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Schlechte Zeiten für Warmduscher – Die Wertschöpfungskette vom Mieter bis zu den Stadtwerken

Von   /  7. August 2009  /  Keine Kommentare

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mm.- Dass im Sommer wochenlang  das warme Wasser für die Wartung der Leitungen und Heizwerke abgestellt wird, ist man sich in St. Petersburg gewohnt. Eine ganze Industrie für  Elektro– und Gasboilern lebt mit der Herstellung von Ersatzgeräten für die sommerlichen Warmduscher.

Einige St. Petersburger Hausverwaltungen sind jedoch entgültig vom Heiswasser abgetrennt und auf der schwarzen Liste der  “ГУП ТЭК САНКТ-Петербург” gelandet. Die Betreiberin der so genannten “TEZ” Blockheizkraftwerk, welche neben der Fernheizung im Winter auch das Warme Wasser und einen großen Teil des Stroms erzeugt, hat angekündigt den säumigen Häusern nach der Sommerpause das warme Wasser nicht mehr einzuschalten.

Von der Maßnahmen sind derzeit 50 Häuser und Hausverwaltungen mit einem gesamten Schuldbetrag von ca. 850 Millionen Rubel (ca. 19 Millionen Euro)  betroffen.

Die “Genossenschaften für Eigentumswohnungen” – ” ТСЖ – Товарищество собственников жилья” genannt, werden normalerweisevon durch die von den Eigentümern gewählten Verwaltungen  juristisch vertreten. Die Leitung einer solchen Hausverwaltung gilt als gutes „Geschäft“, und so gibt es vor jeder Neuwahl oft richtige Wahlkämpfe mit Schlammschlachten, Korruptions- und Betrugsvorwürfen sowie Wohnungsbesuchen der unterschiedlichen Fraktionen.

Wie betrügen die Hausverwaltungen Ihre Mieter und Genossenschaftlichen Eigentümer ?

Ein Typischer Wohnkomplex hat gerne 2000 oder mehr Wohnungen – oft sogar in einem einzelnen Haus.  Bei 1500-3000 Rubel (40-80€)  Nebenkosten pro Monat  kommen so Millionbeträge im Jahr zu zusammen. Diese fließen  durch die Hände der Verwalter, jedoch nicht immer nur an berechtigte Empfänger. Nicht selten verdienen ganze Familien-Clans kräftig an den Beträgen mit.

Sollte dennoch die Hausverwaltung gut funktionieren und einen guten Service für die Bewohner bieten, ist das dann daher eher ein Nebeneffekt des florierenden Geschäftszweigs “Hausverwaltungen”. Die typische Wertschöpfungen der Hausverwaltungen sind ja nicht die milden Gehälter des Präsidenten und der Mitarbeiter. Das Geld wird mit allerlei Schemen der Veruntreuung gemacht.

An erster Stelle stehen die Gehälter der Mitarbeiter. Durch illegale Gastarbeiter zu einem hohen offiziellen Gehalt bei effektiver Barauszahlung von wenigen Tausend Rubeln pro Monat erwirtschaften die Verwalter am meisten Geld. Dank der sauber quittierten Gehaltsbelege gibts auch juristisch wenig zu melden. Auch die Vergabe der Wartungsarbeiten mit “Vermittlungsgebühren”, Finanz- Spekulation mit den Rücklagen für Sanierungarbeiten,  Rechenfehler bei den Abrechnungen, Auslagerung von Genossenschaftsvermögen auf eigene Konten ist üblich. Auch wird an Bankgebühren und vielen  kleinen “ortsübliche” Betrügereien profitiert. Wenn ein Präsident der Genossenschaft gar massiv unterschlägt und das Geld  engros- auf seine eigenen Konten überweist, ist auch nach dem Nachweis der bösen Tat oft das Geld für die Genossenschaftler (Wohnungsinhaber) für immer verloren.

Auch die Eigentümer und Mieter zahlen oft schlecht.

Den Bewohnern ist das alles herzlichst egal solange nichts unangenehm auffällt oder die Gebühren sprunghaft ansteigen. Falls zu teuer zahlen sie ja oft selbst die „KWARTPLATA“ genannten Gebühren oft nicht bzw. nur wenn sie Lust und Geld dazu haben. Demotiviert von der Ahnung das gar viel von dem Geld auf der Korruptions-Strecke bleibt, sind sie auch nur dann gezwungen das Konto auszugleichen, wenn mal wieder ein Gang zum Amt (Registrierung, Passantrag uvm.) erforderliche ist.

Viele der normalen Behördengänge erfordern den Stempel der Genossenschaftsverwaltung.  Diese stempeln u.A. die Formulare 1, 7 und 9 welche u.A. auch für die Registrierung am Wohnort oder den Pass oder Anträge aller Art benötigt werden.

Die Schulden aktiv einzutreiben oder das die Genossenschaften gar Wohnungen zu Schuldenbegleichung enteignen, ist zwar schon vorgekommen, aber ein juristisch komplexer, daher langer und riskanter Vorgang.

Warmes Wasser als Druckmittel

Ist das Geld jedoch bereits aus dem genossenschaftlichen Vermögen entfernt und können die Lieferanten – also z.B. die ТЭК САНКТ-Петербург nicht bedient werden,  so haben diese oft und zu lange Geduld. Die Ankündigung der Firma den Schuldigen das Warme Wasser nicht anzustellen bis die Schulden bezahlt sind, hat somit eine “reinigende” Wirkung auf das System der Hausverwaltungen.

Das Konkordat “Ihr Verwalter macht was Ihr wollt solange ich nichts davon mitbekomme und der Hof gefegt ist” wird damit aufgekündigt, denn spätestens im Herbst, wenn die Datschen leer und die Wohnungen wieder belegt sind beginnt das Wohnvolk ohne Warmwasser zu rebellieren.

Es bleibt zu Hoffen,  das Schwarze Schafe in der Hausverwaltung dann eher auffallen und ggf. schneller abgewählt und durch neue Verwaltungprofis ersetzt werden. Ob diese   dann etwas maßvoller am Geldfluss abgreifen oder gar wirklich eine gute Verwaltung durchführen, bleibt abzuwarten.

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