Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Schwerpunkt DEUTSCHE WOCHE: Heinrich Heine immer noch brandaktuell

Von   /  24. April 2009  /  2 Kommentare

    Drucken       Email

Was eine ordentliche Deutsche Woche werden will, sollte einen der bekannten Dichter oder Denker mit im Programm führen. Auf persönliche Initative des Heinrich Heine-Verehrers und Generalkonsul Peter Schaller wurde der zur Zeit beste Interpret und Rezitator für Heines Werk, der Österreicher Otto Steffel zur Deutschen Woche eingeladen. Den Vortrag im Puschkinmusem begleitete Tatjana Melikova mit zeitgenössischer Musik von Liszt, Schumann und Schubert.

Von Markus Müller

Otto Steffel hat in über zwei Stunden freien Zitats, die Gedichte Heinrich Heines und auch den Menschen Heine auf die Bühne und ins Herz des Publikums gebracht. Dem österreichischen Künstler, seiner immensen Bühnenpräsenz und Kenntnis des Dichters ist zu danken, dass der Abend zum literarischen Höhepunkt der Deutschen Woche wurde.

Bereits zu Beginn liess Steffel Heinrich Heine aus seinem Grabe auferstehen. Mit einer sehr guten Auswahl spannte Steffel den Bogen über die Heine typischen Themen – vom  Privaten ins Politische und wieder zurück zum Menschen. Themen sind: tragische Liebe, Eitelkeit, Ignoranz der „besseren Gesellschaft“, Religion, Antisemitismus, menschenverachtende Politik und Krieg – stets begleitet vom Traum des  „Aussteigers“ Heine mit seinem Wunsch nach Frieden in Gesellschaft und mit der Natur.

„Wunderbar, ein richtig gutes Gedicht! Muss sofort verboten werden!“

Obwohl in der Welt des 19. Jahrhunderts geschrieben, zeigt dieses Programm die Zeitlosigkeit Heines, der mit allen seinen Themen heute immer noch „brandaktuell“ ist. Fürst Metternich, der nach der kurzen „napoleonischen Moderne“ die deutschen Fürstentümer und ihre Bürger wieder ins Korsett der Restauration zwang, wird zum Auftakt des Gedichts „Die schlesischen Weber“ treffend zitiert:  „Wunderbar, ein richtig gutes Gedicht! Muss sofort verboten werden!“

Die „Globalisierung“ des 19.  erinnert an jene des 21. Jahrunderts.

Beeindruckend aktuell auch die parallelen im Gedicht das „Das Sklavenschiff“. Die globalisierte Gewinnoptimierung hat er bereits vor über 150 Jahren mit spitzer Feder aufs Korn genommen. Dem Handelsherren waren die Auswirkung, der Tod der „menschlichen Ware“ damals noch direkt vor Augen. Er selbst war sich jedoch keiner moralischen Verfehlung bewusst. Und so unterscheidet sich Heines Händler von den heutigen Protagonisten der Weltwirtschaft – Finanzjongleure oder Getreidebroker – nur durch die geografische Distanz von den Opfern. Die Blindheit für die Grausamkeit ihres Tuns ist heute offensichtlich immer noch die Gleiche.

Den kritischen Bürgern ins Brevier geschrieben

Heines Hader mit dem eigenen Schicksal und der damaligen politischen Verfolgung in Deutschland lässt sich auch heute problemlos verstehen.  Sein Gedicht „Jetzt wohin“, das nach der gescheiterten 1848 Revolution entstand, erinnert an die schleichende Zensur in Deutschland und das Berufsrisiko der Schreibenden in anderen Ländern.

„Zwar beendigt ist der Krieg,
doch die Kriegsgerichte blieben,
und es heißt, du habest einst
viel Erschießliches geschrieben.“

Heine emigrierte nach Paris, wo er 1856 auch verstarb.

Im Text besprochene Gedichte
„Das Sklavenschiff“

„Die schlesischen Weber“

    Drucken       Email

2 Kommentare

  1. mm sagt:

    Lieber Herr Dolacek, Lieber Herr Steffel,

    sie haben ja bemerkt – nicht nur mir hat der Heine Abend und die Präsentation sehr gut gefallen. Wie Herr Steffel vor dem Abgang bemerkt hat – er könnt uns „länger“ mit Heine zitieren amüsierend als „wir“ das im Publikum aushalten :)
    Das würde ich gerne schon eher auf die Probe stellen und nicht ein ganzes Jahr warten.
    Herzliche Grüsse aus Petersburg nach Wien

  2. Vielen Dank, S.g.Herr Müller, für diesen wunderbaren Artikel. Wir haben uns in St.Petersburg sehr wohlgefühlt und möchten nächstes Jahr wieder kommen.
    Herzliche Grüße aus Wien von Otto STEFFL und Fritz DOLACEK

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Paul Ammann in Russland: „Ich finde es gut, dass sie an ihr eigenes Land glauben“

mehr…