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Pique Dame im Bolshoi Teater

Von   /  13. Dezember 2007  /  Keine Kommentare

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„Oper mit Untertitel“ – ein Reflex von Markus Müller

Wie so oft hört man von hervoragenden Leistungen im Kulturbetrieb von St. Petersburg oder Moskau – Dem Impuls das auch sehen zu wollen, macht dann aber der gar nicht unaufwendige Alltag und die Arbeit meist ein frühes Ende. Oder die Familie schafft viel wichtigere Prioritäten, als es dann doch zu einer realistische Evaluierung oder gar einem vollendeten Besuch im Theater kommt.Pik Dame im Bolshoi Teater

So ging es mir ebenfalls mit der von vielen russischen Freunden empfohlenen Aufführung der Pique Dame, einem von Puschkin skizziertem klassischen Sujet im Gewand von Pjotr IljitschTschaikowski’s Musik.

Wenn mich nicht meine Freunde in Moskau im Anschluss an ein Geschäftstreffen überrascht hätten, wäre ich nie auf die Idee gekommen wirklich hinzugehen. So wurde mir aber mitgeteilt, es wären da noch ein paar Karten übrig. Ja, für die im Oktober neu inszinierte Pique Dame von Valerie Fonkin – die wir „absitzen“ müssten… ?
Man versicherte mir schmunzelnd, das die Oper mit 3 Akten, 7 Aufzügen und knapp 3 Stunden Dauer, doch einen Deutschen, dem man per se den „Wagnerianer“ unstestellt, nicht abschrecken sollte. Hier mein Bericht.

Das Bolschoi Theater in Moskau hat sich eines klassischen Petersburger Sujet angenommen, der Oper Tschaikowskis „Pique Dame“

Das neue „kleine Haus“ des Bolshoi Theaters wurde 2005 als Übergangslösung während des Umbaus des „Bolshoi“ Theaters in Betrieb genommen.

Es vermittelt im Inneren den gediegenen Charme einer mehrhundertjährigen Traditionsbühne. Nur die unverblasste Farbe und die erkennbar allerneuste Bühnentechnik erinnern daran, dass dieses Gebäude ein Neubau und die Aufführung durch die Creme de la Creme der russischen Oligarchie gesponsert ist.

Der Neuschweizer Viktor Wechselberg hat sich mit seinen Genossen im Programmheft verewigt.
Das Stück bezaubert dann auch dadurch das an nichts gespart wurde.

Sparsamkeit und Einfachheit der Gestaltungsmittel sind lediglich Attribute des modernen Bühnenbildes.
Ist die Qualität des Orchesters, der Sänger des Chores und des Balletts geradezu überreich – beschränkt sich im Kontrast darum die Aufführung auf ein geradezu genial einfaches, aber der Situation gerecht werdendes, Bühnenbild. Dessen grafische und funktionale Klarheit und besonders die lichttechnische Raffinesse, welche in ähnlich revolutionärer Art von mir (also einem Gelegenheits- Konsumenten und ausgewiesenen „nicht Experten“) zuletzt beim Bühnenbild Robert Wilsons in dem wunderbaren „Lohengrin“ Robert Pereiras in Zürich 1991 zu sehen war.

Durch die Übersetzung und Untertitelung der Sangestexte auf 2 gut lesbaren Flachbildschirmen war auch der Inhalt der Oper ohne Vorstudium zu verstehen. Ein Service den ich mir auch bei Opern in der Muttersprache wünschen würde, weil er das Gesamtereignis besser verständlich macht.

Dieser Handwerklichen Qualität der Haustechnik stehen die Sänger und das Orchester in keinster Weise nach.

Über fast 4h war kein einziger falscher Ton zu hören – Die Chöre sind mit der erhebenden religiösen  Inbrunst  gesungen wie Sie sonst nur in Russischen Klöstern und oder zu hohen Festen hörbar werden. 

Der Tenor und die Sopranistin überzeugten mit einer Mühelosigkeit im Gesang die alle Anstrengung vergessen ließ.

Beeindruckend auch die Gräfin „Pique Dame“ deren Geheimnis der „3 Karten die nicht verlieren“ letztendlich die Liebe der Enkelin verdirbt, und auch den Tot des von Ihr Geliebten provoziert.

Die Musik Tschaikowskis ist gefällig und zum Ende der Tragödie naturgemäß spannender, und besticht durch die Einbringung deutlicher Russischer Elemente.

Die Ballett Einlagen der Geschichte sind ebenfalls makellos getanzt – So kommt der Besucher mit dem erhabenen Gefühl, einem besonderen Ereignis beigewohnt zu haben, aus dem Haus.

Da man auch bei gezieltem Suchen keine Fehler und nur bester Einklang von Dramaturgie, Orchester, Tanz, Gesang, Licht und Bühne findet, muss ich für meinen Begriffe sagen, das ich eine perfekte Aufführung gesehen habe. Mögen die professionellen Kritiker sich dadurch auszeichnen etwas zu Bemängeln.

Für mich war der Abend im besten Sinne der Kunst läuternd, lehrreich und erhaben. Ein Glücksfall und Höhepunkt meines Kulturlebens in Russland.

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