Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

„Petrowski Arsenal“ – von der Waffenfabrik zur Erholungszone

Von   /  2. September 2015  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Wer Lust auf Abwechslung hat und ein bisschen aus Petersburg herauskommen möchte, braucht nicht weit zu suchen. Die nördlich gelegene Stadt Sestrorezk ist nicht nur Badeort für viele Petersburger, sondern bietet seit 2014 eine neue Erholungs- und Freizeit-Zone für jedermann: das „Petrowski Arsenal“ auf dem Gelände einer alten Waffenfabrik.

An Sestrorezk fährt man meist vorbei – entweder weiter in den Norden oder nach Kurort ans Meer. Wer aber durchs Zentrum der kleinen karelischen Stadt fährt, merkt, an was für einen idyllischen Flecken er geraten ist. Zwar bietet Sestrorezk keine prachtvolle historische Fassade, aber viel Grün und viel Wasser und gute Luft. Es erstaunt nicht, dass Peter der Grosse hier ursprünglich einmal eine Residenz in der Art von Peterhof errichten wollte, das Projekt aber wegen des mangelnden Gefälles fallen liess.

Georg Wilhelm Henning – Ingenieur, Konstrukteur und Offizier

Stattdessen wurde hier 1724 eine der ersten Waffenfabriken des russischen Imperiums errichtet und mit Hilfe der Wasserkraft betrieben. Aufgebaut wurde sie durch den deutsch-russischen Ingenieur, Konstrukteur und Offizier Georg Wilhelm Henning (1676-1750). Peter der Grosse, der Russland modernisieren wollte und dafür Europa bereiste und nach Fachpersonal Ausschau hielt, wurde in Amsterdam auf Henning aufmerksam.

Henning wurde von François Le Fort in russische Dienste aufgenommen und nahm am Großen Nordischen Krieg teil, wo er sich bei der Belagerung von Wyborg und der Belagerung von Kexholm auszeichnete. Er verkehrte am russischen Hof und diente als geologischer Berater bei der Neugestaltung des Bergbaus in Russland. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Wassili Nikititsch Tatischtschew ist Georg Gennin auch der Gründer der Stadt Jekaterinburg.

Waffen-Legende „Mosin-Nagant-Gewehr“

Neben Feuerwaffen für die modernisierte russische Armee stellte man hier Metallteile für den Schiffsbau und für den Zarenhof her. Die ersten Gebäude waren alle aus Holz gebaut und fielen Ende Ende des 18. Jahrhunderts grösstenteils einem Brand zum Opfer. Die Ziegelgebäude, die heute noch vorhanden sind, wurden erste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut.

Der bekannteste Direktor des Rüstungswerks war der legendäre Waffenkonstrukteur Sergei Mossin (1849-1902). Er entwickelte 1892 das Standard-Gewehr der russischen Armee (Mosin-Nagant-Gewehr), mit dem in einer weiterentwickelten Version auch die Infanteristen der sowjetischen Armee ausgerüstet wurden.

„Sestrorezker Instrumentenfabrik“

Daneben waren andere bekannte russische Waffenkonstrukteure, wie Fedotow, Tokarew und Degtjarew im „Petrowski Arsenal“ tätig. Trotz seiner traditionsreichen Geschichte, erhielt die Fabrik in der Sowjetunion eine völlig neue, zivile Ausrichtung. Anstelle der Waffenschmiede entstand die „Sestrorezker Instrumentenfabrik“.

Wie viele alte Industrieanlagen wurde auch diese Fabrik in den Neunzigerjahren stillgelegt und erst 2014 für einen neuen Zweck eröffnet. Seither finden hier während der Sommermonate Konzerte, Ausstellungen, Theater, sowie Veranstaltungen für Alt und Jung mit Sport und Spiel statt. Die grosse Wiese im Zentrum der Anlage bietet ebenso Platz für Tanzwettbewerbe, oder Veloshows wie für Yoga-Kurse. In den Pavillons daneben wurden Restaurants und Sitzgelegenheiten eingerichtet. Das Areal kann für geschlossene Anlässe gemietet werden.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Adresse: Sestrorezk, ul. Voskova 2, Tel. +7 921 595 62 43.

www.petrovskyarsenal.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

„Velogorod“ – auf Neuholland waren alle mit dem Radl da

[ad#ad-3]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Herold-Druckausgabe 11-12/2018 erschienen

mehr…