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Präsidentschaftswahlen: Das Pro-Putin-Lager machte in Petersburg mobil

Von   /  19. Februar 2012  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Am Samstagnachmittag versammelten sich zwischen 10.000 und 15.000 Putin-Anhänger vor dem „Oktjabrski“ im Petersburger Stadtzentrum. An der stündigen Veranstaltungen traten Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Kultur auf (siehe Fotogalerie unten).


Wer kann mehr Leute mobilisieren – Putin oder die Opposition? Diese Frage interessierte nach dem Aufmarsch der Opposition bei Eiseskälte vor zwei Wochen besonders. Zwar war schon im Vorfeld der Putin-Demo bekannt geworden, dass in vielen staatlichen Einrichtungen Angestellte zur Teilnahme genötigt wurden. Universitäten wie das Gorny-Institut und das Politechnikum, Gewerkschaften und die Verwaltung der Stadtbezirke schickten ihre Leute. Aber das hiess noch lange nicht, dass auch alle dem Aufruf folgen würden – abgesehen davon gab es selbstverständlich auch aufrichtige Putin-Fans, die für ihren Kandidaten auftreten würden.

Von der Polizei wurde die Zahl von 60.000 Personen genannt, und das war sicher haushoch übertrieben. Die Menge füllte gerade mal den Platz vor dem Konzertsaal und war an vielen Orten sehr locker. Von diversen neutralen Quellen wurde die Zahl um das vier- bis sechsfache reduziert.

Gutes Wetter, gute Laune

Das Wetter war gut, die Temperaturen mit – 9 Grad geradezu „sommerlich“ und das Volk gut gelaunt. Freilich liess sich schlecht verbergen, dass das Ganze einen „bestellten“ Charakter hatte. Das war in erster Linie an den Transparenten zu erkennen, die sehr einheitlich und „fabrikmässig“ produziert erschienen. Hinzu kamen ihre Trägerinnen und Träger, die meist gleichgültig damit herumstanden. „Wir sind für Stabilität!“, „Die Jugend wählt eine sichere Zukunft!“, „Putin, wir gehören zusammen!“ oder einfach „Wir sind für Putin!“ war auf den Plakaten zu lesen, die von einer Vielzahl russischer Trikoloren-Fahnen umkränzt wurden. Ein wenig exotisch wirkte das Plakat „Aserbaidschaner sind für Putin!“, das von einigen südländischen Männern getragen wurde.

Dazwischen standen durchaus enthusiastische Teilnehmer mit Putin-Stickern an der Brust, die den Rednerinnen und Redner laut zujubelten. Unter den insgesamt acht Votanten traten bekannte Persönlichkeiten, wie Boris Eifman, Leiter der gleichnamigen Tanzakademie in Petersburg, Nikolai Burow, Direktor des Museums in der Isaak-Kathedrale sowie Konteradmiral Vsevolod Chmirow auf.

Der Grundtenor: Putin bedeutet Stabilität

Der Grundtenor der Auftritte war klar zu erkennen – Opposition bedeutet Chaos, Putin Stabilität. Immer wieder wurden die schlimmen Zustände der Neunzigerjahre angesprochen, mit denen Putin aufgeräumt habe. Man habe genug von den demokratischen Experimenten, dem Zerfall und dem Raubbau der Jelzin-Jahre – einzig Putin garantiere eine sichere Zukunft. Nach genau einer Stunde war Schluss, und das Publikum verschwand in Windeseile – ins freie Wochenende. Die Pflicht war erfüllt, und die Losungen wurden in den nächsten Abfallkübel gestopft.

Als der Platz bereits praktisch leer war, spazierte ein einzelner Oppositionsvertreter mit seinem Schild herbei – „Putin ist das schlimmste Übel für Russland!“ stand darauf. Das hatte noch gefehlt! Er war augenblicklich von Journalisten un Polizisten umringt, die ihm erklärten, dass er hier völlig fehl am Platz sei und ihn gleichzeitig vor einem Putin-Sympathisanten schützten, der das Schild herunterzureissen versuchte. Er wurde vorübergehend festgenommen, verliess jedoch kurz darauf mit abmontiertem Schild den Ort.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    In einem Land in welchem der Staat +-75% aller Löhne direkt und indirekt generiert ist es natürlich kein Wunder wenn der Boss die Teilnahme „empfiehlt“ und dann auch kontrolliert, dass auch ein paar weniger Überzeugte dabei sind, die sich eben Stabilität im persönlichen Lebensplan wünschen. er nicht erscheint hat dann ernsthafte Probleme am Arbeitsplatz.
    Passend dazu eine Meldung von einer Gruppe von Berufs Demonstranten in Moskau, welche nach erfolgreicher Teilnahme an einer Pro Putin Demo vergeblich auf den versprochenen Lohn gehofft haben. Von den versprochenen 80.000 Rubel / 2000E fuer 25 Claqeure wurden dann nur ein Bruchteil ausgezahlt. So ein Pech aber auch.

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