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Reaktorblock des Leningrader AKWs wegen Rissen im Graphit abgestellt

Von   /  3. August 2012  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Eine Meldung aus skandinavischen Medien wonach ein Reaktor des Leningrader Atomkraftwerks (LAES) in Sosnovy Bor wegen Rissen im Graphit abgestellt worden sei, schreckte die Petersburger Öffentlichkeit auf. Wie Recherchen von Fontanka.ru ergaben, wurde nicht ein Reaktor, sondern lediglich ein Block des AKW LAES-1 abgestellt, und zwar planmässig.

Der Block sei wegen Reparaturarbeiten stillgelegt worden, ob und wann er wieder ans Netz ginge sei noch unbekannt. Darüber würden Messungen und Untersuchungen im Laufe der Arbeiten entscheiden, liess der Pressedienst des Atomkraftwerks verlauten.

Risse früher als erwartet aufgetreten

Der Grund für die Abschaltung waren tatsächlich Risse im Graphit, der als „Neutronenbremse“ bei der Kernreaktion dient. Nicht planmässig war der Zeitpunkt, zu dem dieser Schaden festgestellt wurde. Gemäss Norm müssten solche Risse erst nach 40 bis 45 Betriebsjahren auftreten – dementsprechend hat das KKW eine Betriebslizenz bis 2021.

In diesem Fall sind jedoch erst 38 Jahre vergangen. Nach der Meinung von Umweltschützern war eine solche Entwicklung bereits früher vorauszusehen. Sie sind darum auch für eine vorzeitige Stilllegung.

LAES gehört zu den ältesten AKW Russlands

Bereits vor einem Jahr wurde die Leistung des Block um 20 Prozent gesenkt. Das LAES gehört zu den ältesten russischen Atomkraftwerken und ist vom Typ „Tschernobyl“. Der Graphit-Block als „Moderator“ war eine der Ursachen für die verheerende Explosion von 1986 im ukrainischen Kernkraftwerk.

Seither ist diese Art von Konstruktion verpönt. Momentan ist diese Bauweise nur noch in drei russischen AKWs in St. Petersburg, Smolensk und Kursk vorhanden, die jedoch 2011 rund 45 Prozent des Stroms von Energiekonzerns Rosenergoatom lieferten.

Massenstilllegung von AKW steht bevor

Der frühere stellvertretende Energieminister Russlands Bulat Nigmatullin liess im Februar dieses Jahres in einem Interview verlauten, dass Russland in den kommenden Jahren eine Massenstillegung von Atomkraftwerken erwarte. Allein die Region Nordwestrussland könnte auf diese Weise bis zu 1 Gigawatt an Leistung einbüssen.

Dieser Ausfall soll unter anderem durch den Neubau des ersten Blocks von LAES-2 kompensiert werden. Bis 2030 müssen in Russland 16 Reaktorblocks mit einer Gesamtleistung von 13,4 Gigawatt eingemottet werden. (eva)

Bild: Wikimedia Commons/Ria-Novosti

www.rian.ru
www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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