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Petersburger „Tagebuch-Mörderin“ laut Gericht keine Serienmörderin

Von   /  24. August 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Tamara Samsonowa, die vor einem Jahr als blutrünstige „Tagebuch-Mörderin“ verhaftet wurde, ist wider Erwarten nur wegen eines einzigen Mordes verurteilt worden. Das, obschon zahlreiche Blut- und Giftspuren anderer mysteriöser Todesfälle ziemlich eindeutig zu ihrer Haustür an der Dmitrow-Strasse führen.

Der skandalöse Fall der „Babuschka Jaga“, kam  26. Juli 2015 ans Licht als unweit des Hauses Nr. 10  an der Dmitrow-Strasse im Petersburger Stadtteil Kuptschino die Leiche der 79-jährigen Walentina Ulanowa gefunden wurde. Bald geriet die 68-jährige Tamara Samsonowa aus dem Nachbarhaus in Verdacht, die mit dem Opfer zusammengelebt hatte und bei der Blutspuren am Duschvorhang und an Messern gefunden wurden.

Leiche zerstückelt und in der Umgebung entsorgt

Wie sie bald gestand, hatte sie Ulanowa zuerst vergiftet, dann die Leiche zerteilt und die Teile in der Umgebung entsorgt. Allerdings ist bis heute unklar, wie es ihr gelang 50 Tabletten Phenazepam, ein Mittel, das unter anderem gegen Epilepsie verschrieben wird, in einen Salat zu mischen, ohne dass das Opfer den Nebengeschmack bemerkte. Der Mord konnte ihr jedoch anhand der Aufzeichungen von Überwachungskameras nachgewiesen werden, die sie beim Wegtragen der Leichenteile filmte.

Die 1947 geborene Samsonowa stammt aus dem Krasnojarsker Gebiet in Sibirien und kam nach einer Fremdsprachenausbildung ins damalige Leningrad, wo sie als Kinderfrau arbeitete und später als Etagenfrau im Hotel „Europa“. Ihr Mann Leonid Samsonow „verschwand“ Ende der Neunzigerjahre, und die Witwe Samsonowa erzählte den Angehörigen und Bekannten verschiedene Varianten über seinen Abgang – so soll er sich entweder zu Tode getrunken haben oder eines Tages vom Gang zur Sparkasse nicht zurückgekommen sein. Seine Leiche wurde aber bis heute nicht gefunden.

Tätowierung an der Schulter erkannt

Ein Untermieter Samsonowas namens Wladimir entging seinem tödlichen Schicksal vermutlich nur um Haaresbreite. Er hatte mit seiner Hauswirtin ein Verhältnis, das er jedoch nach einigen Monaten beendete. Im Dezember 2001 wurde er mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert, und nachdem er auskuriert war, zog er sofort um, was ihm vermutlich das Leben rettete.

Sein Nachfolger Sergei hatte weniger Glück – er wurde nach 13 Jahren als jene Leiche identifiert, deren Teile die Kinder 2003 unweit des Quartier-Kindergartens entdeckt hatten. Das entscheidende Detail war eine Tätowierung an der Schulter, an die sich Samsonowa erinnerte als sie den Mord an Sergei Potjanina gestand. Doch allein ihr Geständnis genügte nicht für eine Anklage, denn weder die Todesursache noch ihre Täterschaft konnte gerichtsmedizinisch erwiesen werden.

„Verschlüsselte“ Tagebuchnotizen

Die Spuren von zwei weiteren mysteriösen Todesfällen führen zu Samsonowa. Mit Alexander Baryschew wurde sie völlig zufällig während eines Spaziergangs an der Sadowaja-Strasse bekannt. Er war mit seiner Frau Larisa unterwegs, während Samsonowa in Begleitung eines viel jüngeren Mannes namens Genadij war. Die beiden Paare blieben nach dieser Begegnung weiterhin in Kontakt, und kurze Zeit später gab Samsonowa bekannt, dass Genadij „gestorben sei“. Offenbar entwickelte sich nun eine Beziehung zwischen ihr und Alexander, der sich nach einem Jahr von Larisa trennte und zu Samsonowa umzog. Nur eine Woche nach seinem Umzug telefonierte er das letzte Mal mit seiner Ex-Frau und ward nicht mehr gesehen.

Für Aufsehen sorgten insbesondere die Tagebücher, in denen die Mörderin in verschiedenen Sprachen „verschlüsselt“ aufschrieb, wie sie diverse Medikamente, bzw. Gifte in Apotheken zusammenkaufte und jeweils vermerkte, wenn sie „genug“ beisammen hatte. Doch auch dies konnte mehrdeutig interpretiert werden, weil sie erwiesenermassen ihre Nachbarn mit den Mitteln versorgte – wenn auch nicht in solchen Dosen. Wohin die übrigen Tabletten verschwanden, ist ungeklärt.

Überraschung im Wolkowski-Kanal?

Wegen dieser nebulösen Beweislage deklarierte die Staatsanwaltschaft nur einen einzigen der Morde als vollständig aufgeklärt und verurteilte die Täterin zu einer lebenslänglichen Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Die Ärzte hatten bei ihrer Untersuchung paranoide Schizophrenie festgestellt. Wie Fontanka.ru schreibt, vermied die Justiz dadurch bewusst imageschädigende Schlagzeilen über eine Serienmörderin, die während 15 Jahren unbeheligt blieb.

Allerdings, so Fontanka, könnte es bei der nächsten Säuberung des Wolkowski-Kanals, der unweit des Wohnsitzes von Samsonowa durchführt, zu Überraschungen kommen. Auf eine Untersuchung des Kanals war aus Kostengründen verzichtet worden, obschon er seit 2001 nicht ausgebaggert worden ist und sich auf seinem Grund mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Teil der geheimnisvoll verschwundenen Leichenteile befinden.

Bild: Handout

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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