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Plötzlich ist mir der Sport nicht mehr egal. Zum Ausschluss Russlands von der Paraolympiade

Von   /  24. August 2016  /  5 Kommentare

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Eugen von Arb

Um ehrlich zu sein, Sport ist mir so was von egal. Und ich gebe zu, dass ich es von Herzen geniesse, diesen Gedanken, einmal so direkt und öffentlich äussern zu können. Man möge es mir nachsehen! Es hängt grösstenteils damit zusammen, dass ich Sport in meiner Kindheit als eine besonders raffinierte Art von Folter erfahren habe.

Dazu kommt, dass ich als langsamer Mensch den Kontrast zu den Superschnellen der Welt, die sich dazu noch ständig beschleunigen als besonders schmerzhaft empfinde. Ich nehme den Sport als kommerzialisierte Massenpsychose, kombiniert mit einer krankhaften Geltungssucht wahr – und Doping als deren logischer Auswuchs. Das habe ich auch in Diskussionen um den Ausschluss russischer SportlerInnen von den olympischen Spielen in Rio zum Ausdruck gebracht, die mich aber meist langweilten.

Sport ist nicht – wie uns das stets eingeredet wird – frei von Nationalismus und Politik. Im Gegenteil scheinen diese Faktoren immer wichtiger zu werden. So wie die Winterolympiade in Sotschi Russland zu Ruhm und Stolz verhalfen, sind die Sommerspiele in Rio mit Gefühlen der Demütigung verbunden. Aber eigentlich ist das alles nicht mehr als ein Streit im weltpolitischen Kindergarten, wo man sich gegenseitig die Sandburgen kaputt haut. Schwamm drüber.

Ein ganz anderer Fall ist für mich die Paraolympiade, deren Sportlerinnen und Sportler mir allein deshalb näher stehen, weil ich mir selbst oft als „handicapiert“ vorkomme. Aber vor allem spürt man in diesem Bereich viel mehr echten Sportgeist und Solidarität und viel weniger Eitelkeit. Solche Ideale lassen sich Gott sei Dank schlecht verkaufen, dementsprechend klein ist das Interesse Sponsoren und Medien.

Wenn sich behinderte Menschen mit Sport beschäftigen, so tun sie es in erster Linie nicht, um damit Weltruhm zu erlangen. Sie wollen es sich selbst beweisen und geben vielen anderen Menschen den Willen als Aussenseiter das Beste aus ihrem Leben zu machen. Geld und Macht spielen hier keine Rolle.

Um so katastrophaler ist darum der Entscheid, die russische Delegation von der Paraolympiade in Rio auszuschliessen. Die traurigen Kommentare behinderter Kinder und Erwachsener aus Russland, die nicht mehr leben wollen, weil man ihre Vorbilder wegen des Dopings der anderen ausschliesst, machen mich betroffen. Plötzlich ist mir Sport nicht mehr egal. Die Schwächsten, die auch so auf der ständigen Schattenseite leben, haben im Gezänke der Starken völlig unverschuldet einen Hieb verpasst bekommen, den sie schwer verkraften.

Mit seinem Entscheid hat das olympische Komitee vollends bewiesen, dass sämtliche Ideale, die es sich irgendwann auf seine Ringe geschrieben hat – Gleichheit, Fairness und Unbestechlichkeit – zur Farce verkommen sind.

Bild: Kremlin.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

5 Kommentare

  1. Lutz sagt:

    Wie wäre es, wenn man die vom IOC geduldeten, sprich angemeldeten, Dooper ausschliesst und die Nationen mit Strafen belegt.

  2. Thomas M. Wandel sagt:

    Nur eine kleine Korrektur: Die Paralympischen Spiele werden nicht vom IOC, sondern vom Internationalen Parlalympischen Comitee (IPC) organisiert, das auch den skandalösen und traurigen Komplett-Ausschluss der russischen Athleten zu verantworten hat. Es wurde in Deutschland gegründet, hat seinen Sitz in Bonn und Deutschland hat eine traditionell starke Position im IPC. Während noch das IOC den Welt-Sportverbänden auftrug, die Zulassung russischer Athleten für Rio zu prüfen (was zu einer zwar reduzierten russischen Mannschaft, aber doch zu einer Teilnahme an den Olympischen Spielen führte), hat das IPC kurzerhand den Ausschluss beschlossen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

  3. Kruxdie sagt:

    Mir ist Sport auch egal und unwichtig (dient halt vor allem „panem et circenses“), aber das fand ich auch unmöglich.

  4. Realsatire sagt:

    Als Aussenstehender hat man ja bestenfalls den Eindruck das alle dopen aber nicht alle erwischt werden.
    Ich bin mir nicht bewusst ob behinderte Sportler mehr oder weniger dopen als die nicht behinderten.
    Falls ja kommt die Idee und die Methode und Mittel aus dem normalen Sport. Wenn nun die normalen Sportler bei der Olympiade nicht komplett ausgeschlossen wurden aber die Behinderten alle ohne Unterschied macht das für mich keinen Sinn.

  5. Matze-G sagt:

    Gold haben alle Behinderte Menschen verdient, so wie sie ihr Leben meistern,
    Olympia für Unbehinderte ist nur noch mit Geld verbunden.
    Gleichheit, Fairness und Unbestechlichkeit ….ist schon lange bei Olympia nicht mehr an der Tagesordnung.

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