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Russisches Schlagerfestival „Neue Welle“ zieht um von Lettland nach Sotschi – aus politischen Gründen

Von   /  15. Januar 2015  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Das populäre russische Schlagerfestival „Neue Welle“ (Nowaja Wolna), das bereits seit der Sowjetzeit im Badeort Jurmala bei Riga stattfand, zieht weg ans Schwarze Meer. Grund für den Abzug nach Sotschi ist das Einreiseverbot, das die lettische Regierung im vergangenen Sommer für drei Interpreten wegen ihrer Position in der Ukraine-Krise ausgesprochen hatte.

Die Sänger Oleg Gasmanow, Josip Kobson und die Sängerin Alla Perfilowa, auch bekannt als „Waleria“, hatten zuvor deutlich ihre patriotische Gesinnung im Krim-Konflikt kund getan und waren dafür nur wenige Tage vor ihrem geplanten Auftritt im Konzertsaal „Dsintari“ in Jurmala ausgesperrt worden. Kobson und Perfilowa versuchten in der Zwischenzeit vergeblich den Entscheid des lettischen Aussenministers Edgar Rinkewitsch anzufechten, der die drei als “Apologeten des Imperialismus und der Aggression” bezeichnet hatte.

Daraufhin hatte der Leiter des Festivals Igor Krutoi am Eröffnungstag verkündet, dass die Veranstaltung das letzte Mal in Jurmala stattfinde und man für 2015 einen alternativen Austragungsort suchen werde. Zur Auswahl standen Kaliningrad, Kasan, Sotschi Baku oder eine Stadt auf der Krim. Nun hat man sich laut Fontanka.ru für Sotschi entschieden, wobei dies offiziell noch nicht bestätigt wurde. Auch die beiden russischen Humor-Festivals „KVN“ und „Jurmalina“ haben auf eine Reservation des Saals für 2015 verzichtet.

Einnahmen in Millionenhöhe verloren

Der Wegzug bedeutet nicht nur den traurigen Bruch mit einer gut nachbarschaftlichen Tradition, die sich trotz dem Zerfall der Sowjetunion erhalten hatte und im Juli jeweils ganz Russland vor den Fernseher lockte, sondern auch herben Verlust an Einnahmen und Prestige für Jurmala. Die Saalmiete von einigen Tausend Euro ist dabei nur der kleinste Posten – viel wichtiger sind all die russischen Touristen, die im Schlepptau des Festivals nach Lettland kamen und der örtlichen Gastronomie Einnahmen in Millionenhöhe beschehrten.

Die möglichen Ausfälle sind schwierig zu beziffern, und vor allem der Prestigeverlust lässt sich nicht Zahlen ausdrücken. Während des Festivals landeten jeweils dutzende von Privatjets reicher Russen auf dem Flughafen Riga, die hier am Rand des Konzerts ihre westeuropäischen Freunde trafen. Ausserdem besitzen zahlreiche Russen Ferienhäuser in Jurmala, das bei vielen Russen den Ruf eines nördlichen St. Tropez besitzt.

Reaktionen der lettischen Bevölkerung gemischt

Obwohl Sotschi mit seiner Olympia-Infrastruktur und seinen Stränden vieles zu bieten hat, wird es kaum dieselbe Brückenfunktion einnehmen können – allein wegen seiner grossen Entfernung von Europa und der Visapflicht für westliche Besucher. Trotzdem sind die zusätzlichen Feriengäste für Sotschi, das momentan Mühe hat seine neuen und grossen Hotels vollzukriegen, ein willkommener Zustupf.

Die Reaktionen in Lettland auf den Wegzug der „Neuen Welle“ sind unterschiedlich. Je nachdem, ob die Leute politisch oder wirtschaftlich denken, stehen sie hinter der anti-russischen Politik ihrer Regierung oder beklagen das Ausbleiben der Sommertouristen. In Zukunft wird sich Jurmala, das bis jetzt eine Sonderposition eingenommen hatte, zunehmend mit seinen Konkurrenz-Badeorten an der übrigen baltischen Küste und in Finnland messen und sein Profil neu definieren müssen. Die Allee mit den bronzenen Sieger-Tafeln vor dem Konzertsaal sind damit zu einem historischen Denkmal geworden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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