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Schwerpunkt Avantgarde-Architektur: Das Wohnquartier der Textilarbeiter

Von   /  20. Juli 2011  /  Keine Kommentare

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In den Jahren 1926-1929 baute man auf dem frisch erschlossenen Areal im Newski-Bezirk Wohnungen für die Arbeiter der verstaatlichten Textilfabrik „Roter Textilarbeiter“ (siehe Fotogalerie unten). Das Wohnquartier an der neu gebauten Tkatschei-Strasse (Uliza Tkatschei) wurde von den beiden Architekten des Wohnkommissariats David Buryschkin und Lew Twerskoi mit viel städtebaulichem Schwung entworfen.

Sein Zentrum wurde der halbkreisförmige Platz (Ploschad Kultury) an der Kreuzung zweier Strassen (Uliza Tkatschei, Uliza Babuschkina). Von ihr führten strahlenförmig in der Diagonale noch zwei Wege. Diese Art von Auffächerung der Siedlung hatte sicher Vorbilder, wie zum Beispiel die Admiralität oder das Projekt „Neu-Petersburg“.

Diese Vision konnte jedoch nicht ganz umgesetzt werden, da ein Teil der „Strahlen“ in die Sackgasse führen. Das Quartier aus 20 freistehenden Gebäuden erstreckt sich entlang der Südseite der Uliza Tkatschei. Gegen die Strasse hin stehen dreistöckige Häuser, dahinter zweistöckige.

„Sägezahn“-Effekt einzigartig in Petersburg

Einzig die Eckgebäude, welche an den halbkreisförmigen Platz stossen, besitzen als Akzent vier Stockwerke. Die Hauptprägung erhält die Wohnsiedlung durch die Diagonale. Die Architekten vermieden aber eine triviale linienförmige Lösung mit einer dynamischen und abwechslungsreichen Anordnung der Gebäude.

Die Anordnung der Wohnhäuser im 45-Grad-Winkel zur Hauptachse führte einerseits zu abwechslungsreichen Wohnungsgrundrissen, gleichzeitig ergab sich durch diese Abstufung zur Strasse hin ein „Sägezahn“-Effekt, der in der Petersburger Avantgardearchitektur einzigartig ist.

Zerfall setzt Lebensqualität herab

Stilistisch gesehen vollzieht sich in diesem Beispiel der sanfte Uebergang von der Neoklassizismus zur frühen Avantgarde – eine Lösung, die mit anderen Siedlung dieser Epoche verwandt ist. Einzigartig hingegen sind die Logen, die auf Höher aller Etagen ausgeschnitten wurden. Zusammen mit der horizontalen Struktur der Fassade ergibt sich dadurch ein Eindruck geometrisch-supprematistischer Prägung.

Die asymmetrische Verbindung der Wohnblocks durch leichte Bögen in voller Gebäudehöhe ergibt einen leicht theatralischen Effekte. Die Siedlung besitzt viel Grünfläche, und in den Innenhöfen herrscht eine friedliche Atmosphäre. Leider wird die Lebensqualität durch den teilweise bedenklichen Zustand der Häuser deutlich herabgesetzt.

Wohnquartier der Textilarbeiter (1926-1929), Architekten: D.P. Buryschkin, L.M. Twerskoi

Adresse: Uliza Tkatschei, Uliza Babuschkina >>>

Weitere Bauwerke der Avantgarde >>>

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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