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„Pfui – TEFI!“ Die Übergabe des russischen Fernseh-Preises in Petersburg wurde zur Skandalnummer

Von   /  29. September 2010  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Bei der Verleihung des “TEFI”-Awards im Petersburger Michailowski-Theater platzte ein Skandal um den Regisseur Oleg Dorman. Dieser boykotierte die Veranstaltung und liess stattdessen einen offenen Brief durch den Filmproduzenten Felix Dekter verlesen, mit dem er die Tefi-Jury scharf kritisierte. Ein Teil des Gremiums, so Dorman, sei direkt dafür verantwortlich, dass die Dokumentarreihe, für die er die Auszeichnung erhalten sollte, während zehn Jahren bei sämtlichen russischen Fernsehkanälen zurück gewiesen worden sei.


Die 15-teilige Serie “Literarische Übersetzung”, die anhand der Biografie der Übersetzerin Swetlana Lungina die russische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts kritisch beleuchtet, war erst im vergangenen Jahr dank dem Einfluss des Journalisten Leonid Parfjonow im staatlichen Kanal „Rossia“ ausgestrahlt worden und hatte durchwegs gute Kritiken erhalten.

Dorman nannte keine Namen, sondern schrieb in seinem Brief, jene Leute in der Jury wüssten selbst, wen es beträfe. Sie, die damals die Ausstrahlung der Filmserie verhinderten, hätten nun kein Recht darauf, sie auszuzeichnen. Sie nähmen ihr Publikum nicht ernst und seien durch ihre TV-Politik mitverantwortlich an der „moralischen Katastrophe in der russischen Gesellschaft“. Sie hätten kein Recht, die Öffentlichkeit einem solchen Grad Vulgarität auszusetzen.

Nur einer wurde beim Namen genannt: Ex-Kulturminister Schwydkoi

Dorman nannte nur eine Person namentlich – Michail Schwydkoi, der ehemalige russische Kulturminister und jetzige Präsident der Fernseh-Akademie. In einem Artikel in der staatlichen „Rossiiskaja Gaseta“ hatte Schwydkoi die Serie gelobt, obschon er zu jenen gehört hatte, die das Projekt laut Dorman früher zurückwiesen.

Für weiteren Aufruhr sorgte die Auszeichnung für die kritische Journalistin Manana Aslamazyan, die den Preis für ihre beispielhafte Ausbildung von Fernsehleuten bei russischen Regionalsendern erhielt – jedoch bei der offiziellen Zeremonie totgeschwiegen wurde. Die in Armenien lebende Journalistin zeigte sich zwar enttäuscht über das Manöver, freute sich aber über die Auszeichnung und kündigte an, sie demnächst in Russland in Empfang zu nehmen.

Bild: www.tefi.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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