Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Projekt mit „Migranten-Hilfspolizisten“ sorgt für Aufsehen in Petersburg

Von   /  5. Februar 2014  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

TOPTICKER.- Die Idee des Petersburger Gouverneurs Georgi Poltawtschenko, ansässige Ausländer als Hilfspolizisten in der Stadt patrouilleren zu lassen, sorgte für heftige Diskussionen. Obschon die Polizei bereits positive Erfahrungen mit Helfern verschiedener Volksgruppen gemacht hat, halten viele die Idee für daneben.

Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer – bald würden die Strassen von St. Petersburg von „Kaukasier-Patrouillen“ kontrolliert, war in den Schlagzeilen vieler Medien zu lesen. Tatsächlich bereitet die Petersburger Stadtregierung seit vergangenem Dezember ein Projekt vor, dass die Unterstützung der Polizei durch Gruppen nichtrussischer Volksgruppen vorsieht, schreibt Newsru.com. Dabei ist offenbar auch geplant, Angehörige kaukasischer Nationalität beizuziehen, die in Petersburg ansässig sind.

Wie bekannt wurde, hat die Polizei bereits mit Erfolg solche „ethnischen“ Patrouillen bei Aktionen an „heissen“ Punkten in der Stadt eingesetzt. Wie der bevollmächtigte Vertreter Inguschetiens in Petersburg Junus Chautiew, der bei solchen Einsätzen dabei, bestätigte, verhielten sich festgenommene Verdächtige viel ruhiger und folgsamer, wenn Angehörige derselben Volksgruppe dabei seien. Auch bei der Durchsuchung und Räumung des ehemaligen Markt-Viertels „Apraksin Dwor“ haben solche Hilfsgruppen mitgeholfen.

Erinnerungen an Ghetto-Polizei werden wach

Doch bei weitem nicht alle teilen diesen Optimismus – im Gegenteil ist dieses Projekt vielen unheimlich. So meint der Dekan für Politologie an der Staatlichen Petersburger Uni Stanislaw Jeremejew, diese Massnahme führe zu einer der Gesellschaft in verschiedene Volksgruppen und verschärfe die ethnischen Spannungen.

Dmitri Dubrowski, Mitarbeiter des Ethnografischen Museums, erinnerte an den Einsatz der aus Juden bestehenden Ghetto-Polizei während des Holocausts und nannte das aktuelle Projekt einen Fehler. Ausserdem gab er zu bedenken, dass die russische Polizei gemessen an der Bevölkerung jene in den USA um das fünf- bis sechsfache übertreffe und mit massiven Steuergeldern finanziert würde. Wozu brauche sie jetzt noch Unterstützung von Hilftruppen?

Ähnlich denken auch viele Leser und Blogger im Internet: „Wenn solche Hilfsmilizen gebraucht werden – womit beschäftigen sich dann die vielen Polizisten, die es so schon gibt?“, fragt man sich. „Werden wir nun vom Nordkaukasus kontrolliert?“ oder „Liefert uns der Gouverneur den Kaukasiern aus?“, fragen andere.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

Weitere Neuigkeiten finden Sie auf unserem Nachrichtenticker >>>

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Razzia im Apraksin Dvor – hunderte Personen festgenommen

Stadtteile von St. Petersburg drohen zu Ghettos zu werden

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Petersburger Gouverneur Poltawtschenko ausgewechselt

mehr…