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Russische Tourismusindustrie: bis zu 50 Prozent weniger ausländische Gäste

Von   /  16. September 2014  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Die Krimkrise und der Krieg in der Ostukraine haben Touristen aus Westeuropa und den USA erschreckt. Das heimische Tourismusgewerbe rechnet mit einem katastrophalen Einbruch bei den Besucherzahlen – auch Geschäftsreisende kommen weniger.

In einem Artikel der Zeitschrift „Kommersant-Dengi“ sprachen verschiedene Reiseunternehmer und Vetreter der russischen Hotelbranche von 40 bis 60 Prozent weniger Reisenden aus Westeuropa und Nordamerika, noch im Mai hatten sie die Abnahme mit 15 bis 25 Prozent beziffert.

Russlandreisen aus dem Programm gestrichen

Wie bekannt wurde, haben die zwei grossen Reiseunternehmer „Thomas Cook“ und „Nature One“ zum ersten Mal seit zwanzig Jahren keine Russlandreisen in ihren Katalog aufgenommen. „Wodochod“, einer der wichtigsten Anbieter von Kreuzfahrten veranschlagte die Verluste mit 40 Prozent und gab an, dass seit März praktisch keine Reisen durch Russland mehr verkauft würden – nur noch kurze Landgänge vom Schiff aus seien gefragt.

Laut Genadi Lamschin, Präsident des russischen Hotelierverbandes, betragen die Rückgänge an Buchungen in St. Petersburg 30 bis 40 Prozent und in Moskau 15 bis 20 Prozent. Für eine konstante Auslastung haben bisher immer Geschäftsreisende gesorgt, doch auch in diesem Segment sind die Übernachtungen rückläufig.

Bis zu vier Milliarden weniger Einnahmen

Eine Halbierung der üblichen zwei bis zweieinhalb Millionen ausländischen Touristen pro Jahr würden laut Wladimir Kantorowitsch einen finanziellen Verlust von rund vier Milliarden Euro bedeuten. Die genauen Zahlen für die einzelnen Bereiche, von den Fluggesellschaften bis hin zu den Hotels und Restaurants werden erst bis Jahresende bekannt. Die Gastronomie wird zusätzlich noch von den steigenden Lebensmittelpreisen gebeutelt, welche das russische Embargo landwirtschaftlicher Produkte aus den EU-Staaten verursacht.

Eine leichte Linderung erwartet man sich von Reisenden aus asiatischen Staaten, die politisch weniger vom Konflikt in der Ukraine betroffen sind. Doch hat der Abschuss der malaysischen Verkehrsmaschine über dem Donbass auch dort für einen Schock gesorgt, und das Interesse für Reisen nach Russland ist dort generell kleiner.

Regierung prophezeite Zunahme einheimischer Touristen

Ganz entgegen dieser Entwicklung hatte man sich bei der russischen Regierung nach den olympischen Spielen in Sotschi im vergangenen Februar und nach der Okkupation der Krim im März eine rasante Steigerung der Zahlen einheimischer Touristen versprochen. Hinzu kam ein Verbot ins westliche Ausland zu reisen für gewisse Berufsgruppen im Staatsdienst, welches eigentlich das Inlandgeschäft hätten begünstigen sollen. Doch die Realität zeigte, dass sowohl auf der Krim, wie auch im Gebiet Krasnodar noch massive Investitionen in die Infrastruktur nötig sind, bevor an eine Steigerung der Touristenzahlen zu denken ist.

Begleitet wird das Szenario der einheimischen Gastronomie vom Niedergang der russischen Reiseunternehmen. Der Bankrott der grossen Petersburger Firma „Newa“ löste eine Kettenreaktion von Schliessungen dutzender Reisefirmen in ganz Russland aus. Am 15. September schloss „Versa“, das letzte grosse Petersburger Reiseunternehmen sein Auslandgeschäft, und wieder müssen tausende Kunden, die im Ausland festsitzen, heimgeflogen werden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com
www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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