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Pro und Contra „Maiskolben“ – Gegner und Befürworter des Gasprom-Turms trafen sich in einer Anhörung

Von   /  3. September 2009  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Obschon das ambitiöse und umstrittene Bauprojekt „Ochta-Zentr“, im Volksmund „Maiskolben“ genannt, wegen der Wirtschaftskrise in den Hintergrund gerückt ist, geht die Diskussion um seine Realisierung weiter. Während einer Anhörung im Krasnogwardeiski-Stadtteil – dort, wo das Hochhaus gebaut werden soll, kam es zum Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegner.


Trotz der strengen Eingangskontrollen, bei denen zahlreiche Waffen wie Schlagringe, Messer und Feuerwerkskörper sicher gestellt wurden, strömte das Volk in Massen zu der Veranstaltung – der Saal des Hotels „Karelia“ bei weitem nicht genügend Platz. Statt der zugelassenen 350 Personen drängten sich mindestens 500 in den Raum, viele mussten das Geschehen draussen auf dem Bildschirm mitverfolgen, schreibt Fontanka.ru

Das Gedränge nahm Piotr Lutschin, Vertreter der Trägergesellschaft OOO Ochta-Zentr zum Anlass, für den Turmbau zu werben. „Leider gibt es in diesem Stadtteil keinen grösseren Versammlungsraum – wenn wir das Business-Zentrum bauen, können solche Versammlungen mit mehr Komfort durchgeführt werden.“ Aus den Reihen der Opposition, die durch prominente Vertreter wie Maxim Reznik vertreten war, kamen Pfiffe – das Duell war eröffnet.

Störungsaktion der Nationalbolschewisten

Noch während der 40minütigen Einleitung Lutschins versuchten Mitglieder der verbotenen Nationalbolschewisten mit einem lautstarken Auftritt und Transparenten zu stören – sie wurden sogleich von der Polizei entfernt, und es wurde ruhiger. Darauf versuchte der leitende Architekt des Projekts Philipp Nikandrow zu erklären, warum das Gebäude bis zu 400 Meter hoch sein müsse.

Würde man versuchen, die geplanten Räume in einem niedrigeren Gebäude auf derselben Baufläche unterzubringen, so würde „ein rechteckiges Monster“ entstehen, welches das Panorma der Stadt noch viel mehr störe als der Büroturm, argumentierte er. Um vor terroristischen Angriffen geschützt zu sein, müsse das Gazprom-Hauptquartier zudem mindestens 100 Meter von der Strasse entfernt stehen. Als das Gespräch auf das Thema eines alternativen Bauplatzes schwenke, erklärte er kategorisch, einen anderen geeigneten Standort geben es nicht.

Die Argumente der Gegner waren bereits bekannt

Die Projektgegner gaben sich wenig überzeugt von diesen Begründungen und stellten ihnen die bereits bekannten Gegenargumente entgegen: Die Bauhöhe des Gebäudes, welche das Unesco-geschützte flache Stadtbild zerstöre und die hohen Kosten, welche angesichts der Krise nicht aufzubringen seien. Dazu, so argumentierte ein Redner, würde durch das „Ochta-Zentr“ ein Präzendenzfall geschaffen, der anderen Unternehmen Tür und Tor für den Bau von Wolkenkratzern im Petersburger Zentrum öffnete.

Dem stellten die Befürworter entgegen, der Gasprom-Turm werde streng nach allen juristischen Vorgaben projektiert – doch genau an diesen stört sich die Opposition. Nicht nur lässt das neue Höhenreglement viele Fragen offen, auch das Vorgehen der Baugesellschaft des Hochhauses, inklusive Anhörung halten die Gegner für ungesetzlich und haben dagegen bereits vor dem Bezirksgericht geklagt. Für Oktober könnte bereits der nächste Protestmarsch gegen den „Maiskolben“ vorgesehen – je nachdem wie das Gericht entscheidet.

Bild: Kennt keinen alternativen Bauplatz für den Gasprom-Wolkenkratzer – der leitende Architekt Philipp Nikandrow.

(Archiv Eugen von Arb/SPB-Herold)

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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