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Samisdat – trotz Verbot wurde putinkritisches Buch von Boris Nemzov und Wladimir Milov verteilt

Von   /  21. Juni 2010  /  Keine Kommentare

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eva.- Obschon am Tag vor dem Beginn des Petersburger Wirtschaftsforums sämtliche 100.000 Exemplare des Buchs “Putin-Bilanz -Zehn Jahre” der beiden Oppositionellen Boris Nemzov und Wladimir Milov von der Polizei beschlagnahmt worden waren, kam es während der Forumstage unter das Publikum.


Ähnlich wie zu Sowjetzeiten, als verbotene Bücher von Hand abgeschrieben und heimlich verbreitet wurden, fabrizierten die Anhänger der beiden Autoren ihren „Samisdat“ („Selbstverlag“) in moderner Form. Die Schrift wurde im Internet auf den Webseiten der Autoren kostenlos zum Download angeboten oder einfach so ausgedruckt und verteilt, schreibt Fontanka.ru.

Beschlagnahmung war beste Reklame

Der Wirbel um die beschlagnahmten Bücher, die offiziell immer noch von der „Extremismus-Abteilung“ der Polizei zum Zweck der Überprüfung festgehalten wird, sorgte für die beste Reklame, die man sich vorstellen konnte – das Buch fand reissenden Absatz. Eine Gruppe von Aktivisten, die versuchte, das Buch auf dem Forumsgelände zu verteilen, wurde festgenommen.

Die Schrift besteht aus neun Kapiteln, in denen Putins Politik auf Schärfste kritisiert wird – Themen sind unter anderem „Putin – der reichste Mann Russlands“, „Die Korruption frisst Russland“, „Die kaukasische Sackgasse“, „Das Land schreiender Ungleichheit“.

Herausgabe ursprünglich 2008 geplant

Nemzow und Milow versuchen darin zu beweisen, dass die Korruption während den beiden Amtszeiten Putins katastrophale Ausmasse angenommen hat, dass die Zahl der Terroranschläge sich versechsfacht hat, die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Rohstoffen weiter zugenommen hat und die Kluft zwischen Arm und Reich noch grösser geworden ist.

Ursprünglich war die Herausgabe schon 2008, nach dem Ablauf der zweiten Amtszeit Putins geplant gewesen. Sie hätten angenommen, dass sich nach seiner Ablösung als Staatspräsident etwas in Russlands Politik verändern würde, äusserten die Autoren gegenüber der Presse. Aber es habe sich herausgestellt, dass Putin weiterhin als Ministerpräsident die Geschicke des Landes bestimme. Medwedew, den sie als Putins „Marionette“ sehen, ist denn auch nur eine halbe Seite im Buch gewidmet.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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