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Russlands Militärluftfahrt feiert 100-Jahre-Jubiläum

Von   /  13. August 2012  /  4 Kommentare

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TOPTICKER.- Mit einer bombastischen Flugshow feierte die russische Luftwaffe an diesem Wochenende auf dem Flugstützpunkt Schukowski bei Moskau 100 Jahre russische Militärfliegerei. Neben einer historischen Flugshow traten verschiedene Kunstflugstaffeln, wie die russischen „Strischy“ und die italienische „Frecce Tricolori“ auf.


Etwas bescheidener wurde das Fliegerfest auch auf anderen Flugplätzen in Russland begangen – zum Beispiel auf dem Militärflugplatz in Puschkin, einem der ältesten Flugplätze Russlands (siehe Fotogalerie unten). Neben den Jagdflugzeugen Mig-29, Mig-31 und Su-27 konnten die Bomber und Jagdbomber Su-34 und Su-24, die Kampfhubschrauber Mi-24, Mi-8 sowie Antonow-Transportflugzeuge besichtigt werden. Begeistert besichtigt wurde auch ein „Kukurusnik“ (Agrarflugzeug) vom Typ An-2, das heute in ganz Russland zur Beförderung ziviler Fallschirmspringer benutzt wird.

Später Beginn der russischen Militärluftfahrt

Die russische Luftfahrt ist stärker als in anderen Ländern mit dem Militär verbunden. Während in vielen westeuropäischen Staaten bereits im 19. Jahrhundert Flugpioniere starteten und Flugzeuge für zivile und militärische Luftfahrt hergestellt wurden, schwang man sich in Russland erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg in die Lüfte. Davor bestanden die Luftstreitkräfte in erster Linie aus Ballontruppen.

Später kaufte man eine Reihe von französischen Farman-Flugzeugen, wobei diese in erster Linie der Aufklärung dienten. Der geniale aus Kiew stammende Konstrukteur Igor Sikorsky machte 1910 seinen Flugschein und baute 1912 das erste viermotorige Flugzeug „Russki Witjas“, das eine grosse, luxuriöse Kabine für Passagiere und Piloten besass.

Erster in Serie hergestellter viermotorigen Bomber

1913 konstruierte Sikorski den ersten in Serie hergestellten viermotorigen Bomber „Ilja Muromez“ im Russisch-Baltischen Waggon-Werk in St. Petersburg für die russische Luftwaffe. Das Flugzeug war zwar relativ schwerfällig und war nicht frei von „Kinderkrankheiten“. Gleichzeitig gingen nur wenige Exemplare bei Fronteinsätzen, weil der Bomber gut gepanzert und bewaffnet war.

Nach der Revolution emigrierte Sikorski in die USA, wo er später als Hubschrauber-Pionier berühmt wurde. Auch in der Sowjetunion wurde die Fliegerei in erster Linie zu militärischen und propagandistischen Zwecken gefördert. Neben der Fliegerei wurde das Fallschirmspringen zur Sportart der neuen Zeit.

Luftfahrt-Idol Waleri Tschkalow

Während man in den Zwanzigerjahren noch stark auf den Kauf ausländischer Flugzeuge angewiesen war, wuchs in den Dreissigerjahren eine neue Generation hervorragender Konstrukteure und Flieger heran, deren Flugzeuge Weltrekorde aufstellten.

Berühmt wurde beispielsweise Waleri Tschkalow, der über 70 Flugzeugtypen der Konstrukteure Polikarpow und Tupolew testete und eine Reihe von Langstreckenflüge unternahm. Der Legende nach soll der waghalsige Pilot einmal sogar die Troitski-Brücke in Leningrad unterflogen haben. 1937 flog Tschkalow mit seinen Kollegen Alexander Beljakow und Georgi Baidukow die über 12.000 Kilometer weite Strecke von Moskau über die Arktis nach Vancouver und stellte einen Weltrekord auf.

Testflieger der „Ratte“

Tschkalow testete unter anderem den wendigen Jäger Polikarpow I-6, der das erste in Serie gebaute Flugzeug mit einziehbarem Fahrwerk war. Das Flugzeug bildete das Rückgrat der sowjetischen Jagdfliegerei und war ein Exportschlager. Im Spanischen Bürgerkrieg flog er auf Seite der Republikaner gegen Heinkel, Fiat und Messerschmitt der Putschisten, die ihm den Übernamen „Rata“ (Ratte) verliehen.

Obschon die Luftflotte der Roten Armee zahlenmässig gross war, musste sie in den ersten Monaten des Kriegs mit Hitlerdeutschland riesige Verluste hinnehmen. Neben technischen Mängel waren vor allem die taktische Rückständigkeit dafür verantwortlich.

Akzent auf Schlachtflugzeuge

Bis zum Kriegsende setzte die russische Luftflotte den Hauptakzent auf Schlachtflugzeuge, die im Zusammenspiel mit den Bodentruppen operierten und gegen gegnerische Panzer eingesetz wurden. Berühmt-berüchtigt wurde die Iljuschin-2 „Schturmowik“, die auch „fliegender Büchsenöffner“ genannt wurde. Wegen ihrer schweren Panzerung und und Bewaffnung war sie eines der schwersten einmotorigen Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs.

Ab 1945 setzte auch in der UdSSR die Entwicklung von Düsenjets ein. Das Mig-Flugzeugwerk Mikojan/Gurewitsch brachte ab 1948 mit der Mig-15 den ersten Düsenjäger der Sowjetunion in Serie heraus. Er bewährte sich unter anderem im Koreakrieg auf der Seite von Nordkorea gegen die amerikanischen Jäger.

Rückschlag während der Neunzigerjahre

Der Kalte Krieg und die „Stellvertreterkriege“, welche mit russischen, bzw. amerikanischen Waffen geführt wurden, trieben die Rüstungsspirale weiter an und führten zum Aufbau der gigantischen russischen Luftwaffe. Die Kampfflugzeuge (Mig, Tupolew, Suchoi), Transportflugzeuge (Antonow) und Hubschrauber (Mi) waren bis zum Zerfall der Sowjetunion auf dem höchsten Stand der Technik.

Während den Neunzigerjahren wurde die russische Militärluftfahrt wegen Geldmangels um viele Jahre in der Entwicklung zurückgeworfen. Zwar erhielt die Rüstungsindustrie in den vergangenen Jahren gewaltige Finanzspritzen und Aufträge von Seiten des Staats, doch besteht immer noch ein Grossteil des Bestandes an veralteten und überalterten Flugzeugen. (eva)

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

4 Kommentare

  1. Gapp sagt:

    Hallo,

    Wer kann mir weiter helfen, ich suche von der Flugschau ein Video????

  2. eva sagt:

    In Russland ist das kein Problem – im Gegenteil ist das für die meisten normale „patriotische“ Erziehung. Als pazifistisch geeichter Westeuropäer ist man da manchmal ein bisschen geschockt. Hinter dem Gewehr liegt übrigens ein Mädchen, kein Junge!)

  3. Lighthouse sagt:

    Ein Junge mit einem Maschinengewehr – wie kann man so etwas zulassen?

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