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Russland in der Krise – für einmal nicht allein

Von   /  23. Dezember 2008  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Wer mit den Russinnen und Russen über die Wirtschaftskrise diskutiert, bekommt oft zu hören: „Wir haben schon alles mitgemacht – so leicht kann uns diese Krise nichts mehr anhaben.“ Mit „alles“ meinen die meisten den Wirtschaftscrash von 1998, als die russische Wirtschaft praktisch von einem Tag auf den anderen ins Bodenlose abstürzte. Der Staat ging bankrott, Rubel-Ersparnisse lösten sich in Luft auf, tausende von Firmen waren auf einen Schlag zahlungsunfähig und blieben auf ihren Produkten sitzen.

Für die Bevölkerung wiederholte sich jenes Trauma, das sich schon 1991 bei der Auflösung der Sowjetunion ereignet hatte. Es folgten Jahre der Depression und Frustration – viele haben sich schon daran gewöhnt, dass alle paar Jahre eine Katastrophe passiert und blicken deshalb dem erwarteten Desaster mit einem gewissen Galgenhumor entgegen. Die Krise ist schon in vollem Gange und treibt die seltsamsten Blüten. Zur selben Zeit wie in fast allen Firmen und Betrieben gekürzt und entlassen wird, macht man auf Riesenplakaten Werbung mit „Krisenpreisen“. Wer seinen Job noch hat, wird von der ständigen Angst verfolgt, sein Lohn könnte nach einem plötzlichen Rubel-Absturz über Nacht wertlos werden.

Doch in einem Punkt unterscheidet sich die Krise von heute ganz wesentlich von jener vor zehn Jahren – die Russen sind nicht mehr allein. Damals war alles klar: Der ex-sozialistische Zögling Russland hatte Mist gebaut, und von kapitalistischer Seite hagelte es belehrend-wohlmeinende und oft demütigende Kommentare dazu, was die naiven Russen alles falsch gemacht hätten.

Die Situation von heute erstaunt viele: Der einstige Lehrmeister Amerika steht plötzlich am Pranger, Börsenskandale, Massenentlassungen und Firmenbankrotte konzentrieren sich in den USA. Nicht dass die Russen das etwa lustig fänden – auch hier mussten die kürzlich eröffnete Autofabrik von General Motors und sowie das Ford-Werk ihren Betrieb vorübergehend einstellen. Die russischen Arbeiter zittern genauso um ihren Job wie ihre Kollegen in Detroit. Vielmehr ist es für die Russen ein völlig neues Gefühl, endlich wie selbstverständlich zur Weltgemeinschaft zu gehören, auch wenn diese im Moment eine Krisengemeinschaft ist.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Bernd Pistorius sagt:

    Ja die ganze Welt in einem Boot.

    Ich persönlich traue aber der Russischen Wirtschaft zu wie nach der 98er Krise wieder gestärkt aus der Situation herauszukommen. Wurde 98 das Geld aus Zypern dazu benutzt um Lebensmittelfabriken im Land zu bauen statt 98% des Jogurts und Käse zu importieren, so könnte das auch in dieser Krise dazu führen, das der Inlandsbedarf in anderen Bereichen stärker durch Heimische Produktion abgedeckt wird.

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