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Proteste gegen «Zar Putin» in hundert russischen Städten

Von   /  6. Mai 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Dem Aufruf des Oppositionellen Alexei Nawalny zur Demonstration gegen Präsident Putin folgten Menschen in rund hundert russischen Städten. An einigen Orten wurden Kundgebungen genehmigt, anderswo verboten – so auch in Petersburg, wo rund 233 Personen festgenommen wurden (Fotogalerie).

In St. Petersburg wurde den Anhängern Nawalnys die Proteste unter der Losung «On vam ne zar!» (Er ist Euch kein Zar!) im Stadtzentrum verboten. Da die Organisatoren der Opposition trotz allem den Schlossplatz zum Demo-Standort erklärten, wurde dieser am 5. Mai hermetisch abgeriegelt – offiziell unter dem Vorwand, dort fände die Hauptprobe zur Siegesparade für den 9. Mai statt.

Doch zum einen war diese Entscheidung völlig kurzfristig zustande gekommen, zum anderen waren an diesem Tag sämtliche Zugänge zum Schlossplatz hermitisch mit Strassenreinigungs- und Baumaschinen abgeriegelt. Normalerweise kann die Hauptprobe hinter den Absperrungen mitverfolgt werden, doch diesmal ging es offensichtlich darum, die Kundgebung zu verhindern und sämtliche «Löcher» zu stopfen.

Marsfeld ebenfalls gesperrt

Auch das Marsfeld, das vor einem Jahr seinen Status als «Hyde Park» verloren hatte, auf dem frei demonstriert werden konnte, wurde überstürzt «wegen Unterhaltsarbeiten» gesperrt. Doch die DemonstrantInnen liessen sich dadurch nicht verdriessen und wichen einfach auf den Alexandrowsky-Park unweit der Eremitage aus. Schon hier kam es zu mehreren Festnahmen.

Aber schon bald begann die Protestmenge mit ihrem Marsch entlang des Newski-Prospekts. Trotz der Instruktionen der Polizei, die Fahrbahn freizuhalten, lief ein Teil auf der Strasse, wobei der grösste Teil brav über das Trottoir spazierte. Die meist jungen und gut gelaunten Menschen skandierten die Losung des Meetings «Er ist uns kein Zar!» oder «Russland ohne Putin» oder «Putin ist ein Dieb!».

Freiheit für das Internet und den „Telegram“ – Messenger

Auf den Plakaten waren teilweise dieselben Losungen zu lesen, hinzu kamen viele Transparente mit einem weissen Papierflieger – ein Hinweis auf den Messenger «Telegram» – auf denen Freiheit für das Internet gefordert wurde. Wieder andere trugen ein gelbes Entchen mit sich – das Symbol für den Korruptionsskandal um Ministerpräsident Medwedew.

Auf der Höhe des Gribojedow-Kanals konnten die ProtestantInnen legal auf der Fahrbahn gehen, da diese wegen der Erneuerung des Asphalts vor dem Siegestag und der Fussball-WM für den Verkehr gesperrt war. Begleitet und umrundet vom Sirenengeheul der Polizeiautos marschierte die Menge bis zur Uliza Marata, wo Omon-Bereitschaftspolizei den Zugang zur Strasse abriegelte und bald begann, im grossen Umfang Leute festzunehmen.

In ganz Russland 1612 Festnahmen

Insgesamt wurden in Petersburg rund 200 Personen festgesetzt – ein Zehntel der Gesamtmenge laut Polizei, wobei laut Beobachtern die reale Teilnehmerzahl um ein Vielfaches höher lag. Die Omon-Bereitschaftspolizei schlug bei den Festnahmen brutal mit dem Gummiknüppel zu, wie zahlreiche Videos belegen. Ausserdem meldete Ovd-Info von Misshandlungen der Festgenommenen auf den Polizeiwachen. Laut Polizei soll in Petersburg ein 25-Jähriger bei der Festnahmen einem Polizisten einen Zahn ausgeschlagen haben. Wie Fontanka.ru schreibt, ist diese Anschuldigung bisher nicht belegt und erinnert an fiktive Beschuldigungen seitens der Polizei in Moskau.

In Moskau wurden mehr als drei Mal mehr Leute festgenommen, und die Polizei ging generell noch harscher vor, schreibt Newsrucom. In ganz Russland wurden laut Ovd-Info 1612 Festnahmen gemeldet. Auch der Organisator der Demonstrationen Alexei Nawalny wurde abgeführt als er an der Moskauer Kundgebung teilnehmen wollte. Er wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen – ihn erwartet ein Gerichtsverfahren am 11. Mai. Wie Nawalny sagte, sei seine Verurteilung extra auf einen Termin nach der Amtseinsetzung von Präsident Putin vom 7. Mai verschoben worden, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Kosaken schlagen mit Peitschen auf Demonstranten ein

In Moskau sorgte eine Kosakenabteilung, die mit ihren Peitschen auf Demonstrationsteilnehmer einschlug, für Empörung. Der Menschenrechtsbeauftragte Michail Fedotow versprach mittlerweile, die Übergriffe zu untersuchen, während die Kosaken offiziell verlauten liessen, sie hätten damit ihre patriotische Position gegenüber den Regierungskritikern zum Ausdruck gebracht. Die Internetzeitung „The Bell“ veröffentlichte Informationen darüber, dass der Kosakenverband von der Moskauer Stadtregierung 16 Millionen Rubel (rund 200.000 Euro) für „Bewachungsaufgaben“ erhalten haben soll.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.newsru.com

www.ovdinfo.org

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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