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Russland surft anders

Von   /  5. März 2011  /  1 Kommentar

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Von Roland Bathon

Das Web 2.0 hat in Russland eine ähnliche Ausbaustufe erreicht, wie im deutschsprachigen Raum – soziale Netze, Webvideos und Interaktion sind allgegenwärtig, auch wenn in der Provinz mancher noch auf seinen Breitband-Anschluss wartet. Doch nicht alles im russischen Netz ist so wie von Deutschland gewohnt. Insbesondere ist die Dominanz amerikanischer Anbieter wie Google und Facebook wesentlich schwächer ausgeprägt.


So hat der globale Netzwerkriese Facebook in Russland zwei mächtige Konkurrenten, die im Land über wesentlich größere Marktanteile verfügen, als der sonst so allmächtige US-Konzern. Da ist zum einen vkontakte.ru, manchmal auch „russisches Facebook“ genannt. Doch der Anbieter hat nichts mit der US-Konkurrenz zu tun, die sich höchstselbst nach Russland ausgebreitet hat. Der Name rührt eher daher, dass die vkontakte-Benutzeroberfläche (ca. 47 Millionen Nutzer) doch sehr an das Facebook-Vorbild erinnert, wenn da nicht die komplett russische Menüführung wäre.

Die höhere Attraktivität der Russen – Vkontakte ist nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2010 Marktführer – resultiert nicht nur aus der größeren Verbreitung im Land mitsamt Schneeball-Effekt. Vkontakte enthält auch eine größere Dichte von integrierten Musikfiles und Videos, wobei man es mit dem Urheberrecht nicht so genau nimmt. Facebook hingegen wird fast nur von Russen genutzt, die über zahlreiche Kontakte ins Ausland verfügen.

Vkontakte.ru ist aber nicht der einzige Konkurrent, der bisher den Facebook-Boom zwischen Kaliningrad und Kamtschatka verhindert hat. Odnoklassniki heißt der zweite Anbieter (ca. 40 Millionen Nutzer) und wird den deutschsprachigen Surfer wohl noch am ehesten an das „StudiVZ“-Netzwerk erinnern. Hier stand zu Beginn die Suche nach verlorenen Klassenkameraden und Studienkollegen im Vordergrund der Werbung.

Dementsprechend steht das Portal im Ruf, viele akademische Nutzer zwischen 25 und 40 Jahren zu haben. Vor 2010, dem Boomjahr für Vkontakte, war Odnoklassniki die Nummer eins auf dem russischen Netzwerkmarkt. Heute ist es vor allem noch in Sibirien führend, während vkontakte Moskau und Sankt Petersburg dominiert.

Auch bei den Suchmaschinen mit Zusatzservice ist in Russland nicht alles Google. Google.ru existiert zwar, verfügt jedoch laut den Statistiken von liveinternet.ru im Land nur über einen Marktanteil von 24 %. Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn nach einigen Jahren des Zuwachses ging es mit dem „googeln“ in Russland seit 2008 prozentual bergab.

Platzhirsch und sehr dominant ist im Land Yandex (60 %), das die ganze Palette der Google-Leistungen wie Webmail und Anwendungen selbst im Portfolio hat. Abgeschlagen auf Rang drei rangiert die Suche von mail.ru und noch dahinter findet sich der traditionelle russische Yandex-Konkurrent Rambler. Andere Sucher wie „yahoo“ oder „bing“ sind in Russland kaum im Gebrauch.

Doch nicht alles in Russland ist so anders, als man es gewohnt ist. Wenn Webvideos geschaut werden, so heißt der Marktführer auch dort YouTube. Russischsprachige Filme gibt es hier in rauen Massen und die Durchschnittsqualität ist ebenso durchwachsen, wie von deutschen Filmchen gewohnt.

Der einheimische Konkurrent rutube.ru wurde hier vom Platzhirsch ab 2009 im eigenen Land weit hinter sich gelassen, obwohl man zuvor noch laut Google Trends über einen ähnlich hohen Zuspruch verfügte. Eine Entwicklung also, wie sie ganz ähnlich in Deutschland mit Clipfish oder MyVideo.de geschehen ist und sogar etwa zur gleichen Zeit.

www.russland.ru

Die erwähnten russischen Internetseiten:

www.yandex.ru

www.mail.ru

www.vkontakte.ru

www.odnoklassniki.ru

www.rutube.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. eva sagt:

    Ich nutze Facebook und Vkontakte und muss sagen, dass mir die russische Version besser gefällt, weil sie ruhiger und diskreter ist. Die „Verknüpfungs-Wut“ bei Facebook, wo der Computer um jeden Preis versucht, weitere „Freundschaften“ zu schliessen, geht mir hin und wieder ganz schön auf den Geist. Vkontakte ist schön ruhig und lässt einen seine wirklichen Freunde selber suchen.

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