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Schwerpunkt Avantgarde-Architektur: die Schule an der Strasse der Textilarbeiter

Von   /  3. August 2011  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die Schule an der Uliza Tkatschei 9 ist eines der schönsten und best erhaltensten Bauwerke der Avantgarde im Newski-Bezirk. Die grosszügige Anlage, die in den Jahren 1927 bis 1929 vom Architekten G.A. Simonow errichtet wurde, hat Dynamik und Fortschrittlichkeit jener Epoche bewahrt (siehe Fotogalerie).

Der grosse Schulkomplex für rund 1500 Schülerinnen und Schülerinnen besteht aus drei parallelen Körpern, die nach dem Funktionsprinzip gegliedert sind. Die Körper von unterschiedlicher Länge und Breite stehen gegeneinander verschoben und werden durch eine Galerie auf Säulen verbunden.

Der längste, dreistöckige Korpus liegt an der Südseite an der Uliza Tkatschei und wurde für die unteren Klassen konzipiert. Der kompaktere nördliche Block mit seinen abgestuften, vier bis fünf Stockwerken war für die älteren Schulklassen vorgesehen. Zwischen den beiden weit auseinanderliegenden Trakten sind die Sporthalle und die Aula platziert. Dieser Teil konnte autonom als Klub betrieben werden. Im Verbindungsteil waren Bibliothek und Mensa untergebracht.

Helle Zimmer und Korridore

Die Klassenzimmer gehen auf die sonnige Südseite hinaus und werden durch helle Korridore auf der Hofseite verbunden. Vor der Schule in der Nähe der Strassenkreuzung wurde ein Park angelegt. Die Schule galt als verbildlich – die klare und leichte Architektur, die Freiheit und Grosszügigkeit des Areals voller Licht und Luft machten sie attraktiv.

Grigori Simonow, Leiter des Baukommissariats und führender Leningrader Avantgarde-Architekt, entwarf die Schule streng nach dem Fuktionalitätsprinzip, aber ohne dass das Projekt orthodoxalen Charakter erhielt. Die Mischung aus geometrischen Formen – helle Wandflächen und dunkle liegende Rechtecke – machen das Gebäude zu einer Synthese aus Konstruktionismus und Supprematismus.

Dessauser Bauhaus hinterliess seine „Spuren“

Mehrere Quellen bezeugen, dass an den Bauarbeiten der junge L. M. Hidekel teilnahm. dem es als erstem gelang, das supprematistische System Malewitschs als reale Architektur zu übersetzen. Andererseits sind hier ebenso Spuren des Dessauer Bauhauses von Walter Gropius zu finden. Dies wird vor allem bei der Galerie ersichtlich und beim nördlichen Bau mit seinen reinen Formen und drei horizontalen Fenstern.

Adresse: Uliza Tkatschei 9 >>>

Weitere Bauwerke der Avantgarde >>>

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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