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Russland-Blog: Zürich (ZRH) – Pulkovo (LED)

Von   /  15. November 2017  /  1 Kommentar

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Von Emily Orlet

Liebe Leserin, lieber Leser!
Ich freue mich sehr, Sie auf meinem Blog über meinen Aufenthalt in Russland begrüssen zu dürfen, Dobry Djen!

Gerne möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen. Ich heisse Emily, bin 18 Jahre alt und habe diesen Sommer meine Matura an der Kantonsschule Freudenberg in Zürich absolviert. Im Gepäck habe ich zwei Jahre des Freifachs Russisch. Mit diesem Kurs hat alles angefangen: Ich habe viele Dinge über die russische Sprache und Kultur gelernt, von Filmen und Büchern bis zur Folklore. Mein Interesse und meine Begeisterung für Russland waren gezündet!

Meine Abschlussarbeit habe ich dann ebenfalls im Fach Russisch geschrieben. Es ist eine Adaption von Michail Bulgakows Werk „Das hündische Herz“ (oder je nach Übersetzung „Hundeherz“) in einen Comic. Die Arbeit an diesem Comic war sehr intensiv. Die Transformation eines anspruchsvollen Prosatexts in Bilder und Sprechblasen bedingte eine Vertiefung auf literarischer Ebene (untrennbar verbunden mit der Kenntnis von Leben und Werk des Autoren Bulgakows), sowie eine Vertiefung auf zeichnerischer Ebene und in der Welt der Comics.

Ich habe somit in vielen verschiedenen Bereichen sehr viel gelernt, immer mit Fokus auf Russland.
Dieser Comic stellt damit eine meiner ersten Annäherungen an Russland dar und ich möchte ihnen die ersten beiden Seiten des Ergebnisses nicht vorenthalten; – ) Begleitet wird das erste Kapitel des Comics mit Zeilen des Gedichts „Die Zwölf“ (1918) von Alexander Blok (Dichter der russischen Moderne, 1880-1921).

Eintauchen in ein russisches Leben

Mein Interesse an der russischen Sprache und Kultur wurde ebenfalls durch den persönlichen Kontakt zu Russinnen und Russen in Zürich, insbesondere meinen lieben Nachbaren, erweitert. Durch sie bekam ich auch Einblicke in Teile des russischen Lebens, der Kultur und der Küche…

Es stand für mich ausser Frage, dass ich mich in meinem Zwischenjahr nach der Matura meinem Russland-Enthusiasmus nachgehen würde. Besonders am Herzen lag mir das Erlernen der russischen Sprache und das Kennenlernen eines russischen Alltags – das Eintauchen in ein russisches Leben.

Schlaflose Nächte wegen Visumsfrage

Doch die Organisation stellte mir einige Hürden. Insbesondere die Visumsfrage bereitete mir einige schlaflose Nächte und viele Anrufe bei der Botschaft. Bald kannte ich auch die Nummer des Visumszentrums auswendig und erarbeitete mir so einen Überblick über das russische Visum und die Möglichkeiten der Gestaltung eines Aufenthalts in Russland. (Wer sich für eine Reise nach Russland interessiert: Eine kleine Infobox zum russischen Visum mit den wichtigsten Links und Erklärungen zu den verwendeten Stichwörtern ist weiter unten zu finden.)

Unter all diesen Anrufen bei der Botschaft gab es auch einen, der schicksalshaft über meinen Aufenthalt entscheiden sollte. Die Frau, die bei der Botschaft meinen Anruf entgegennahm und auf meine Fragen Auskunft gab, empfahl mir die Website einer Jugendaustauschorganisation in Luzern. Ich rief daraufhin die Seite auf und sah, dass es die Organisation schon nicht mehr gab und dass sie mit dem „Service Civil International“, einer internationalen Freiwilligenorganisation, verschmolzen war.

Freiwilligeneinsatz oder nur Sprachkurs?

Ich klickte mich weiter. Ein Link zeigte an, dass „Service Civil International“ Freiwilligenaufenthalte in Russland organisiert. Ich rief dort an, erkundigte mich ausführlich. Meine Neugier für einen Freiwilligenaufenthalt war geweckt. Doch ich stand vor einer neuen Fragestellung: Sollte ich nun einen Freiwilligeneinsatz (mit Sprachkurs) und mit Visum über die Organisation machen? Oder lieber nur einen intensiven Sprachkurs mit Visum über die Uni?

Zur gleichen Zeit hatte ich auch das Angebot bekommen beim Sankt Petersburger Herold ein Praktikum zu absolvieren, was ich natürlich sehr gerne machen wollte. Aber auch hier stellte sich die Visumsfrage. Bei Kombination mit einem Kurs an der Uni hätte sich ein Visum arrangieren lassen. Doch die strikten Bedingungen eines Studentenvisums schreckten mich ab.

Museumseinsatz und Zeitungspraktikum!

Es war so verzwickt, wie es sich liest. Meiner Mutter, die all diese Entscheidungsprozesse miterlebt hat, danke ich für ihre Geduld, Ratschläge und umfassende Unterstützung. Schliesslich entschied ich mich, alles zu kombinieren: Freiwilligenaufenthalt, Praktikum beim Sankt Petersburger Herold und Sprachkurs.

Bald bekam ich die Nachricht, dass ich einen Freiwilligeneinsatz an der Eremitage machen würde. Mein Visum würde über die Organisation ausgestellt werden, und das spannende Praktikum beim Sankt Petersburger Herold würde ich auch machen können!

Jetzt bin ich da!

Mit entsprechender Vorfreude (und auch ein bisschen Nervosität) machte ich mich dann, nach einer kleinen Sommerpause, schnellst möglich auf den Weg nach Sankt Petersburg. Am 10. September landete ich dann am Flughafen Pulkovo im Süden der Stadt.

Im Blog des Sankt Petersburger Herolds versuche ich meine Eindrücke und Erfahrungen zu teilen, praktische Tipps für den Petersburger (Besucher) anzufügen und mich journalistisch mit dieser Stadt auseinanderzusetzen. Ich freue mich über Anregungen und Kommentare Ihrerseits und wünsche Ihnen nun viel Freude bei der Lektüre. Allen, die mich bei meinem Wunsch unterstützt haben, für ein halbes Jahr nach Sankt Petersburg zu gehen, bin ich von Herzen dankbar!

Glossar und praktische Tipps zur Vorbereitung eines Russlandaufenthaltes

– Russland ist das flächenmässig grösste Land der Erde und so vielfältig, dass sich der Reisende gut überlegen sollte, worin seine Interessen liegen: Erleben einer Stadt oder Region, Erlernen der Sprache, Erfahrungen in einem Volontariat?

Anbei stelle ich ein paar Tipps und Erklärungen zu meinem Aufenthalt in Russland zusammen. Sie stehen vor allem im Interesse der Vorbereitung des Aufenthalts, das heisst, sie sind massgebend für das Visum. (Wohngelegenheiten und weiteres werden dann meist direkt vor Ort, je nach Institut und Art des Aufenthalts organisiert.)

Infos zum russischen Visum

Grundsätzlich ist jede Reise in die Russische Föderation für ausländische Staatsangehörige nur mit einem Visum möglich. Je nach Art des Aufenthalts (Student, Tourist, Volontär) wird ein anderes Visum ausgestellt. Das Visum orientiert sich am vorangehenden „Einladungsbrief“, der entweder direkt von der Sprachschule, der Universität oder der Freiwilligenorganisation ausgestellt wird oder im Falle eines persönlichen Kontaktes in Russland von der Privatperson selbst. Für ein Touristenvisum kann man über eine staatlich registrierte Organisation in Russland ein Visum erhalten.

Achtung: Jeder Visumstyp hat seine Einschränkungen. Beispielsweise wird ein Touristenvisum nur bis zu maximal einem Monat ausgestellt und das Studentenvisum ist sehr viel strenger was die Reisefreiheit betrifft. Detaillierte Auskunft geben die lokalen Vertretungen der Russischen Föderation (Visumszentrum, Konsulat und Botschaft).

Für die Organisation des Visums sollte mindestens ein guter Monat eingerechnet werden. Ausserdem im Voraus zu kontrollieren sind Gültigkeitsdauer des Reisepasses und der Krankenversicherung!

Organisationen:

SCI Switzerland
Der SCI Switzerland (Schweizer Zweig des Service Civil International) organisiert Freiwilligeneinsätze weltweit und ist gut vernetzt. Das Angebot ist sehr variiert (Workcamps, Volunteering und vieles mehr) und der Einsatz lässt sich gut auf die persönlichen Interessen und Schwerpunkte anpassen. Die Betreuung habe ich sehr positiv empfunden.

www.scich.org/de/

Der Deutsch-Russische Austausch

Wer einen Freiwilligenaufenthalt in Osteuropa machen möchte, wird an lokale Partnerorganisationen weitervermittelt. In meinem Fall war das der Deutsch-Russische Austausch. Eventuell lässt sich die Vermittlungsgebühr bei direktem Kontakt mit den Partnerorganisationen umgehen, allerdings entfällt damit auch der SCI als Ansprechpartner und Betreuer. Der SCI bietet ausserdem auch einen Visumsservice an. (Kosten für ein fertiges Visum nach Hause: 190.-) (Betreuung und Vermittlungsgebühr nach Russland: 660.- für Studenten)

Der Deutsch-Russische Austausch (https://austausch.org/home/) engagiert sich für einen Dialog und Austausch zwischen Deutschland und Russland und bietet verschiedene Anlässe und interkulturelle Austauschmöglichkeiten an. Ich habe indirekt durch die Vermittlung des SCI Switzerland (Partnerorganisation) den Deutsch-Russischen Austausch kennengelernt. Der DRA hat hier meinen Freiwilligeneinsatz und meine Gastfamilie organisiert. Kostenpunkt: ca. 250 Euro.

Apropos Kosten: Hinzu kommt die „Miete“, die der DRA monatlich für einen Aufenthalt in einer Gastfamilie veranschlagt. Sie beträgt 300 Euro (ohne Verpflegung) oder 500 Euro (mit Verpflegung). Das Geld wird direkt an die Familie bezahlt.  Diese Kosten sind gemessen an den hiesigen Wohnkosten hoch und gerade für nichtverdienende Freiwillige eine finanzielle Herausforderung. Es gibt auch die Möglichkeit mit anderen Freiwilligen in Wohnungen im Zentrum zu wohnen, soweit ich weiss zu gleichem Tarif. Wer möchte, kann sich natürlich auch privat eine Wohnung oder ein Zimmer organisieren. Der DRA ist sehr flexibel!

www.obmen.org

Perspektivy
Es gibt in Deutschland auch die Möglichkeit über die Organisation „Perspektivy“ einen Freiwilligeneinsatz in Russland zu machen und mit Kindern mit Behinderungen zu arbeiten. Ich habe hier viele Freiwillige kennengelernt, die sich für diese Option entschieden haben und sehr zufrieden sind, selbst habe ich aber keine Erfahrungen mit dieser Organisation gemacht.

www.perspektivy.ru

Einladung „direkt“

Es gibt auch die Möglichkeit die „Einladung“ direkt von der zukünftigen Institution, beispielsweise der Sprachschule / Universität oder dem Praktikumsplatz (in meinem Fall die Eremitage) zu erhalten. Hierbei ist es am besten, wenn man sich einfach direkt bei der Zielinstitution meldet und sich erkundigt, ob eine solche „Einladung“ ausgestellt werden kann. Meistens kennen sie sich sehr gut mit Visumsfragen aus und können Ihnen auf jeden Fall weiterhelfen.

Die Staatliche Eremitage

Wer sich für ein Praktikum oder einen Freiwilligeneinsatz (hierbei variiert nur das Arbeitspensum) bei der Eremitage interessiert, kann sich unter den beiden nachfolgenden Links informieren. Grundsätzlich werden alle interessierten Bewerber angenommen. Wer sich vom Ausland aus bewirbt und länger als einen Monat dort arbeiten möchte, kann für sein Visum einen direkten Einladungsbrief des Volontärservice erhalten. (Bei einem Aufenthalt bis zu einem Monat wird das Touristenvisum empfohlen.) Die genaueren Details und Kontaktinformationen sind auf der Website einsehbar.

www.hermitagemuseum.org/wps/portal/hermitage/support/volunteers
www.benevole.ru/de/

Persönlich empfehle ich dieses Volontariat für eine kurze, aber intensive Zeitspanne zu machen. Die ganztägige Anwesenheit im Büro erlaubt, auch bei spontanen Aufgaben mithelfen zu können und ermöglicht einen vielfältigen Einblick in den Museumsalltag. (Einen ausführlichen Erfahrungsbericht finden Sie im Blog;-)

Sprachschulen
Ich besuche die Deutsch-Russische Sprachschule Das Proekt am Vosstanja Ploschad und bin zufrieden. Die Schule ist persönlich, bietet Unterricht am Abend an und stellt zur Freude aller Schüler immer genug Kekse bereit.

www.dasproekt.ru

Wer sich für einen intensiveren Sprachunterricht (fünf Mal in der Woche) interessiert, kann sich bei der Staatlichen Universität für einen sehr effektiven und zielgerichteten Kurs anmelden. Jedoch sollte unbedingt beachtet werden, dass die Teilnahme an diesem Kurs nur über ein Studentenvisum mit einem Einladungsbrief dieser Universität möglich ist! (Ausserdem: Die Universität stellt zwei verschiedene Visatypen aus. Liegt der geplante Aufenthalt bei maximal 3 Monaten, kann die entsprechende „Einladung“ für das Visum innerhalb einer Woche ausgestellt werden. Dieses Visum bedingt jedoch die definitive Ausreise nach 3 Monaten. Ein erneuter Visumsantrag ist aber sogleich wieder möglich. Bei einem geplanten Aufenthalt von mehr als 3 Monaten kann die Bearbeitungszeit der „Einladung“ jedoch bis zu 5 oder 6 Wochen betragen! Dafür ist dieses Visum (ohne Ausreise) durch die Uni bis zu einem Jahr verlängerbar.) Allgemein sind Studentenvisa bezüglich der Reisefreiheit sehr viel strikter. Es lohnt sich, sich über die genauen Bestimmungen zu informieren.

www.russian4foreigners.spbu.ru/de

Alternativ lässt sich ein ähnlich intensives Kursangebot auch bei den folgenden zwei Instituten finden. Der Besuch dieser Kurse ist unabhängig vom Visumstyp.

Herzen Universität: www.herzen.spb.ru

Russischkurse: www.herzen.spb.ru/en/ru/

Derzhavin-Institut: www.derzhavin.com/en/

Russischkurse: www.derzhavin.com/ru/pages/894/

Je nachdem können natürlich auch Stunden bei einer privaten Lehrkraft am effektivsten sein, das hängt von den persönlichen Bedürfnissen und Zielen ab.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Herzlich Willkommen in St. Petersburg.
    Ich freue mich schon auf den naechsten Beitrag im Blog / und vielleicht posten sie ja auch mal den Comic ? Собачье сердце
    bzw. Hundeherz ist hier ein Klassiker vor allem lieben wir die Lenfilm Version davon :)

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