Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Schwerpunkt AVANTGARDE: architektonische Seifenblase und Ausländertreff – Kruglaja Banja

Von   /  2. Oktober 2009  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

Von Eugen von Arb

Etwas versteckt hinter hohen Bäumen und direkt neben dem verkehrsreichen Ploschad Muschestva steht die „Runde Banja“ – eines der gewagtesten Projekte der Avantgarde-Architektur in Russland. Selbst wer direkt an der kreisrunden Aussenmauer steht, kann sich das Gebäude nur schwer in seiner Gesamtheit vorstellen. Dafür wäre ein Blick aus der Vogelperspektive aus einem der benachbarten Hochhäuser nötig.


Gläserne „Seifenblase“

Alexander Nikolski konnte sich 1927 mit seinem Entwurf durchsetzen –  von dem allerdings nur ein Teil verwirklicht wurde. Das Badehaus besteht aus einem zylinderförmigen, zweigeschossigen Bau mit Flachdach und kreisförmigem Innenhof. Über diesem plante der Architekt eine grosse monumentale gläserne Halbsphäre, die an eine riesige Seifenblase erinnert. Sie  konnte jedoch damals aus technischen Gründen nicht realisiert werden.

Auch der Eingangstrakt, der beim Modell wie ein sich verjüngendes verlängertes Kreissegment angeschlossen ist, wurde beim Bau zu einem simplen rechteckigen Block mit verglaster Frontseite reduziert. Im Innern ist dagegen die Form und Anordnung der Garderoben, Dusch- und Baderäume dem Rundkonzept angepasst.

Energiesparendes Bauen schon in den Zwanzigerjahren

Dadurch, dass die untere Etage leicht in die Erde versenkt wurde, konnte die Aussenoberfläche verringert und damit der Wärme und Energieverlust gesenkt werden. Im Untergeschoss sind die holzverkleideten Lux-Badekabinen untergebracht. Während der Neunzigerjahre traf sich hier lange Zeit die wachsende Ausländergemeinde St. Petersburgs. Viele Bekanntschaften und wohl auch Geschäfte wurden hier bei Wasserdampf und Bier geschlossen.

Allerdings verfiel die Banja zunehmend, was eine aufwändige Renovation (2006-2007) nötig machte. Leider wurden dabei die dunklen Elemente zwischen den Fenstern, welche die Illusion eines durchgehenden Bandes ergaben, hell überstrichen. Das ist in den Bildern vor und nach dem Umbau sichtbar.

In der oberen Etage, die durch eine Treppe beim Eingang erreicht wird, befindet sich die „Holzklasse“ – Garderoben, Duschen und Banja für grosse eine grosse Gruppe. Noch heute waschen sich hier jene, die in einer Kommunalwohnung oder Gastarbeiter, die über kein Badezimmer verfügen und hier zu einem relativ günstigen Preis Sauberkeit und Erholung finden. Wer sich gewaschen hat, lässt sich gerne auch gleich die Haare schneiden – daher befand sich in der Kruglaja Banja zeitweise auch ein kleiner Coiffeur-Salon.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Schwerpunkt AVANTGARDE: Vom Musterbau zur Mausefalle – das Haus der politischen Gefangenen

Schwerpunkt DEUTSCHE WOCHE – Architekturausstellung: Was tun mit der “Platte”, statt sie platt zu machen?

Größere Kartenansicht

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Das Taurische Orchester zwischen Klassik und Rock, zwischen Vergangenheit und Gegenwart

mehr…