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Schwerpunkt DEUTSCHE WOCHE: Orgelkonzert mit Franz Danksagmüller

Von   /  22. April 2009  /  2 Kommentare

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mm.- Nach dem Orgelkonzert in der Malteserkapelle des Woronzow-Palast an der Sadowaja konnte sich der Gast aus Deutschland kaum der Autogrammwünsche und Danksagungen durch die begeisterten Zuhörer erwehren.

Kein Wunder, denn es stimmte bei diesem Konzert so ziemlich alles. Das kalte aber sonnige Wetter auf dem Weg durch den Palast, die exzeptionelle Architektur der Malteserkappelle, das sanft und warm klingende Orgelinstrument, das begeisterte Publikum, ein Programm das in Petersburg selten gespielte Orgel Literatur bereithielt und zu guter Letzt der sympatische, junge Professor aus der Orgelstadt Lübeck, der diesem Abend die besonderen Noten gab.

Von Österreich bis Lübeck und St. Petersburg

franz-danksagmuller-vor-der-walcker-orgel-malterserkapelle-st-petrsburg1Franz Danksagmüller hat als gebürtiger Österreicher unter anderem in Wien studiert. Heute lehrt er als Professor für künstlerisches und liturgisches Orgelspiel und dem Fach „Orgel Improvisation“ an der Musikhochschule in Lübeck. Franz Danksagmüller wird sich gewundert haben, wie „gut besucht“ ein Orgelkonzert in St. Petersburg sein kann. In Deutschland ist Orgelmusik ein steter Begleiter der Andachten und Messen. In St. Petersburg ist sie kein Teil des Kirchenalltags und wird als besonderer Kunstgenuss wahrgenommen. Entsprechen voll war die Malteserkapelle, so dass einige Besucher nur noch stehend das Konzert geniesen konnten.

Er spielte dem begeisterten Publikum nicht nur eine Auswahl der goldenen Eckpfeiler der Orgel Literatur, namentlich Bach, Mendelson, Brams und Ceasar Frank, sondern die in Petersburg selten zu hörenden Frühbarocken Komponisten Johann Ulrich Steigleder und eines der Cantio Sacra des großen Samuel Scheidt. Zum Abschluss des Konzerts spielte Frank Danksagmüller noch eine Eigenkomposition,  die modern war aber dennoch gut in den Rahmen passte, fast wie ein Improvisation Klang und zum Abschluss das Publikum begeisterte.

Von uns nach der Qualität der 2005 erneuerten „romantischen“ E.F. Walcker Orgel gefragt bestätigter der Organist dem St. Petersburger Herold – „Ein ganz wunderbares Instrument“.

Die Malteserkapelle – eine katholische Kapelle für den Zaren

malterserkapelle-st-petrsburgDie „Malteserkapelle“ ist ein gut behütetes und gut verstecktes Kleinod im Zentrum von St. Petersburg. In orthodoxen Gotteshäusern ist nur Gesang und kein Instrument erlaubt. Orgelmusik in originalem Ambiente kann dadurch nur in katholischen oder protestantischen Kirchen in der Stadt gehört werden. Die Malteserkapelle befindet sich inmitten einer Militärschule und ist von Übungsparcours für den Drill, historische Tanks sowie der üblichen militärischen Bewachung umgeben und liegt im hinteren Teil des Palastensembles.

Der heutige Palast wurde 1759 im Auftrag des Vizekanzlers Woronzow vom berühmten Rastrelli erbaut. Da der Kanzler unter Katharina der Großen entlassen wurde, musste er seinen grosszügigen Palast an den Staat verkaufen, der diesen nun als Gästehaus verwendet.

1798 beauftragte der Sohn Katharinas, Paul der Erste (Pawel), den Architekt Giacomo Quarenghi mit dem Bau der katholischen Kapelle. Zu dieser Zeit wurde Zar Paul Grossmeister des Malteserordens und benötigte den Palast für die Malteser als Amtssitz. Wieder wechselte der Name, diesmal in „Malteser-Schloss“. Quarenghi, bekannt für seine klassizistischen Bauten (u.a. Smolny-Palast), hat mit der Malteser Kapelle ein Meisterwerk im Stil der Hochrenaisance seiner Heimat erstellt.

Die Orgel der Malteserkapelle

malterserkapelle-st-petrsburg-2Die erste Orgel wurde gleich nach der Fertigstellung 1801 aus dem Bestand des Taurischen Palais in die Kapelle eingebaut. Über die Jahre wurde das Instrument aber zunehmende schlechter. 1862 wurden dann endlich bei der bekannten deutschen Firma E.F. Walcker eine der Akustik und Architektur angepasste Orgel bestellt.

Das Instrument mit seinen zwei Manualen ist ein typischer Vertreter der „romantischen“ Orgeln aus dieser Zeit. Bis 1909 stand sie in der Kapelle und wurde in den 20er beinahe verkauft. Sie überlebte dann die Zeiten im heutigen Michailowski Theater am Platz der Künste. In erbärmlichen Zustand wurde sie dann 2004 in Rakwere, Estland frisch renoviert und 2005 an Ihren angestammten Platz in der Malteserkappelle zurückgebracht. Ein Freundeskreis sowie die Orgelklassen der Universität nutzen die spezielle Akustik für Ausbildung und regemlässige Konzerte.


Fotos ©&nspb;Markus Müller, St. Petersburger Herold

LINK:  „Schwerpunktthema DEUTSCH WOCHE in St. Petersburg“

Link zur Malteserkappelle www.maltacapella.ru

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2 Kommentare

  1. mm sagt:

    Hallo Herr Pfarrer von Sternbeck,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Die Literatur ist korregiert, bezüglich des Namens bin ich unsicher – ich bin leider nur Enthusiast und kein Experte – haben sie mir einen Tip oder eine Online Quelle – ?

  2. Dietrich von Sternbeck, Pfarrer sagt:

    Sehr verehrte Redaktion, mir hat dieser Artikel sehr gut gefallen, er ist mit grosser Gründlichkeit und Genauigkeit verfasst. Sehr vervoll sind Informationen zur Kapelle und Orgel.
    Um so bedauerlicher sind Kleinigkeiten, die mich beim Lesen etwas gestört haben – der Name des Bach-Entdeckers und das Wort „Orgel Literatur“ schreibt sich etwas anders.

    Mit freundlichen Grüssen und immer noch österlichen Wünschen aus dem inzwischen sommerlich gewordenen Moskau
    P.D.v.Sternbeck

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