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Schweizer Technopark „Mobahaus“ in St. Petersburg eröffnet

Von   /  17. Juli 2013  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Das „Mobahaus“ ist nach dreijähriger Bauzeit feierlich eingeweiht worden. Am Eröffnungsfest nahmen der Verwaltungsrat der Moser-Baer Gruppe, Vertreter aus der Diplomatie sowie der örtlichen Behörden teil. Zur Erinnerung an den früheren Leiter der Moser-Baer Gruppe Urs Moser wurde eine Gedenktafel enthüllt (siehe Fotogalerie).


Bis zum letzten Tag vor der Einweihung wurden noch am Belag des Vorplatzes gebaut und die Fassaden gereinigt. Mit seiner schönen Klinkerbau-Fassade sorgte das „Mobahaus“ an der Sedova 46 bereits vor einigen Wochen für Aufsehen als die hohe Mauer vor dem ehemaligen Heizwerk beseitigt wurde, und der kubische Bau mit seiner dunklen Verglasung ganz zum Vorschein kamen. Da ging so manchem Passanten, der vorbeispazierte, die Augen über.

Nicht anders ging es auch den vielen Gästen, Mitglieder des Moser-Baer-Verwaltungsrats und den Vertretern aus Mobatime-Tochterfirmen aus Deutschland und Tschechien, die zur Eröffnung eingeladen waren. Hinzu kamen der Schweizer Botschafter in Moskau Pierre Helg, der Schweizer Generalkonsul in St. Petersburg Ernst Steinmann sowie der stellvertretende Vorsitzende des Newski-Bezirks Wjatscheslaw Dmitrjew.

10 Jahre – ein hohes Alter für eine russische Firma

Als erster Redner begrüsste Direktor Alexander Reichberg die Gäste und erinnerte an den Beginn der Mobatime-Uhren in St. Petersburg 2003 als die Schweiz der Stadt zum 300-Jahr-Jubiläum 100 Strassenuhren aus Sumiswald schenkte. Zehn Jahre alt sei die Firma geworden, meinte er – das sei ein junges Alter für Schweizer Massstäbe, aber ein hohes für eine russische Firma. Ein hohes Alter auch für eine kleine Firma, die sich aus eigenen Kräften aufgebaut habe.

Er wünsche diesem Haus, dass darin neben Fleiss und Geschäftssinn immer auch viel Liebe herrsche – denn würden nicht die besten Dinge im Leben geschehen, weil sie mit Liebe getan würden, fragte er die Anwesenden. Von Zuneigung sei auch die Beziehung Urs Moser zu St. Petersburg geprägt gewesen – nur darum habe dieser sich auf das Russland Geschäft eingelassen und nur so habe auch das Mobahaus entstehen können. Zum Gedenken an den langjährigen Geschäftsführer und Freund enthüllte sein Compagnion Albert Augustburger eine Gedenktafel in der Eingangshalle:

„Gewidmet einem Weltmenschen, Unternehmer, Musiker und Unternehmer.
Sein Pioniergeist, seine Weitsicht und Freundschaft mit dieser Stadt, ihrer Kultur und ihren Menschen bilden das Fundament für dieses Haus.
In dankbarer Erinnerung an Urs Moser

Rimsky-Korsakow-Quartett begleitet Eröffnung musikalisch

Während der Eröffnung spielte das „Rimsky-Korsakow-Quartett“ im Entrée des Mobahauses – ein Ensemble, das vom Klassik-Freund Urs Moser sehr geschätzt worden war und das symbolisch für die Petersburger Kultur stand. Als weitere Redner trat Botschafter Pierre Helg vor das Publikum. Neben der Schönheit des Baus lobte er den Pioniergeist und die Risikobereitschaft der Schweizer Mutterfirma, sich in Russland zu engagieren. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, die nicht wie grosse Konzerne wie zum Beispiel Nestle oder ABB vom Staat unterstützt würden, hätten in Russland oft mit bürokratischen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Newski-Bezirks Wjatscheslaw Dmitrjew hiess das Unternehmen aus der Schweiz in seiner spontanen Ansprache herzlich willkommen im grössten Petersburger Stadtbezirk, wo sich seit jeher grosse und wichtige Industrieunternehmen wie zum Beispiel die Obuchow-Fabrik angesiedelt seien. Er betonte die Wichtigkeit der Entstehung kleiner und mittlerer Unternehmen in Russland und lud die Firmenleitung dazu ein, an der Industriellenvereinigung des Newski-Bezirks mitzuwirken.

Umbau während drei Jahren

Die Geschichte des „Mobahaus“ begann vor etwas mehr als drei Jahren als sich die schweizer Uhrenfirma Mobatime Systems in Petersburg eine eigene Liegenschaft suchte und schliesslich im Newsk-Bezirk fündig wurde. Die Firmenleitung  wollte der unsteten Situation als Mieterin in Petersburger Business-Centers und Fabrik-Gebäuden, wo einem jederzeit die Miete erhöht oder gekündigt werden konnte, ein Ende machen. Nach sieben Jahren auf dem russischen Markt sollte die Firma ein eigenes Haus bekommen.

Der damalige Leiter der Firmengruppe Urs Moser liess sich von der Idee überzeugen, und der Direktor der Petersburger Mobatime-Filiale konnte mit der Suche beginnen. Parallel wurde ein Finanzplan erstellt, um Kauf und Umbau einer Liegenschaft aus eigenen Kräften zu finanzieren. Es scheint, als sei es kein Problem in der Millionenmetropole St. Petersburg eine geeignete Immobilie zu finden – doch das täuscht bei weitem. Denn kaum ist eine Liegenschaft an gewünschter Stelle und akzeptablem Zustand gefunden, beginnt die Suche nach Stolpersteinen bürokratischer Art. Ab

Besonnenheit und Entschlusskraft gefordert

Neben der Abklärung der Echtheit der Dokumente und der Besitzverhältnisse, müssen technische Details wie zum Beispiel der Zustand der Infrastruktur und der Energieversorgung sorgfältig geprüft werden – eine (zeit-) aufwändige Angelegenheit. Gleichzeitig ist der russische Immobilienmarkt launisch – ein mündlicher Zuschlag gilt viel weniger als anderswo, erst wenn der unterschriebene Vertrag und der Kaufpreis in bar auf dem Tisch liegen, herrscht Klarheit – so sind Besonnenheit und gleichzeitig Entschlusskraft gefordert.

Kurz vor seinem Tod kam Urs Moser ein letztes Mal nach St. Petersburg, um den Kaufvertrag – das Projekt konnte starten. Innert drei Jahren wurden aus der Ruine eines Heizwerks an der Uliza Sedova 46 ein moderner Technopark hergerichtet. Schrittweise wurden die drei Trakte umgebaut: ein dreistöckiges Verwaltungsgebäude, eine Werkhalle sowie eine Galerie mit weiteren Büroräumen und sowie Eingangshalle und Showroom im Untergeschoss. Heute verfügt das „Mobahaus“ über eine Nutzfläche von  zirka 1700 Quadratmetern, von denen 1500 Quadratmeter für eigene Zwecke genutzt werden und der Rest vermietet werden können.

Grundriss unverändert

Beim Umbau wurde der Grundriss des E-förmigen Gebäudes nicht verändert und die soliden Ziegelmauern als intakte Bausubstanz miteinbezogen. Auch die Glasfront des Verwaltungsgebäudes wurde beibehalten, so dass der Gebäudekomplex die kühnen Linien konstruktivistischer Architektur im Bauhausstil besitzt. Damit ergab sich ein eine interessante Beziehung zu anderen Gebäuden in diesem Stadtbezirk, die in den Zwanziger- und Dreissigerjahren gebaut wurden.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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