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Runter kommen sie immer – dutzende russischer Piloten fliegen mit gefälschten Dokumenten

Von   /  18. Dezember 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Im Zuge der Überprüfungen nach der Flugkatastrophe bei Kasan stiessen die Ermittler auf gefälschte Diplome und Kursbestätigungen bei russischen Piloten. Noch laufen die Untersuchungen, doch die ersten Ergebnisse lassen Schlimmes erahnen.

Die Ermittlungen begannen ereits einen Monat vor der Katastrophe vom 17. November, bei der eine Boeing 737 während der Landung bei der Hauptstadt Tatarstan abstürzte und alle 52 Insassen getötet wurden. Damals stiessen Transportpolizei und Geheimdienst im staatlichen Flugtrainingszentrum St. Petersburg auf einen ersten Fall von Dokumentenfälschung.

Ein 64-jähriger Instruktor war dabei erwischt worden als er Geld für eine gefälschte Bestätigung eines Weiterbildungskurses erhielt. Der festgenommene Instruktor ist geständig und wurde bis zur Gerichtsverhandlung auf freien Fuss gesetzt. Man ging bis dahin von einem Einzelfall aus.

Weiterbildung bedeutet oft auch mehr Lohn

Wie überall muss sich auch das russische Flugpersonal stets auf dem neuesten technischen Stand halten, insbesondere um zu internationalen Flügen zugelassen zu werden. Dafür sind teilweise aufwändige Trainings nötig. Gewisse Zertifikate erhöhen auch den Status und haben eine Erhöhung des Einkommens zur Folge.

Nach dem Unglück von Kasan wurden die Kontrollen in allen Bereichen intensiviert – einerseits in Sachen Sicherheit und Technik, andererseits im Bereich Flugtauglichkeit der Piloten. Dabei stiess man bisher auf nicht weniger als 60 Fälle von Verdacht auf Urkundenfälschung – und das ist nur der Anfang. Sowohl die Behörden für Flugsicherheit wie auch die Ermittler weigern sich, mehr Details zu verraten bis die Untersuchungen abgeschlossen sind – bis Ende Jahr sollen die Verantwortlichen angeklagt werden.

Russische Zivilluftfahrt schon in den Neunzigern in Verruf

Damit kündigt sich ein weiterer schwerer Fall von Korruption in einer russischen Kontrollbehörde an – und ein Skandal in der russischen Aviatik. Die russische Zivilluftfahrt geriet bereits in den Neunzigerjahren wegen zahlreicher Unglücksfälle in Verruf.

Damals machte man allerdings vor allem die veraltete Technik und die Wartung verantwortlich, die wegen der schlechten Wirtschaftslage vielerorts vernachlässigt worden war. Heute fliegen die meisten russischen Airlines mit neuster Technik – doch dies alles nützt gar nichts, wenn am Steuer Piloten mit gekauftem Flugschein sitzen.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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