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Russischer Neujahrskater: fallender Rubelkurs und alarmierende Wirtschaftsprognosen

Von   /  13. Januar 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Am Tag nach den russischen Neujahrsferien sackte der Rubelkurs wie erwartet stark ab. Ende Dezember waren neue Umtauschregeln eingeführt worden, die Valutakäufe in grossen Beträgen durch bürokratische Hürden eindämmen.

Der Rubelkurs sank am 12. Januar stark ab und erreichte die Marke von 77 Rubel pro Dollar und 84 Rubel für einen Euro. Damit wurde der Rekordkurs, der schon vor einem Jahr am 18. Dezember 2014 galt, wiederum erreicht. Parallel dazu sank der Ölpreis auf 31 Dollar pro Barrell, was heftige Diskussionen über das russische Jahresbudget auslöste, das auf einen Ölpreis von 50 Dollar pro Barrell ausgerichtet ist.

Während Präsident Putin in einem Interview mit der Bildzeitung noch von einer möglichen Erholung der russischen Wirtschaft für 2016 gesprochen hatte, meinte Premier Medwedew am 13. Januar während des Gaidar-Wirtschaftsforums, bei einem so tiefen Ölpreis müsse man sich bezüglich Wirtschaft auf das Schlimmste gefasst machen. Finanzminister Siluanow merkte an, dass es durchaus zu einer Rekordinflation wie 1998 kommen könne, wenn das Budget nicht gekürzt würde.

Budgetanpassung erst im April geplant

Obwohl eine Anpassung des Budgets erst für den April geplant ist, sind bereits jetzt Spekulationen im Gang, wo der Rotstift angesetzt wird. Stellenweise kommen staatliche Organisationen schon jetzt in Zahlungsschwierigkeiten, so konnte beispielsweise der Russische Katastrophenschutz in einigen Regionen Sibiriens im Dezember keine Löhne zahlen.

Auch die Banken geraten durch die schlechte Wirtschaftslage unter Druck, und die Anleger fürchten um ihre Guthaben. Eine Gruppe von Bankkunden reichte bei der staatlichen Antimonopolismusbehörde (FAS) eine Beschwerde ein, weil ihre Banken die Zinssätze für Depositen kurzfristig stark gekürzt haben. In Internetforen taucht immer häufiger die Frage auf, ob es wohl sinnvoll sei, die Einlagen abzuheben, bevor es zu einem Default komme.

Wieder illegale Wechselstuben?

Trotz der schlechten Prognosen kam es bisher nicht zu Panikäufen ausländischer Valuta. Grund dafür sind nicht zuletzt auch die neuen Richtlinien für den Geldwechsel, welche die Zentralbank Ende Dezember eingeführt hatte.

Sie verpflichten die Banken, von ihren Kunden bei einer Summe von mehr 15.000 Rubel Gegenwert einen Fragebogen mit zahlreichen Fragen zu ihren finanziellen Verhältnissen zu verlangen. Diese bürokratische Hürde führte bereits vielerorts zu Warteschlangen, und Experten sagen die Entstehung illegaler Wechselstellen wie in den Neunzigerjahren voraus.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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