Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Razzien in Petersburger Strip-Klubs und Bordellen

Von   /  29. Oktober 2014  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

TOPTICKER.- In der Nacht auf den 25. Oktober führte die Sonderpolizei (SOBR) gleichzeitig in 13 Nachtklubs eine Razzia durch und nahm dabei hunderte von Tänzerinnen und Angestellten fest. Die Aktion beendete die kriminelle Tätigkeit einer ganzer Reihe von Nachtklubs im Petersburger Stadtzentrum, die systematisch ihre Kundschaft ausraubte. Wie Fontanka.ru berichtet, wird bisher von einer Gesamtsumme von 180 Millionen Rubel gesprochen. Auch gegen die Bordellszene ging die Polizei in den letzten Monaten vor.

Das Prinzip war bei allen Strip-Klubs die gleiche – sobald der Klient in der nötigen Verfassung war, wurde ihm ein Cocktail mit Betäubungsmittel gebracht, danach noch einer und dann die Rechnung. Beim Einkassieren fiel den meisten Männern das Eintippen des PINs schon so schwer, dass der Code problemlos abgekuckt werden konnte. Verfielen sie dann in ihren Dämmerschlaf, klaute man ihnen die Kreditkarte und hob maximale Summen ab.

Man ging sogar soweit, dass man den Opfern die SMS, welche die Transaktion bestätigten, auf dem Mobiltelefon löschte. „Abgezapft“ wurden Beträge zwischen 200.000 bis zu einer Million Rubel. Das Bewusstsein erlangten sie in der Regel erst im Freien wieder – mit Kater und einer teuren Gedächtnislücke. Der spektakulärste Fall ereignete sich am 8. Juli dieses Jahres als ein Beamter der Stadtregierung im Klub „Marinessa Pikaro“ an der Bolschoi Morskoi 11 buchstäblich bis auf die Unterhosen ausgezogen wurde.

Syndikat mit eigenem Schlägertrupp

Ein Teil der Geschädigten versuchte, sich zu wehren und kehrte mit „Verstärkung“ in die Klubs zurück, um für Ordnung zu sorgen. Aber auch für diese Fälle war das Syndikat gewappnet und schickte sogleich den hauseigenen Schlägertrupp zu Hilfe. Wollten sie sich bei der Polizei beschweren, so wurden sie nicht ernst genommen, und die meisten zogen ihre Klagen zurück, weil es ihnen peinlich war.

Die Abzockerbande wurde 2011 von einem Petersburger gegründet. Zuerst wurde die Betäubungs-Methode nur bei ausländischen Gästen angewandt, die den russischen Dieben gegenüber völlig hilflos waren und das Ganze als „russisches Abenteuer“ betrachteten. Später gingen die Girls direkt auf die Strasse, um auch russische „Kunden“ in den Klub zu locken und auszunehmen.

Mindestens fünf Millionen pro Monat

Die Banditen organisierten ihre Raubzüge bis ins Letzte – sogar ein Finanzplan wurde erstellt, der vorschrieb, dass jeder Klub monatlich nicht weniger als fünf Millionen Rubel einbringen musste. Wer unter den Mitarbeitern nicht spurte, um das Maximum aus den Opfern herauszuholen, wurde bestraft, wie Aufzeichnungen belegen.

Mit der Zeit wurde eine ganze Kette von Clubs mit vier Miteigentümern und zwei Buchhaltern aufgebaut. Die Polizei nahm schliesslich neun Organisatoren fest, die bereits durch die Aussagen zahlreicher Angestellter schwer belastet worden sind. Zahlreiche junge Frauen, die als Striptease-Tänzerinnen gearbeitet hatten, wurden auf der Polizeiwache von ihren erstaunten oder wütenden Eltern abgeholt.

Zwangsheirat als Mittel gegen die Prostitution?

In letzter Zeit ging die Polizei auch verstärkt gegen Bordelle in der ganzen Stadt vor – allein in den letzten zwei Monaten wurden dreissig Lokale geschlossen. Wie die Behörden eingestehen, ist der Kampf gegen die Prostitution, die in Russland verboten ist, aussichtslos. Erstens halten die niedrigen Strafen von ein paar Tausend Rubel niemanden vom Sexgewerbe ab. Zweitens sind es oft Polizisten, die den illegalen Liebeshöhlen Schutz vor der Justiz bieten.

Im Petersburger Stadtparlament wurde das Problem bisher kaum konstruktiv behandelt. Während der Populist Vitali Milonow von der Kreml-Partei „Einiges Russland“, der für seine prüde Haltung bekannt ist, hohe Geld- und Gefängisstrafen oder jahrelange Sozialarbeit als Strafe beantragte, schlug Olga Galkina von der Bürgerplattform vor, die Gesetzesbrecher zu einer Busse von 100.000 Rubel oder zur Zwangsheirat zu verdonnern. Beide Lösungen werden von der Prositiuierten-Organisation „Silberrose“ abgelehnt, weil sie die Prostitution nicht entkriminalisieren.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

Weitere Neuigkeiten finden Sie auf unserem Nachrichtenticker >>>

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Typisch Russland: Die klebrige Sünde in der Offensive

Vier Nigerianer wegen Zwangsprostitution und Misshandlung verurteilt

Petersburger Prostituierte wollen Gewerkschaft gründen

[the_ad_placement id=\“single\“]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Entführung eines Homosexuellen nach Tschetschenien verhindert

mehr…