonstranten nur durch die Hintertür.

Nachfolge wird aktiv diskutiert

Sogar die schwelenden Rücktrittsgerücht lässt Poltawtschenko unkommentiert, dabei wird bereits aktiv über seine Nachfolge diskutiert. Im Gespräch war bis vor kurzem der abgesetzte Finanzminister und jetzige Leiter der Bürgerrechtsbewegung Alexei Kudrin – doch dieser hat ein Amt als Gouverneur mittlerweile klar abgelehnt.

12 Prozent der Stimmen würde Oxana Dmitrijewa von „Gerechtes Russland“ erhalten, 8 Prozent erhielte die frühere Gouverneurin Valentina Matwijenko, „Jabloko“-Leader Grigori Jawlinsky könnte mit 4, der Putin-Vertraute Dmitri Kosak mit 3 und der Petersburger „Jabloko“-Vorsitzende Maxim Resnik mit 2 Prozenten rechnen.

Wird Petersburg mit dem Leningrader Gebiet verschmolzen?

Eine ganz andere Frage betrifft die mögliche politische Vereinigung Petersburgs mit dem Leningrader Gebiet, die bisher auch nur gerüchtehalber diskutiert wird. Falls diese Frage aktuell werden sollte, würde sie wohl in einem Zug mit der Ernennung des neuen Gouverneurs erfolgen. (eva)

Bild: www.gov.spb.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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