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Schikane an der polnisch-russischen Grenze

Von   /  8. März 2015  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Grenzgänger aus Kaliningrad berichten von Schikanen durch polnische Grenzer. Laut einer Umfrage nimmt in Polen ein wachsender Anteil der Bevölkerung nicht nur den russischen Staat, sondern auch seine Bevölkerung als Bedrohung wahr. Hingegen hat sich die Meinung der Polen zugunsten der Litauer, Weissrussen und Ukrainer verändert.

Der Zwischenfall, von dem die Nachrichtenseite Klops.ru berichtet, ereignete sich am 5. März am Grenzübergang Bagrationowsk-Besledy. Der 39-jährige Kaliningrader Alexander kehrte mit Frau und Tochter von Einkäufen aus Polen zurück und machten sich auf der polnischen Seite zur Abfertigung bereit, als eine der üblichen Roaming-SMS auf dem Mobiltelefon eintraf. Alexander warf nach eigenen Angaben nur einen kurzen Blick darauf, bevor er das Telefon zur Seite legte und dem polnischen Grenzbeamten die Dokumente überreichte.

Busse und Beschimpfungen

Dieser gab ihm zur Antwort, er müsse 200 Zloty als Busse wegen verbotenem Handy-Gebrauchs zahlen und winkte ihn auf die Seite. Nachdem er den Wagen abgestellt hatte, kamen zwei weitere Grenzbeamte hinzu und begannen ihn zu befragen, warum er am Steuer sei und nicht seine Frau, auf die der Wagen registriert sei. Als Alexander sie bat, ihm auf Russisch oder Englisch zu erklären, worum es ging, erklärten sie ihm, dass er sich in Polen befände und darum Polnisch zu verstehen habe und die hiesigen Gesetze kennen müsse.

Als Alexander merkte, dass sich die Situation weiter zuspitzte, rief er den russischen Generalkonsul in Gdansk an, der ihm jedoch nicht weiterhelfen konnte und ihm empfahl, einfach die Busse zu zahlen. Auf seine Forderung, ihm die Aufzeichnung der Überwachungkamera zu zeigen, antwortete ihm einer der Grenzer „Wir sind nicht Russland, wir sind die EU, wir haben unsere Regeln“ und beschimpfte ihn. Ein anderer zeigte auf den Wartestreifen für nichtrussische Autos und sagte zu Alexander „Das sind Menschen!“ Erst nach vier Stunden wurden die Familie schliesslich auf die russische Seite gelassen – schockiert von dem Erlebnis. Er habe nie an die Geschichten von Schikanen gegenüber russischen Touristen auf polnischer Seite geglaubt, bis er es nicht selbst erlebt habe, meinte Alexander, der seit 1993 regelmässig nach Polen reist.

Seit 2010 deutliche Verschlechterung des Klimas

Dass sich in Polen die Meinung über die russischen Nachbarn seit der Ukraine-Krise deutlich verschlechtert hat, beweist auch eine Umfrage durch das polnisch-russische Dialog-Zentrum in Warschau. Demnach ist auch jene dünne pro-russische Mehrheit, die sich noch vor zwei Jahren gehalten hatte, verschwunden, und die polnische Bevölkerung spricht sich nicht nur mehrheitlich negativ gegenüber dem russischen Staat aus, sondern auch gegenüber dem russischen Volk. Umgekehrt hat sich die Meinung gegenüber den weissrussischen und litauischen Nachbarn verbessert, gegenüber den ersteren, weil sie sich aus dem Ukraine-Konflikt heraushalten, gegenüber den letzteren, weil sie sich als politisch aktiv erwiesen. Gegenüber 2012 ist in Polen das Vertrauen und die Sympathie gegenüber der Ukraine deutlich gewachsen.

Die polnisch-russischen Beziehungen hatten sich 2010 erstmals nach langer Zeit deutlich verschlechtert, als bei Smolensk ein Flugzeug mit 96 Insassen abstürzte, die zum Gedenken an das Massaker von Katyn anreisten. Zu den Passagieren gehörten Polens Staatspräsident Lech Kaczyński und seine Ehefrau Maria Kaczyńska, zahlreiche Abgeordnete des Parlaments, Regierungsmitglieder, hochrangige Offiziere, Kirchenvertreter, leitende Vertreter von Zentralbehörden sowie Vertreter von Verbänden der Opferangehörigen des Massakers von Katyn. Obschon die offizielle Untersuchung eindeutig die Schuld der Flugzeug-Crew erwies, behaupten in Polen immer noch viele Stimmen, der Absturz sei ein russicher Anschlag gewesen. Seit dem Beginn des Kriegs in der Ostukraine hat sich die Stimmung noch mehr verschlechtert, und es kam zu einer ganzen Reihe diplomatischer Zwischenfälle.

Bild: Wikimedia Commons

www.klops.ru

www.delfi.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Keine Kommentare

  1. realsatire sagt:

    @cronos Wusste gar nicht das Ich Ihnen das Du angeboten habe. Haben sie die Polen auch gleich so nett angesprochen?

    Mein Kommentar bezieht sich auf den Grund warum die Situation zwischen den Ländern verschlechtert. Da haben vor allem diejenigen die Finger im Spiel, welche eben nicht auf Reisen gehen.

    Und betreff Dawai Dawai: An der finnischen Grenze an der russischen Station, vor allem wenn sichtbar viel Futter oder Einkäufe (auch vor den Sanktionen) im Kofferaum lagen, gings schon mehr als einmal in die „Spezialgarage“ und dann wird gefilzt, gewogen und im Internet Preise nachgesehen und wenn nach einer Stunden der Spezialbehandlung die 50Kg und die Preisgrenze nicht erreicht sind, bekommt mann auf die vorsichte Frage ob das jetzt alles ist vom grantigen Oberzoellner noch die Drohung, das wir Dich Wicht ja noch durch die Roentgenstation schicken koennen, falls mann es wagt nochmal den Mund aufzumachen. Wohlgemerkt das Lastwagen Roentgengerät ist für Tiertransporte nicht erlaubt und für Menschen in etwa so gesund wie Urlaub in der „Zone“ von Tschernobyl.

  2. eva sagt:

    Schikaniert wird wohl an allen Grenzen – wir mussten am estnischen Grenzposten in Narwa auch schon eine „Ehrenrunde“ drehen, weil wir falsch eingespurt hatten, und das lag ganz zweifellos an unseren russischen Nummern. Aber auch in der Schweiz musste ich schon meine Frau aus einem der mühsamen Verhöre an der Flughafen-Passkontrolle befreien.

    All die idiotischen Fragen: „Was wollen Sie in der Schweiz?“, „Wie lange bleiben Sie in der Schweiz?“ „In welchem Hotel wohnen Sie?“ – obwohl sie den „Schengen-Visa-Filter“ bereits durchlaufen hatte. Überall gibt es „kleine Könige“ unter den Grenzern, die ihre Macht demonstrieren wollen. Leider fördert die politische Krise momentan solche Gehässigkeiten und Schikanen – vor allem in den Grenzregionen, wo die Leute in der Regel die wenigsten Probleme miteinander haben, weil sie aufeinander angewiesen sind – als Geschäftsleute, Hoteliers oder Touristen.

  3. cronos sagt:

    @ realsatire: Deine überaus neuen Erkenntnisse haben aber mit dem Thema nichts zutun, dass Polen immer wieder versucht, Russland Jahrhunderte alte Rechnungen zu präsentieren und hierbei gerne nationalistische Attitüden einfließen lässt: wir sind hier in Polen und hier wird polnisch gesprochen.

    Zur Sache: Ich bein Zeuge geworden, als Reisende aus dem morgendlichen Kaliningrader Zug auf dem Bahnhof in Braniwo/ehemals Braunsberg nach dem Aussteigen durch eine Spalier von mit automatischen Waffen ausgerüsteter Grenzpolizei getreiben wurden „Dawai, dawai “ wurde geschrien. Wie Vieh wurden die russichen Reisenden behandelt. Es folgte die entwürdigende Körpervisitation auf Schmuggelware.

  4. realsatire sagt:

    Ich denke das alle Nachbarländer der Russischen Föderation inzwischen sehr verunsichert sind. Die Menschen welche zu Besuch kommen wollen sind jedenfalls nicht diejenigen vor denen sie Angst haben müssen. Im Gegenteil Wandel durch Handel hilft hier die Beziehungen zu normalisieren.

    Angst muss mann eher vor den Russen haben die (wie auf der anderen Seite der Grenze auch) Ihr Vorurteil Pflegen und dabei nie im Nachbarland gewesen sind.

    Auch gibt es grosse Personengruppen in Russland, welche aus dienstlichen Gründen nicht mehr in den Westen Reisen dürfen.

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