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Russische Sicherheitskräfte wegen Entführung von vier Inguscheten in Petersburg verdächtigt

Von   /  24. März 2010  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Wie Zeugen bestätigen, sind am 28. Dezember vier Verwandte des ermordeten inguschetischen Oppositionellen Makscharip Auschew auf der Wassili-Insel aus ihrem Auto heraus gekidnappt worden. Das gaben ihre Angehörige gemeinsam mit ihren Anwälten an einer Pressekonferenz bekannt.

Der Wagen mit Jusup und Junus Dobrijewy, Ali Dschanijew und Magomed Adschijew soll nachts um halb eins Uhr durch einen schwarzen Jeep gestoppt worden sein, den zwei Kleinbusse begleiteten. Schwarz uniformierte Männer mit Masken hätten daraufhin die Personen aus dem Auto gezerrt, mit Handschellen gefesselt und in die Busse verfrachtet. Ein Opfer sei dabei zu Boden geworfen und sein Kopf mit Fusstritten tracktiert worden.

„Präzis geplante und professionell durchgeführte Aktion“

Das Ganze habe wie eine präzis geplanten und professionell durchgeführten Aktion staatlicher Sicherheitskräfte ausgesehen. Verdächtig sei die Ruhe gewesen, mit der die maskierten Männer vorgegangen seien, meinten die Verwandten der Verschwundenen vor den Medien. Sogar der Verkehr sei während der Attacke korrekt um die stehenden Wagen herum geleitet worden.

Zwar habe man sofort eine Anzeige bei der Polizei eingereicht, doch die Ermittlungen verliefen schleppend – auch deshalb habe man den Verdacht, dass Polizei oder Geheimdienst selbst in die Angelegenheit verwickelt seien. Aufnahmen des Geschehens, die von Überwachungskameras gemacht haben, sind offenbar gelöscht worden, weil die Ermittler zu spät reagiert haben. Aber andere Kameras weiter entfernt vom Tatort, deren Aufzeichnungen sicher gestellt wurden, zeigen die beteiligten Wagen und die Verkehrsstockung zu dem Zeitpunkt.

„Memorial“ hilft bei Aufklärung

Da sie sich von der Polizei im Stich gelassen fühlen, haben die Angehörigen selbst Ermittlungen angestellt und die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ eingeschaltet. Für die Aufklärung des Falls haben sie eine halbe Million Dollar ausgeschrieben, ausserdem wollen sie am Europäischen Gerichtshof Klage einreichen.

Die vier Vermissten sind verwandt mit dem inguschetischen Oppositionellen Makscharip Auschew, der bis zu seinem Tod die regierungskritische Webseite Ingushetia.org. betrieben hatte. Er wurde mehrfach bedroht und schliesslich am 25. Oktober in seinem Auto erschossen. Am 16. Dezember explodierte nahe der Stadt Magas das Auto, in dem die Witwe Auschews Fatima und drei weitere Verwandten sassen. Die schwangere Fatima Auschew überlebte als einzige und wurde kurz darauf nach Petersburg gebracht. Ihre Begleiter fuhren in der Nacht vom 27. Dezember in ein Studentenheim, wo sie übernachten sollten und sind seither verschwunden.

Bild: Makscharip Auschew

www.kavkaz-news.info

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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