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Schweinegrippe hat Petersburg fest im Griff – nur keine Panik!

Von   /  27. Januar 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- In Petersburg sind bisher offiziell 15 Personen am H1N1-Virus gestorben. Die städtischen Polykliniken und Krankenhäuser sind überfüllt und Grippenmedikamente sowie Schutzmasken in den Apotheken längst ausverkauft. Die staatlichen Gesundheitsbehörden halten sich knapp mit Information und warnen vor Panik.

Wie die städtische Gesundheitsbehörde verlauten liess, hat die Grippe in St. Petersburg mittlerweile den Grad einer Epidemie erreicht. Täglich melden sich rund 11.000 Personen mit Grippensymptomen bei Polikliniken und Krankenhäusern. Die Gesundheitseinrichtungen sind nicht nur überfüllt, sondern müssen wegen der hohen Ansteckungsgefahr die Besuchererlaubnis einschränken und separate Ein- und Ausgänge einrichten.

Neben den 15 Todesopfern, welche die Schweinegrippe bisher gefordert hat, befinden sich dutzende Patienten auf den Intensivstationen, wo sie künstlich beatmet werden. Die meisten von ihnen sind in einem solch schlechten Zustand, weil sie sich viel zu spät beim Arzt gemeldet haben. Mittlerweile wurde vielerorts zusätzliches Gesundheitspersonal aufgeboten, darunter auch Ärzte und Pfleger in Ausbildung.

„Sowjetische Informationspolitik“

Für die späte Reaktion machen die Medien unter anderem die restriktive Informationspolitik des Gesundheitsministeriums und der Kontrollbehörde Rospotrebnadsor verantwortlich, die erst aus Moskau anrückte, nachdem in Petersburg bereits der fünfte Patient an der Grippe gestorben war und der Bevölkerung in erster Linie riet, keine Panik aufkommen zu lassen. An einigen Orten wird von „sowjetischer Informationspolitik“ gesprochen, womit das Totschweigen unangenehmer Nachrichten gemeint ist.

Während die Gegenmassnahmen anliefen, versuchte sich die Bevölkerung sich selber zu helfen, indem sie Schutzmasken und Grippenpräparate kaufte – oder besser „aufkaufte“, denn sowohl Masken wie auch Grippenmedikamente sind zur Zeit aus den Regalen der Apotheken verschwunden. Bei der Fabrik „Pharmstandard“ in Kursk wurden Sonderlieferungen des Mittels „Tamiflu“ des schweizer Konzerns Roche angefordert.

Grippevirus aus der Ukraine über Donbass nach Russland

Die Grippe in Russland kam nicht aus heiterem Himmel, sondern begann im südrussischen Rostow am Don. Während die neuen Grippeviren normalerweise über China nach Russland kommen, schwappte die die diesjährige Welle offenbar von der Ukraine her über die russische Grenze. In der Ukraine wurden bereits 60 Grippetote gemeldet, und die unkontrollierte Grenze im Donbass machte eine Ausbreitung nach Russland besonders einfach. In den selbsternannten Republiken Lugansk und Donetsk sollen die Menschen wegen der desolaten Versorgung massenhaft an der Grippe erkrankt und gestorben sein, schreibt „Gorod“.

Mit einem Abklingen der Epidemie in St. Petersburg wird bereits anfang Februar gerechnet, da der Höhepunkt laut Experten bereits überschritten ist. Wer kann, sollte Menschenansammlungen sowie den öffentlichen Verkehr meiden. Bei rasch steigendem Fieber wird geraten, sich umgehend beim Arzt zu melden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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