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Politaktivist Ildar Dadin berichtet von Folter und Prügel in karelischer Strafkolonie

Von   /  2. November 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Ein Brief des oppositionellen Aktivisten Ildar Dadin, der wegen mehrfacher Teilnahme an ungenehmigten Demonstrationen in einer Strafkolonie inhaftiert ist, sorgte für Aufsehen. Darin berichtet Dadin seiner Frau davon, dass in der Strafkolonie IK-7 in der Region Segesch in Karelien systematische geprügelt und gefoltert wird. Die Aufsichtsbehörden bezeichnen Dadins Anschuldigungen als politisches Manöver.

In seinem Brief, der von der Nachrichtenseite Meduza veröffentlicht wurde, beschreibt Dadin die Gefängnisleitung und das Personal als eine einzige Mafia, der sogar die Ärzte angehörten. Er sei ohne Begründung in den Strafisolator der Anstalt gesteckt worden, wo man ihm alles, von der Zahnbürste bis zum Toilettenpapier weggenommen habe.

Als er daraufhin am 11. September in den Hungerstreik getreten sei, habe ihn der Kommandant der Strafanstalt zusammen mit drei anderen Männern verprügelt. Allein an diesem Tag sei er vier Mal von 10-12 Männern geprügelt und mit den Füssen getreten worden. Nach dem dritten Mal habe man seinen Kopf in die Toilette gesteckt.

Todesdrohung des Kommandanten

Am folgenden Tag sei mit Handschellen gefesselt und daran aufgehängt worden. Nach einer halben Stunde habe man ihn ausgezogen und ihm gedroht, er würde von einem anderen Häftling vergewaltigt, wenn er den Hungerstreik nicht abbreche. Ausserdem habe ihm der Gefängnis-Kommandant gedroht, ihn umzubringen, falls er sich beschwere. Es könnte darum sein, dass er umgebracht werde und man dies als „Selbstmord“ deklarieren würde. Prügel und Erniedrigung gehörten zum Alltag der Strafanstalt. Dies berichtet Dadin im Brief, den er von seinem Anwalt schreiben und übermitteln liess.

Nach einem grossen Medienecho schaltete sich die Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa ein und versprach, sich persönlich um die Angelegenheit zu kümmern. Bei der Leitung der Strafkolonie bestätigte man bisher die Anwendung von Gewalt gegenüber Dadin, weil dieser sich den Befehlen der Angestellten widersetzt und diese beschimpft habe.

Ärztekomission in die Kolonie geschickt

Die Aufsichtsbehörde Kareliens hat ein Untersuchungsverfahren eröffnet und Ärztekomission für eine Untersuchung Dadins in die Kolonie geschickt. Wie die der Vorsitzende der Beobachterkomission Alexander Rusanow gegenüber der Internetzeitung Fontanka.ru verlauten liess, hält er den Brief Dadins für ein politisches Manöver.

Ildar Dadin hatte während der Präsidentschaftswahlen von 2012 als Wahlbeobachter teilgenommen und geriet mit der Wahlbehörde in Konflikt. Nach mehreren Protestaktionen  wurde er unter Hausarrest gestellt. Im Dezember 2015 verurteilte ihn eine Moskauer Gericht  als erster gemäss dem neu eingeführten Paragraphen 212.1 wegen der mehrfachen Teilnahme an unerlaubten Demonstrationen zu einer Haftstrafe von drei Jahren, die später um ein halbes Jahr gekürzt wurde. Nach einer vergeblichen Anfechtung des Urteils wurde Dadin im September dieses Jahres in die karelische Strafkolonie Nr. 7 überstellt.

Bild: Eine Frau demonstriert am Newski Prospekt für die Freilassung Ildar Dadins. (Eugen von Arb/SPB-Herold)

www.newsru.com

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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