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Russland nach Fukushima: Dringende Modernisierung der veralteten AKWs gefordert

Von   /  10. April 2011  /  1 Kommentar

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eva.- Die AKW-Katastrophe im japanischen Fukushima hat auch in Russland für Nachdenken und böse Erinnerungen an den GAU in Tschernobyl gesorgt. Trotz allem wird in erster Linie an eine Modernisierung der veralteten Kraftwerke gefordert und nicht an einen kompletten Ausstieg aus der Kernenergie.


Geht die Rede von Atomenergie, so ist in Petersburg in der Regel das Kernkraft LAES-1 in Sosnowy Bor gemeint, das 80 Kilometer vom Stadtzentrum im Süden liegt. Die Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern an der Ostseeküste wurde aus Anlass des 1973 in Betrieb genommenen Kraftwerks gegründet. Sosnowy Bor liegt in einer Sperrzone und ist offiziell nur mit Passierschein zugänglich – als typisch russische Ausnahme von dieser Regel kann die Stadt per Zug ohne Kontrolle betreten werden.

Die vier Reaktorblöcke vom Typ „Tschernobyl“ produzieren insgesamt 4000 Megawatt. Ursprünglich war ihre Arbeitsdauer auf 30 Jahre festgelegt – sie wurde aber nach einer Modernisierung verlängert. Die Erdbebenfestigkeit von LAES-1 ist für eine Stärke bis sieben Punkte auf der Richter-Skala gewährleistet. 2019 soll der erste, 2026 der letzte der alten Blöcke abgestellt werden. Das neue Kraftwerk LAES-2 ersetzt so gewissermassen seinen Vorgänger.

Sämtliche KKWs im Land überprüft

Als Reaktion auf die Havarie in Fukushima liess die russische Atomenergiebehörde Rosatom sämtliche Kernkraftwerke im Land überprüfen. Momentan stehen in Russland 10 AKWs mit insgesamt 31 Reaktorblöcken in Betrieb. Laut der Zeitung „Argumenty i Fakty“ fordern Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace den Bau von Gaskraftwerken anstelle von KKWs, vordringlich ist jedoch die Abschaltung, bzw. Ersetzung der völlig veralteten bestehenden Technik. „Die Reaktorblöcke gehören zu den ältesten im Land und müssen so bald wie möglich abgestellt werden“, fordert der Alexander Nikitina vom Ökologie-Zentrum „Bellona“.

Der Ökologe Oleg Bodrow aus Sosnowy Bor, der sich für ein Referendum über die Abschaltung des Atomkraftwerks einsetzt, hat auf eigene Faust eine Meinungsumfrage in seiner Heimatstadt durchgeführt. Die meisten der Befragten sprachen sich dabei für eine dringende Modernisierung der Kraftwerke zur Verminderung des Unfallrisikos aus.

Jod-Panikkäufe nach Störfall-Gerüchten

Sosnowy Bor geriet das letzte Mal vor drei Jahren in die Schlagzeilen, als das Gerücht über einen verheimlichten Störfall im LAES-1 zu Panikkäufen von Jod in allen Apotheken der Region führte. 1975 hatte es im LAES bereits einen Unfall gegeben, dessen Umfang und Folgen jedoch in der damaligen Sowjetunion verschwiegen und bis heute nicht veröffentlicht wurde. Seit dem Unglück in Tschernobyl 1986 und einem glimpflich verlaufenen Störfall 1992 wurden an allen Häusern Sosnowy Bors Dosimeter angebracht. Ausserdem werden die Strahlenwerte der Stadt regelmässig automatisch an die Behörden in Moskau und Finnland übermittelt.

Bilder: http://new-www.laes.ru/

www.aif.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Öko-Logisch sagt:

    Egal, in welches Land man schaut, es wird überall ne Menge vertuscht. Davon bin ich überzeugt. Die russische Bevölkerung hat sich viel zu lange mit Halbwahrheiten abgefunden. Ich finde, dass es Zeitr wird, dass weltweit etwas gegen Atomenergie getan wird.

    Ein gutes Zeichen: Mittlerweile gehen selbst die Japaner auf die Straßen und demonstrieren für ein Land ohne Atomenergie.

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