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Russlands Bahnchef Jakunin geht in die Politik

Von   /  19. August 2015  /  2 Kommentare

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eva.- Am 17. August wurde der Rücktritt Wladimir Jakunins als Chef der russischen Staatsbahn (RZD) bekannt. Das bedeutet jedoch nicht den Rückzug des Putin-Freunds aus dem Machtzirkel des Kremls – Jakunin soll nun zum Senator gemacht werden.

Die Gründe für Jakunins und seine Nachfolg bei der russischen Bahn sind unklar. Klar ist jedoch, dass Jakunin bald als Senator für das Kaliningrader Gebiet im Föderationsrat Platz nehmen wird. Schon einen Tag nach seinem Rücktritt hat er sich als Kandidat für den Senatorenposten eingereicht, und seine Ernennung gilt als reine Formsache. Schliesslich gehört er als enger Putin-Vertrauter zu den mächtigsten Personen im Land.

Jakunins Biografie ist stark mit St. Petersburg verbunden, wo seine seine Jugend, seine Ausbildungszeit und seine ersten Karriereschritte verliefen. Hier absolvierte er das Studium am Leningrader Mechanischen Institut und diente wie sein Freund Wladimir Putin beim Geheimdienst. Seine nächsten Stationen waren in der Außenhandelsabteilung beim Ministerrat der UdSSR und der sowjetischen Mission bei den Vereinten Nationen.

Steile Karriere unter Putin

In den Neunzigerjahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war er zuerst privater Geschäftsmann, und trat erst 1997 wieder in den Staatsdienst ein. Mit der Machtübernahme durch Putin begann eine steile Karriere. 2000 wurde er stellvertretender Verkehrsminister, 2002 stellvertretender Eisenbahnminister und 2005 Präsidenten der Russischen Eisenbahnen. Während seiner Amtszeit wurden grosse Teile der RZD modernisiert und privatisiert.

Höhepunkt war die Einrichtung der Hochgeschwindigkeitsverbindungen mit Siemens „Sapsan“-Zügen zwischen Moskau, St. Petersburg und Nischni Nowgorod sowie der „Allegro“-Zug zwischen Helsinki und St. Petersburg. Gleichzeitig wurde Kritik an den Geschäftspraktiken und der Privatisierung der Bahn laut. Der Fond gegen Korruption des oppositionellen Bloggers Alexei Nawalny deckte die internationalen Geschäftsverbindungen des Jakunin-Clans auf, der zahlreiche Firmen, Geschäfte und Hotels besitzt.

Unerwünscht in den USA

Jakunin und seine beiden Söhne wurden beschuldigt, sich bei der Privatisierung bereichert und die Staatsbahnen zu ihren Gunsten „zersägt“ zu haben. Der Gipfel der Enthüllungen Nawalnys waren Luftaufnahmen, die angeblich das riesige Anwesen Jakunins zeigten, das mit allen Schikanen, vom Schwimmbad bis zum Lagerraum für Pelzmäntel ausgerüstet ist. Jakunin wies sämtliche Vorwürfe von sich und sagte öffentlich, dass Vetternwirtschaft bei der Staatsbahn nicht geduldet würde.

Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise wurde Jakunin von den USA mit einem Einreiseverbot belegt, jedoch nicht von der EU. Es wird angenommen, dass dies mit den guten Geschäftsverbindungen deutscher Konzerne, darunter Siemens, zusammenhängt, die man nicht aufs Spiel setzen wollte. Jakunin gab bekannt, er sei stolz, von den USA gesperrt worden zu sein und erachte es als Auszeichnung.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. Hunter Daniel sagt:

    Ich kann nicht beurteilen ob REALSATIRE und/oder dieser Kommentar richtig sind:

    http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/moskau-statt-sankt-petersburg-1.18599961

    Was könnte nach dem grossen Fall passieren? Putin wird irgendwo Asyl suchen und die schweizer Banken, nicht nur, sind im Jaucheloch.
    Aber zur Zeit sind ja die Leute zu lethargisch. Vor knapp hundert Jahren hat es sich ja auch nur noch verschlimmbessert.

    Neue Revolution, wo ist mein Geld?!

    Vielleicht blockiert von den U.S.A.

    Tja…

    Grüsse
    D.J. Hunter

  2. Realsatire sagt:

    Informierte Kreise geben an, das der groesste Erfolg von Jakunin das anheben der Vertriebsnebenkosten seiner Lieferanten von den üblichen 10-20% auf 30-50% durchgesetzt hat. Ein echter Held der Arbeit!

    Der Senatorposten von Kalinigrad (wo ja schon der andere gefallene Held , der Moskauer Ex Bürgermeister Luschkow in einer Art Verbannung lebt) verdeckt ja nur die Tatsache, das aufgrund der deklarierungspflicht der Auslandsvermögen das die reichere Haelfte Moskau bereits ins Ausland eilt. Das ist es ja angenehm, wenn die Söhne in London den heimischen Steuerfandern keine Auskunft schulden.

    Вот в чем Фокус!

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