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Sanktionen senken Kauf- und Investitionslust in Russland

Von   /  18. Oktober 2014  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Die Twerskaja in Moskau ist dasselbe wie der Newski in St. Petersburg – beide sind normalerweise voller Autos und Menschen, Geschäft und Konsum florieren rund um die Uhr. In den vergangenen Monaten ist es jedoch deutlich stiller geworden an den Nobeladressen, und vermehrt sind leere Schaufenster mit dem unschönen Aushang „zu vermieten“ zu sehn.

Der Anteil an freien Geschäftsräumen ist nach Angabe von Agenturen für Ladenimmobilien in Moskau an den besten Standorten gegenüber 2013 von 5 auf 8 Prozent gestiegen, und an den zweitbesten Verkaufsregionen von 10 auf 16 Prozent. Die Mietpreise haben gleichzeitig deutlich nachgegeben, an der Twerskaja beispielsweise um rund 10 Prozent. Eine ähnliche Dynamik ist in Petersburg zu beobachten.

Die Einführung und Verschärfung der gegenseitigen Wirtschaftssanktionen von Westeuropa und Russland haben gleichzeitig die Konsumlust der Bevölkerung und die Investionsfreudigkeit in- und ausländischer Firmen abflauen lassen. Das hat auch Folgen bei der Beschäftigungspolitik, und Fachleute erwarten ein Ansteigen der Arbeitslosenquote, die zwischen 2013 und 2014 noch von 7,5 auf 4,8 Prozent gesunken war.

Nur leichtes Ansteigen der Arbeitslosigkeit prophezeit

Allerdings soll die Zunahme an Erwerbslosen nur leicht sein und kaum den Grad der Krisenjahre 2008-2009 erreichen. Die meisten der befragten Jobagenturen sagen, dass viele Unternehmen Entlassungen planen, jedoch nur punktuell. Den stärksten Verlust an Arbeitsplätzen verzeichnen die Tourismusbranche, die Zivilluftfahrt, die Autoindustrie, die chemische Industrie und Investitionsprojekte. Die Region St. Petersburg ist in erster Linie durch die Automobilbranche betroffen, die bereits seit einiger Zeit durch eine Absatzkrise geplagt wird.

Das Investitionsklima wurde durch angespannte Situation deutlich verschlechtert und schreckt derzeit ausländische Unternehmer ab. Gleichzeitig ist unter jenen Unternehmen, die bereits länger in Russland produzieren, eine abwartende Haltung zu verzeichnen. Sie versuchen, nach den Erfahrungen der Krisen von 1998 und 2008, die Situation auszunutzen und beispielsweise Produkte herzustellen, welche auf der Sanktionsliste stehen.

Ansässige Firmen nutzen die Krise

Firmen, die bereits einen Sitz in einem osteuropäischen Land haben, von dem sie bisher den russischen Markt beliefert haben, bemühen sich jetzt, in Russland eine Produktion zu eröffnen. Ausserdem hat die Zahl ausländischer Unternehmer aus GUS-Staaten zugenommen, die dank besserer Marktchancen investieren.

Ein Problem für die russische Wirtschaft ist der weiterhin sinkende Rubelkurs und die damit verbundenen Verluste. Sie haben das ohnehin tief sitzende Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Bankenbranche deutlich verstärkt, wozu auch die zahlreichen Schliessungen von Geldinstituten durch die Zentralbank beigetragen hat. Gemäss einer Umfrage ist die Zahl von Leuten, die Banken nicht vertrauen, im Vergleich zum Vorjahr von 41,2 auf 47,2 Prozent angewachsen. In der Altersklasse ab 55 Jahren verweigern sogar 54 Prozent der Befragten den Banken ihr Vertrauen.

Dementsprechend haben die Kunden massenweise ihre Guthaben abgehoben und in Dollar und Euro umgetauscht, um dem Verlust im Fall einer befürchteten Hyperinflation zu entgehen. Das „private Bankfach“ im Küchenschaft oder in der Unterwäsche ist wieder aktuell. Der Anstieg beim Depositgeschäft ist im Vergleich zum Vorjahr um das sechseinhalbfache zurückgegangen – besonders betroffen ist die staatliche Sberbank, die auf der westlichen Sanktionsliste steht.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.gazeta.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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