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Ernst & Young: Russland besserer Investitionsstandort als Deutschland

Von   /  5. Juni 2008  /  Keine Kommentare

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Russland vor dem 12. Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg

ernst&young/mm.- Die Unternehmensberatung „Ernst & Young“ hat ein Umfrage unter internationalen Unternehmen durchgeführt. Befragt wurden Entscheider von 834 internationalen Unternehmen. Ihrer Meinung nach kann sich Deutschland als führender Standort in Westeuropa behaupten, rutscht aber im Ranking der weltweit attraktivsten Standorte vom vierten auf den sechsten Platz.

Erstmals können sich in diesem Jahr Russland und Polen vor Deutschland platzieren.

China wird mit 47 Prozent erstmals als attraktivstes Zielland für Investitionen angesehen, auf dem zweiten Platz folgt Indien, das sich im Vergleich zu 2007 vom dritten auf den zweiten Platz verbessert und aktuell von 30 Prozent der Befragten als Top-Standort angesehen wird. Russland steigt vom fünften auf den dritten Platz. 21 Prozent der Befragten bezeichnen Russland als einen der attraktivsten Investitionsstandorte der Welt – im Vorjahr lag der Anteil der Nennungen nur bei 12 Prozent.

Die USA haben hingegen erheblich an Attraktivität verloren: Während 2007 noch 33 Prozent der Befragten die USA als Top-Standort bezeichnet hatten, schrumpft der Anteil der USA-Nennungen 2008 auf nur noch 18 Prozent. „Die US-Wirtschaft befindet sich zurzeit in einer Schwächephase: Immobilienkrise, Finanzkrise und die drohende Rezession belasten den Standort“, stellt Englisch fest. „Andererseits: Durch den schwachen Dollar können Unternehmen in den Vereinigten Staaten sehr günstig für den Export z. B. nach Europa produzieren. Wenn die Finanzkrise überwunden ist und der Dollar so schwach bleibt, könnten wir eine Renaissance des Produktions- und damit Investitionsstandorts USA erleben“, prognostiziert Englisch.

Schwellenländer entwickeln sich zu Top-Investitionsstandorten

Die Veränderungen im weltweiten Standortranking zeigen, dass Investoren zunehmend auf Schwellenländer setzen: Erstmals taucht keine der etablierten Industrienationen in den Top-3 des Rankings auf. Stattdessen machen die Schwellenländer China, Indien und Russland die drei ersten Plätze unter sich aus.

„China, Indien und Russland sind weiter auf dem Vormarsch“, kommentiert Englisch. „Diese Länder bieten das, was Investoren suchen: große unerschlossene Märkte und damit erhebliche Wachstumspotenziale. Da können die etablierten großen Industrienationen wie die USA und Deutschland schlichtweg nicht mithalten“.

Deutschland bleibt Top-Standort in Westeuropa

Im Vergleich zu 2007 verliert Deutschland unter den befragten Managern an Attraktivität: Nur noch zehn Prozent bezeichnen Deutschland als einen der drei Top-Standorte weltweit – im Vorjahr lag der Anteil noch bei 18 Prozent. Dennoch kann sich Deutschland – als einziges westeuropäisches Land – weiter in der Gruppe der zehn attraktivsten Standorte der Welt behaupten. Großbritannien und Frankreich finden sich nicht mehr in dieser Liste wieder.

„Angesichts der enormen wirtschaftlichen Dynamik von Länden wie China, Indien und Russland verliert Deutschland relativ gesehen an Attraktivität“, stellt Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, fest. „Dennoch: Aus Sicht der Investoren ist Deutschland das einzige westeuropäische Land, das im weltweiten Standortwettbewerb in der ersten Liga mitspielt. Die Unternehmen honorieren, dass Deutschland sich wieder als Wachstumslokomotive in Europa etabliert hat. Das hätte noch vor wenigen Jahren kaum jemand erwartet“, so Englisch.

Lob für Deutschlands Infrastruktur

Deutschland kann nach Meinung der befragten Manager besonders bei der Qualität der Verkehrswege und der Telekommunikationsnetze sowie bei der Qualifikation der Beschäftigten punkten. Alle drei Bereiche werden allerdings etwas schlechter beurteilt als im Vorjahr. Ebenfalls eine abfallende Tendenz ist bei der Bewertung von Forschung und Entwicklung festzustellen: 2006 bezeichneten noch 73 Prozent der Befragten Deutschland in diesem Punkt als attraktiv, 2007 waren es 70 Prozent, aktuell liegt der Wert bei 67 Prozent.

Zu den Schwächen des Standorts Deutschland zählen aus Sicht der befragten Manager insbesondere die mangelnde Flexibilität des Arbeitsrechts und die hohen Arbeitskosten. „Deutschland hat nach wie vor bei den Arbeitskosten international einen Wettbewerbsnachteil“, urteilt Englisch. „Allerdings sehen die Investoren, dass die Produktivität in Deutschland überdurchschnittlich steigt und die realen Lohnstückkosten – anders als in vielen anderen europäischen Ländern – sogar sinken.“

Für Unternehmen mit einem hohen Anteil der Arbeitskosten an der Gesamtwertschöpfung sei dennoch Deutschland im Vergleich etwa zu den osteuropäischen Ländern oft kaum konkurrenzfähig. Englisch betont aber: „Niedrige Löhne sind nicht allein ausschlaggebend bei der Standortwahl. Billig ist nicht automatisch gut – das wissen die Investoren“.

Warnsignale für den Standort Deutschland

Die schwächeren Beurteilungen Deutschlands bei der Qualifikation der Arbeitskräfte und der Qualität von Forschung und Entwicklung sind Warnsignale für den Standort, so Englisch: „Der Hochtechnologie- und Hochlohnstandort Deutschland kann nur dann international wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir massiv in Bildung und Ausbildung investieren. Wir können nicht billiger sein als Osteuropäer oder Chinesen, aber wir können besser sein.“ Noch sei die Lage in Forschung und Entwicklung kein akutes Problem, urteilt Englisch, aber: „Deutschlands Position als Qualitäts- und Innovationsführer ist nicht in Stein gemeißelt“.

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Sie haben die Möglichkeit, die Studie als Download (PDF – 1,4 MB, 40 Seiten) zu lesen.

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