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Russland weiterhin für viele ein Markt mit großen Wachstumsmöglichkeiten

Von   /  13. Januar 2017  /  Keine Kommentare

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spn.- Wie Umfragen ergeben, sehen viele ausländische Unternehmer eine wirtschaftliche Stabilisierung im Land und gehen für das kommende Jahr von einer leicht positiven Entwicklung aus. Hansjürgen Overstolz, Präsident und CEO von Bosch in Russland, hat seine Eindrücke über das erste Jahr seines Aufenthalts in Russland zusammengefasst.

Obwohl die wirtschaftliche Situation in Russland noch angespannt sei, sehen die Aussichten für das Jahr 2017 schon besser aus, betonte Overstolz. „Wir haben uns in dem Umfeld eben gut geschlagen. Trotz der negativen Rahmenbedingungen konnten wir den Euro-Umsatz halten. Es ist uns gelungen, auch in diesem Jahr unser Geschäft in Rubel auszubauen und Marktanteile dazuzugewinnen.“

Russland-Sanktionen: Bosch erwartet „deutlichen Rückgang des Geschäfts“ Unerwartet und neu sei der Lebensrhythmus gewesen, der höher sei, als er das ursprünglich eingeschätzt habe. Die große Kraft und Lebendigkeit in der Gesellschaft habe ihn positiv überrascht, insbesondere die hohe Emotionalität in verschiedenen Diskussionsveranstaltungen. Was die Einwirkung der internationalen Politik auf die Weltwirtschaft betreffe, so gebe es eine große Unruhe in der Gesellschaft — nicht in Europa, sondern weltweit, betonte Overstolz.

Mangelnde Sicherheit

Den Menschen mangele es an Sicherheit. „Politische und gesellschaftliche Verunsicherung ist schädlich für die Wirtschaft, das führt zu einer Belastung der Weltwirtschaft und zu geringeren Wachstumsraten.“ Die Wirtschaft sei heute von den Sanktionen betroffen, aber direkt betroffen sei Bosch weniger. „Vor allem, weil wir im Land produzieren, in unseren Werken. Deshalb sind wir nur punktuell berührt worden. Der indirekte Einfluss ist schon da. Die Finanzierungsmöglichkeiten haben sich für unsere Kunden erschwert, und das spüren wir. Trotzdem haben wir es geschafft, die Beschäftigung von etwa 3 600 Mitarbeitern in Russland zu halten.“

Bosch bietet hochtechnologische Produkte aus der eigenen Firma an, was laut Overstolz der entscheidende Wettbewerbsvorteil ist. Sieben Werke wurden in Russland bereits von Bosch eröffnet. Die ersten Boschprodukte gab es in Russland übrigens schon 1904. „Und auch heutzutage glauben wir wie seinerzeit an das Land, an das riesige Potenzial. Wir wollen profitabel wachsen, unsere Marktanteile ausbauen und, was ganz wichtig ist, wir wollen den Lokalisierungsanteil ausbauen.“

Wirtschaftliche Stabilisierung

Die deutschen Unternehmen, die in Russland tätig sind, sehen eine wirtschaftliche Stabilisierung im Land und gehen für das kommende Jahr von einer leicht positiven Entwicklung aus. Das hat eine im Oktober in Moskau vorgestellte Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer zum Geschäftsklima unter diesen Unternehmen ergeben. Bei einer solchen Befragung im Sommer 2016 hatten noch 58 Prozent die Lage der russischen Wirtschaft als rezessiv und nur 32 Prozent als stabil bezeichnet.

Laut der Umfrage vom Herbst rechnen sie bis Jahresende bereits mit einer überwiegend stabilen bis leicht positiven Entwicklung. Die eigene Geschäftslage sehen sie überwiegend als „befriedigend“ (56%) bis „gut“ (26%). „Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage bleibt Russland für viele ein Markt mit großen Wachstumsmöglichkeiten“, so Rainer Seele, der Präsident der AHK. „Deutsche Unternehmen haben das erkannt.“ 27% der Umfrageteilnehmer konnten im 1. Halbjahr 2016 ein Umsatzwachstum um jeweils mehr als 10% erzielen. Für das gesamte Jahr rechnen insgesamt 54% mit einem Umsatzzuwachs und 28% mit einem Rückgang.

Viele Firmen haben bereits lokalisiert

Die deutschen Firmen stehen zum russischen Markt: Mehr als die Hälfte hält das Potenzial weiterhin für „hoch“ oder „sehr hoch“. 91% der Unternehmen wollen sich daher auch weiterhin in gleicher Form in Russland engagieren. Nur ein geringer Teil (13%) plant, in Zukunft die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren. Über ein Drittel will neues Personal einstellen. „Die Bereitschaft der deutschen Unternehmen, in Russland zu produzieren, ist nach wie vor hoch und steigt an“, sagt Matthias Schepp, der Vorstandsvorsitzende der AHK Russland.

Eine gesonderte Umfrage der AHK unter ihren Mitgliedern zum Thema Lokalisierung im Oktober 2016 ergab, dass 56% der Befragten bereits lokalisiert haben und eine Erweiterung der Produktion planen und weitere 20% vorhaben, in den nächsten zwei Jahren erstmals eine Fertigung oder Montage in Russland aufzubauen. „Wenn die Unternehmen, die jetzt in Russland investieren, sehen, dass sich ihr Engagement lohnt, wird sich das herumsprechen und zu weiteren Investitionen führen“, sagt AHK-Chef Schepp.

Russische und deutsche Konkurrenten müssen gleich behandelt werden

„Die russische Regierung muss deshalb dafür sorgen, dass deutsche und ausländische Investoren fair und gegenüber russischen Konkurrenten gleich behandelt werden.“ Die Unsicherheit der Marktentwicklung mit Sanktionen, schwankendem Ölpreis und Rubel-Wechselkurs stellt für die deutschen Unternehmen die größte Beeinträchtigung in ihrem Russland-Geschäft dar.

Als weitere Hürden nennen sie den bürokratischen Aufwand, die hohe Inflationsrate und Protektionismus. Weitere starke Beeinträchtigungen des Geschäfts sind den Unternehmen zufolge finanzielle Faktoren wie die Höhe des Leitzinses und der sanktionsbedingt eingeschränkte Zugang zu Finanzierungen aber auch die gesetzlichen Regelungen, mit denen Importe ersetzt werden sollen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold (Archiv)

www.sputniknews.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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