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Russlands Marine-Führung: Umzug nach Petersburg in vollem Gang?

Von   /  16. Dezember 2008  /  Keine Kommentare

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rian.- Der Stab des Leningrader Marinestützpunkts hat seinen Sitz vom Admiralitätsgebäude in St. Petersburg nach Kronstadt verlegt. Die meisten Beobachter zogen daraus den Schluss, dass Oberkommando und Generalstab der russischen Kriegsmarine sich kurz vor dem Umzug von Moskau nach Petersburg stehen.

Diese Information wurde vom Hauptstab weder dementiert noch bestätigt. Doch Quellen im Oberkommando der russischen Kriegsmarine machten kein Hehl daraus: Die Admiräle packen bereits die Koffer, der Umzug solle schon im zweiten Quartal des kommenden Jahres vollzogen werden. Zur Erinnerung: Die Idee des Umzugs des Hauptstabs der russischen Kriegsmarine wurde im vergangenen Jahr vom Parlamentsvorsitzenden Boris Gryslow vorgeschlagen. Petersburgs Gouverneurin Valentina Matwijenko hat diese Idee mit Begeisterung aufgegriffen.

Befürworter: Moskau ist überlastet, historische Gerechtigkeit

Sie alle begründeten dies mit dem Vorwand, Moskau sei mit administrativen und bürokratischen Aufgaben überlastet, der Umzug aber würde die historische Gerechtigkeit wiederherstellen, denn vor der Oktoberrevolution von 1917 befand sich der Stab der russischen Kriegsflotte eben in Sankt Petersburg.

Außerdem: Sowohl in der Stadt als auch in den Vororten Sankt Petersburgs befinden sich etliche Seehochschulen, darunter auch die russische Marineakademie. An der Newa befinden sich auch die wichtigsten Werften in Russland, darunter auch das Zentrale Konstruktionsbüro für Schiffe und Marinetechnik Rubin. Dieses Büro ist unter anderem der wichtigste russische Hersteller von U-Booten. Rubin stellt zudem atomgetriebene und mit ballistischen Raketen bestückte U-Boote her.

Gegner des Umzugs: Infrastruktur fehlt – Flottenführung und Regierung gehören zusammen

Es gibt jedoch auch Gegner des Umzugs. Sie behaupten, nach dem Umzug könnten Lücken bei der reibungslosen Zusammenarbeit des Oberkommandos der Kriegsmarine mit dem Verteidigungsministerium, sowie mit dem Parlament und der Regierung entstehen. In den USA beispielsweise seien alle wichtigen Stabs, sowohl des Heeres, als auch der Kriegsmarine und der Luftwaffe, den Vereinigten Generalstab inklusive, im Pentagon untergebracht. Niemand sei bis heute auf die Idee gekommen, die leitenden Admiräle möglichst nahe am Meer, beispielsweise in Norfolk, zu stationieren.

Außerdem ist Sankt Petersburg nach Angaben der Umzugsgegner nicht mit der notwendigen Infrastruktur ausgestattet, um eine einwandfreie und sichere Arbeit des Hauptstabs der russischen Kriegsmarine zu gewährleisten. Es gibt keine zusätzlichen unterirdischen Kommandozentralen, keine leistungsstarke Fernmeldezentrale. Kurzum, es fehlt vieles, was für eine effiziente Arbeit des Oberkommandos in der sogenannten „Bedrohungsperiode“ unbedingt nötig wäre.

Doch dies ist noch nicht alles. Auch das traditionsreiche Institut der Kriegsmarine für Ingenieurwesen müsste das alte Admiralitätsgebäude verlassen. In dieser Hochschule werden Experten für den Dienst auf den atomgetriebenen U-Booten vorbereitet. Die Verlegung des Lehrstützpunkts des Instituts (dazu gehören beispielsweise Modelle der Atomreaktoren, Teile der U-Boote, die Rettungskapsel usw.) wäre eine fast unlösbare Aufgabe. Dieser Umzug würde dem Institut einen enormen Schaden zufügen. Es würden Jahre vergehen, eher dieser Schaden behoben werden könnte.

Mittel könnten anders verwendet werden

Die Veteranen der Kriegsflotte, darunter sind auch die ehemaligen Chefs des Hauptstabs der russischen Kriegsmarine, schlagen ebenfalls Alarm. Der Umzug sei nicht nötig, denn er würde viel Geld kosten, so die Veteranen. Die für den Umzug erforderlichen Milliarden könnten beispielsweise für den Bau neuer Wohnhäuser für Offiziere eingesetzt werden. Man könnte dieses Geld auch für den Bau neuer Kriegsschiffe verwenden. In den vergangenen 15 Jahren seien ja nur ein paar Schiffe vom Stapel gelassen worden, unterstreichen die Veteranen. Interessant ist, dass Admiral Wladimir Wyssozki, Oberbefehlshaber der russischen Kriegsmarine, bereits im April dieses Jahres auf einer Pressekonferenz sich sozusagen von der Idee des Umzugs lossagte. Offenbar war das falsch – der Umzug verläuft unter strenger Geheimhaltung im Stillen, wie wenn die Marine-Führung von ihrem Entschluss nicht so ganz überzeugt wäre.

(Nikita Petrow für RIA Novosti)
Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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