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Russland im Wohlstandsranking: Brot ohne Spiele

Von   /  26. Dezember 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Die Russen geben überdurchschnittlich viel Geld für Lebensmittel aus, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“. Laut der Rankingagentur RIA Rating befindet sich Russland im scheidenden Jahr auf Platz 29 unter den insgesamt 40 gewerteten europäischen Ländern nach dem Anteil der Lebensmittel an den gesamten Ausgaben der Bürger.

Dieses Merkmal hängt unmittelbar mit dem Wohlstand zusammen: Je geringer der Wohlstand, desto größer die relativen Ausgaben für Nahrungsmittel, und umgekehrt. In den meisten westeuropäischen Ländern betragen sie normalerweise zehn bis 15 Prozent, während das übrige Geld für Unterhaltung, Kommunikationsmittel, Medizin, Bildung, Haushaltstechnik, Kleidung, Reisen usw. ausgegeben wird. Somit ist es kein Wunder, dass an der Spitze des Rankings Luxemburg liegt, dessen Bürger nur 8,8 Prozent ihrer Einkommen für Lebensmittel ausgeben. In Großbritannien und der Schweiz beträgt diese Zahl 9,1 bzw. 9,6 Prozent. Auf den vorderen Plätzen befinden sich auch Dänemark, Norwegen, Deutschland und Österreich.

In ärmeren Ländern ist die Situation umgekehrt: Dort müssen die Menschen bis zu 50 Prozent ihrer Einkommen für Lebensmittel ausgeben. Bemerkenswert ist, dass sich auf den letzten 15 Plätzen im Ranking nur ehemalige Ostblockstaaten befinden. In Russland belaufen sich die Lebensmittel-Ausgaben auf 30,3 Prozent. Das ist  mehr als in den baltischen Ländern, aber weniger als in Weißrussland und der Ukraine.

Experten zufolge sollte man aber diese Angaben nicht überschätzen. „Das ist eine Durchschnittszahl für das jeweilige Land, die aber nicht gerade kennzeichnend ist“, sagte der Generaldirektor des Instituts für vergleichende Sozialforschung, Wladimir Andrejenkow. „In Russland ist die soziale Schichtung enorm groß. Um eine objektive Vorstellung zu bekommen, müsste man die Ausgaben verschiedener sozialer Gruppen analysieren.“

Der Direktor des Instituts für Sozialpolitik und sozialwirtschaftliche Programme der Higher School of Economics, Sergej Smirnow, stimmte zu, dass verschiedene Bevölkerungsschichten unterschiedliche Anteile ihrer Einkommen für Lebensmittel ausgeben.

Beide Experten verwiesen auf den großen Preisanstieg für Lebensmittel im scheidenden Jahr: Zwischen Januar und September habe er 2,7 Prozent betragen (zum Vergleich: 0,3 Prozent in den mitteleuropäischen Ländern). „In den letzten 20 Jahren sind Industriewaren relativ günstig geworden, während Lebensmittel dagegen teurer wurden“, stellte Smirnow fest. Dennoch hob er den positiven Trend hervor: In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil der Lebensmittelausgaben der Russen um etwa zehn Prozent gesunken.

Im Ranking wurden auch zwei weitere Aspekte des Wohlstands erwähnt: der Alkohol- und Tabakverbrauch und der Anteil der Ausgaben für Cafe- bzw. Restaurantbesuche und Hotelübernachtungen. Dabei stellte sich heraus, dass die Russen für Alkohol und Tabak etwa 2,5 Prozent ihres Einkommens ausgeben und damit auf Platz 17 liegen. Die Experten führen dieses anscheinend positive Ergebnis vor allem auf die relativ niedrigen Preise für Alkohol- und Tabakwaren zurück.

Denn der Alkoholverbrauch ist in den letzten 20 Jahren um nahezu 70 Prozent gewachsen, wobei die Russen im Durchschnitt 10,3 bis 15,7 Liter hochprozentigen Alkohol jährlich konsumieren. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der „ungefährliche“ Verbrauch von Spirituosen bei acht Litern. Nach den Ausgaben für Cafe- und Restaurantbesuche liegt Russland mit 3,3 Prozent auf dem bescheidenen 29. Platz. (rian)

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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