Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Religiöse Extremisten zerstören südkoreanische Standbilder in Petersburg

Von   /  16. April 2015  /  Keine Kommentare

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

eva.- In der Nacht vom auf den 15. April zerstörten Unbekannte einen Grossteil der südkoreanischen Tschangsi-Skulpturen am Rand des Sosnowka-Parks im Wyborger Bezirk im Norden Petersburgs. Wie Augenzeugen berichten, muss es sich um russisch-orthodoxe Fanatiker gehandelt haben. Die Stadtregierung liess bereits verlauten, dass die Skulpturen wegen ihres schlechten Zustands nicht mehr repariert werden können.

Von insgesamt 15 Holzfiguren sind lediglich drei übriggeblieben. Die Skulpturengruppe wurde der Stadt Petersburg 2003 von Südkorea zum 300-Jahre-Jubiläum geschenkt und symbolisierten Glück und Wohlstand. Ein Paar, das am 14. April um elf Uhr nachts per Velo entlang des Swetlanowski Prospekt fuhr wurde durch den Lärm von Motorsägen aufmerksam und beobachtete wie gerade eine der Skulpturen zu Boden fiel.

Zwei Männer hatten das Gelände um die Skulpturengruppe abgesperrt, und als sie die beiden Beobachter bemerkten, rieten sie ihnen, nichts zu fotografieren, weil es sich um eine „Sonderoperation“ handle. Als die beiden nach dem Grund für die Zerstörung fragten, erhielten sie die Antwort, man lebe in einem russisch-orthodoxen Staat und brauche keine solchen Skulpturen.

Aktivisten alarmieren Polizei

Doch sie hatten nicht damit gerechnet, dass sie es mit Aktivisten der Bewegung „Schönes Petersburg“ zu tun hatten, die sofort die Polizei und die Medien benachrichtigten, worauf die beiden Vandalen sich aus dem Staub machten. Die Polizei traf erst nach langer Zeit am Tatort ein und verbot den beiden Zeugen, den Platz zu betreten – mit der Begründung, dass es sich vielleicht wirklich um eine „Sonderaktion“ handle. Erst am nächsten Morgen wurde der Vandalenakt von einer Polizeipatroullie und vom „Taiga“-Wachdienst des Parks offiziell gemeldet.

Drei der Figuren blieben dank dem plötzlichen Aufbruch der Vandalen unbehelligt. Zwei der Totempfähle waren nur angesägt, waren aber bereits so stark beschädigt, dass sie abgenommen werden mussten. Die Gruppe war der Stadt Petersburg im August 2003 vom südkoreanischen Staat zum 300. Stadtgeburtstag geschenkt worden. Sie wurden nach einer über 2000-jährigen koreanischen Tradition angefertigt und sollten Unglück und Krankheit, böse Dämonen und Geister von der Stadt fernhalten. Die lustigen und bunten Holzgesichter an der Kreuzung Prospekt Toresa und Swetlanowski Prospekt waren bald beliebt im ganzen Quartier.

Stadtregierung: Holzskulpturen vertragen Petersburger Klima nicht

Die abgesägten Skulpturen wurden auf unbestimmte Zeit an unbekannter Stelle eingelagert. Auf eine Anfrage von Fontanka.ru bei der Stadtregierung, liess man verlauten, dass die Figuren kaum wiederhergestellt würden, weil sie wegen des feuchten Klimas der Stadt in einem sehr schlechten Zustand seien. Der südkoreanische Konsul für Kultur Tscho Gyn-Chi besuchte den Ort und bezeichnete die Aktion als absurd, weil die Skulpturen längst ihre religiöse Bedeutung verloren hätten und heute nur noch als Kulturobjekte gälten.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Neuer Sprengstoff-Anschlag auf Lenin-Denkmal in Puschkin – Rechtsradikale bekennen sich

Lenin kehrt zur Geisterstunde an seinen Platz zurück

[ad#ad-3]

 

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Kommentar verfassen

Das könnte Sie auch interessieren...

elena_basner

Bildfälschungsskandal: Kunstexpertin Elena Basner freigesprochen

mehr…