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Richtig verstehen und richtig spüren – „Deutsch-Russischer Salon“ mit Ewgeni Wodolaskin und Ganna-Maria Braungardt

Von   /  31. Mai 2019  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Das deutsche Generalkonsulat St. Petersburg organisierte ein Treffen zwischen dem bekannten russischen Schriftsteller und Wissenschaftler Ewgeni Wodolaskin und seiner ebenso renommierten Übersetzerin Ganna-Maria Braungardt. Die beiden plauderten über die Nuancen und Tücken auf dem literarischen Grenzstreifen zwischen Deutsch und Russisch.

Befragt von Marina Kogut, erzählten der Schreiber und Übersetzerin aus ihrem Alltag. Wodolaskin sprach zwar in seiner Muttersprache, doch war ihm seine Vertrautheit mit der deutschen Kultur und Sprache anzumerken. Das Land war ihm während mehrerer Studienaufenthalte in München zur zweiten Heimat geworden.

Er äusserte sich unter anderem zum Erfolgsroman „Der Luftgänger“ (russisch „Aviator“), das die Geschichte eines Russen erzählt, der in den Neunzigerjahren in einem Krankenhaus aus einem historischen Langschlaf erwacht und sich nur an die Zeit vor der Oktoberrevolution erinnern kann. Schon beim Titel begann die knifflige Arbeit für Ganna-Maria Braungardt, die Übersetzerin, weil sich „Aviator“ schlecht ins Deutsch übersetzen lässt. Doch schliesslich löste Wodolaskin das Problem durch eine eigene Titel-Kreation – „Der Luftgänger“.

Starker innerer Energiefluss unabdingbar

Die tief emotionalen Beschreibungen in dem Buch, aus dem eine Passage vorgelesen wurde, sorgen für eine intensive und langwierige Arbeitsweise, sowohl beim Autoren wie auch bei seiner Übersetzerin. Beide sprachen davon, dass ein gutes Resultat stark vom Fluss einer inneren, geistigen Energie abhänge und deshalb das geplante Tagespensum nicht immer einzuhalten sei.

Beide sparten nicht mit gegenseitigen Komplimenten – während Wodolaskin den Erfolg seines Buches im deutschsprachigen Raum in erster Linie Braungardts gelungener Übersetzung zuschrieb, meinte diese, dass ein so gut geschriebenes Buch auch leicht zu übersetzen sei.

Unübersetzbarer „Rukomoinik“ sorgt für Schmunzeln

Schliesslich steckt der Teufel immer im Detail – zum Beispiel, wenn ein deutsches Synonym für ein russisches Wort gefunden werden muss, dass auf Deutsch schlichtwegs nicht existiert. So sorgte der so genannte „Rukomoinik“, der „Handwäscher“, der auf jeder Datscha zu finden ist, in Westeuropa aber praktisch unbekannt ist für allgemeines Schmunzeln.

Bestimmt sind aber für eine gelungene Übersetzungen mehr als grosse Sprachkenntnisse nötig – ein grosses Einfühlungsvermögen sind für literarische Übersetzungen noch immer unersetzlich, auch wenn die automatischen Übersetzer im Internet immer schneller und raffinierter werden. Das bestätigte Braungardt, die neben Wodolaskin weitere prominente russische AutorInnen, wie Ludmila Ulizkaja, Daniil Granin oder Boris Akunin ins Deutsch übersetzt hat.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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