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Raiffeisenbank auf dem Rückzug aus dem Russland-Geschäft

Von   /  31. März 2015  /  1 Kommentar

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spn.- Die Raiffeisenbank verlässt den Markt für Autokredite in Russland und schließt bis zum 30. Oktober ihre Geschäftsstellen in 15 russischen Städten, sagte der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank International (RBI), Karl Sevelda, am Mittwoch in Wien. Ausserdem plant die Bank den Ausstieg aus dem russischem Rentenmarkt.

Laut Sevelda soll die Bank ihr Netz in Russland weiter optimieren und ihre Geschäftstätigkeit auf 44 Städte konzentrieren und auf weniger gewinnbringende Filialen verzichten. Geplant ist, insgesamt 34 Filialen zu schließen. Die Raiffeisenbank hatte Ende Februar 2014 die Schließung ihrer Filialen in der russischen Fernost-Region angekündigt, wo im vergangenen Jahr weniger als ein Prozent der Einnahmen erwirtschaftet wurde.

Die RBI gewährt keine Kredite für Autokäufe bzw. betreibt keine Refinanzierung mehr. Laut dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bank, Andrej Stepanenko, hat dieses Marktsegment „die schlechteste Dynamik“ aufgewiesen. Laut einem aktuellen Bericht der RBI hat die Gruppe im vorigen Jahr insgesamt 493 Millionen Euro Verluste gegenüber 557 Millionen Euro Reingewinn im Jahr 2013 verzeichnet. 2015 rechnet die Bank mit hohen Ausgaben (etwa 550 Millionen Euro) für die Verringerung der Aktiva und die Umstrukturierung der Geschäftstätigkeit in Mittel- und Osteuropa.

Gewinnrückgänge wegen Rubelabwertung

Aus der Sicht der RBI steht Russland an einer besonderen Stelle unter den Problemstaaten. Wie der Finanzdirektor der RBI, Martin Grüll, sagte, rechnet die Gruppe in diesem Jahr mit einem merklichen Rückgang der Einnahmen aus der Geschäftstätigkeit in Russland. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Sevelda wird der Anteil der Geschäfte in Russland im Ergebnis einer Optimierung von 11-12 Prozent auf 10 Prozent reduziert.

Die RBI hatte schon Anfang 2015 eine Geschäftsoptimierung angekündigt. Nach Angaben Seveldas sind die Gewinne der in Russland ansässigen Geschäftsstellen wegen der Rubelentwertung um 100 Millionen Euro zurückgegangen. Laut Sevelda will die Bank das Schwergewicht ihrer Tätigkeit nun nach Rumänien, Tschechien, in die Slowakei und nach Österreich verlagern.

Ausstieg aus dem Rentenmarkt

Als letzter ausländischer Investor auf dem russischen Rentenmarkt, will die Raiffeisenbank offenbar auch den nichtstaatlichen Raiffeisen-Rentenfonds verkaufen. Das erfuhr die Zeitung „Wedomosti“ von Top-Managern der drei Finanzgruppen RBI, Otkrytie und BIN sowie von zwei Rentenversicherungsberatern. Offiziell wollte die RBI keine Stellung dazu nehmen.

„Die Verhandlungen [über den Verkauf des Fonds] laufen“, sagte eine Quelle aus dem Umfeld der RBI. Ihr zufolge liebäugeln das Finanzhaus Otkrytie und die BIN Group mit dem Kauf des Raiffeisen-Rentenfonds. Die beiden Banken erwarben in den vergangenen Jahren im großen Stil nichtstaatliche Rentenfonds. Otkrytie kontrolliert zwei große nichtstaatliche Rentenfonds mit Einlagen in Höhe von 220 Milliarden Rubel (3,5 Milliarden Euro), BIN von 30 Mrd. Rubel (470 Millionen Euro).

Raiffeisen ist unter den Top 15
„Wir haben unser Angebot gemacht, aber eine Antwort haben wir noch nicht bekommen“, so ein Top-Manager einer der Banken. „In Bezug auf die Qualität der Aktiva gibt es keine Fragen – der Fonds ist marktwirtschaftlich, der Kundenstamm ist etabliert, wir sind jedoch bei der Frage des Preises ins Stocken geraten“, teilte ein anderer Manager mit. Offiziell haben Otkrytie und BIN bislang keine Stellung zum Übernahmeangebot genommen, doch ein Vertreter der BIN Group schloss “den Erwerb weiterer nichtstaatlicher Rentenfonds nicht aus“. Der nichtstaatliche Rentenfonds Raiffeisen ist unter den Top 15 der russischen Rentenfonds.

Ein Vertreter des Raiffeisen-Rentenfonds konnte die Frage, wie viel Geld in den Fonds in diesem Jahr angelegt wird, nicht beantworten. Nach Angaben eines Rentenberaters soll es sich um 12 Milliarden Rubel netto (190 Millionen Euro) handeln. Der nichtstaatliche Raiffeisen-Rentenfonds ist der einzige Fonds mit ausländischer Beteiligung auf dem Rentenmarkt und seit 2004 auf dem russischen Rentenmarkt tätig.

Unsichere Zukunft und ständig ändernde Vorschriften

Raiffeisen kehrt dem russischen Rentenmarkt wegen der ungewissen Zukunft der Rentenersparnisse und den sich ständig ändernden Vorschriften den Rücken. „Die Ausländer sind es nicht gewohnt, so zu arbeiten. Die Regierung hat schon zweimal die Ersparnisbeiträge der Kunden der nichtstaatlichen Rentenfonds eingefroren, in diesem Jahr kam es in der Regierung erneut zu Diskussionen, die private Altersvorsorge ganz abzuschaffen. Damit wird die Möglichkeit genommen, das Geschäft vorauszuplanen“, sagen sie.

„Es ist unklar, ob die Anlagen der 2014 neu angeworbenen Kunden in die Rentenfonds überwiesen werden können. Hoffentlich bekommen wir sie im ersten Quartal 2015“, sagte das Mitglied des Aufsichtsrats des Raiffeisen-Rentenfonds und Vorsitzender des Komitees für Versicherung und Rentenversorgung der Association of European Businesses, Alexander Lorenz.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.sputniknews.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Die Raiffeisenbank ist mit Abstand die europäischste aller Banken. Ob sie plant sich ganz aus Russland zurückzuziehen, bzw. die Kleinkundenkonten aufzulösen?

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