Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Schweden schnorchelt nach russischem U-Boot – Spionage-Triller oder Zeitungsente?

Von   /  20. Oktober 2014  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

TOPTICKER.- Zwei unscharfe Fotos und angebliche Notsignale per Funk haben die schwedische Marine und die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Seit Tagen wird in den Schären vor Stockholm nach einem „ausländischen“ U-Boot gesucht. In erster Linie werden die Russen verdächtigt – diese streiten alles ab und verweisen auf ein holländisches U-Boot, das in der Region geübt haben soll.

Bereits am 19. Oktober waren ersten Meldungen in der internationalen Presse aufgetaucht, nach denen angeblich zwei Hilferufe eines russischen Unterseeboots aufgefangen worden seien, das in kurzer Entfernung vor Stockholm liege. Da die russische Regierung sofort dementierte und klipp und klar erklärte, man vermisse keines seiner U-Boote, zögerten einige Medien zunächst, aufzuspringen. Doch die Geschichte hielt sich bis jetzt, und obwohl die Beweislage mehr als dünn ist, sind bereits sind verschiedene Versionen der Geschichte im Umlauf, die Stoff für einen spannenden Spionagethriller liefern könnten.

Obwohl schon seit Tagen ein Grossaufgebot der schwedischen Marine mit 200 Mann, Schnellbooten, Korvetten und Hubschraubern auf der Suche nach einer „fremden Unterwasseraktivität vor Stockholm ist, konnten bisher nichts Handfestes zutage gefördert werden. Auslöser für den Aufruhr waren zwei unscharfe Amateurfotos, von denen das eine einen hellen Fleck über der Wasseroberfläche zeigt, den man mit Fantasie als Aufbau eines Unterseebootes halten kann, und das andere die möglichen Umrisse eines Menschen auf einer schwimmenden Unterlage.

Abfangen von Notsignal unwahrscheinlich

Hinzu kam eine „Insider-Meldung“, nach der zwei Funknotrufe auf Russisch abgefangen worden seien, deren Absender in den Schären unweit der schwedischen Hauptstadt geortet worden seien. Seit des „Wiskey-Skandals“ von 1981, als ein sowjetisches Unterseeboot der „Wiskey-Klasse“ in den Untiefen vor der schwedischen Marinebasis Karlskrona auf Grund lief, nachdem es sich angeblich „verirrt“ hatte, ist das Misstrauen gegenüber den Russen gross – nur damit lässt sich die hartnäckige Suchaktion erklären.

Auch kritische russische Medien versuchten sich einen Reim auf die Meldungen zu machen. Wie russische Funk-Spezialisten gegenüber Fontanka.ru aussagten, ist die Version der abgefangenen Hilferufe aus einem U-Boot praktisch auszuschliessen, weil diese immer verschlüsselt werden. Auch der Hinweis, dass der Funkspruch an die russische Marinebasis in Kaliningrad adressiert war, fällt aus, da der Funkverkehr per Kurzwelle ohne „Richtung“ verläuft und per Codenamen vom richtigen Empfänger gelesen wird. Die heutige Funk- und Verschlüsselungstechnik machen heute jedoch das Einpeilen eines Senders und die Dechiffrierung von Meldungen ohne modernste Technik praktisch unmöglich.

Mini-U-Boot mit Begleitschiffen

Wesentlich interessanter ist die Version, nach der es sich bei dem gesuchten Objekt um ein Mini-U-Boot handeln könnte. Anlass dazu geben zwei russische Schiffe, die sich momentan unweit der schwedischen Küste befinden. Der Tanker NS Concord kreuzt bereits seit dem 15. Oktober in dieser Region und wird daher verdächtigt, das kleine U-Boot an seinen Einsatzort transportiert zu haben, um es nach zwei bis drei Tagen wieder aufzunehmen.

Zumindest ist eine solche Einsatzdauer für ein solch kleines Gefährt durchaus plausibel, und schwedische Journalisten umschwirren den Tanker bereits mit Hubschraubern, um sich mit dem nötigen Bildmaterial zu versorgen. Ebenfalls zu dieser Variante würde das Forschungsschiff „Professor Logatschew“ passen, das Petersburg am 18. Oktober verlassen hat – offiziell in Richtung Las Palmas. Die misstrauische schwedische Presse nimmt nun aber an, es könnte dem russischen U-Boot zu Hilfe eilen.

Mittlerweile liess das russische Verteidigungsministerium über die Nachrichtenagentur Tass die Meldung verbreiten, es müsse sich um das holländische U-Boot «Bruinvis» handeln. Die «Bruinvis» habe vergangene Woche in diesen Gewässern eine Übung abgehalten und sei mittlerweile in den Hafen von Tallinn eingelaufen. (eva)

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

Weitere Neuigkeiten finden Sie auf unserem Nachrichtenticker >>>

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Deutsches Aufklärungsschiff überwacht russische Marineübung

[the_ad_placement id=\“single\“]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Petersburger Gouverneur Poltawtschenko ausgewechselt

mehr…