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Petersburger Siegesfeier – Stalin hin oder her

Von   /  9. Mai 2010  /  Keine Kommentare

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eva.- Wie im ganzen Land feierten auch die Petersburger den Sieg der Sowjetunion über Hitlerdeutschland, beziehungsweise das Kriegsende vor 65 Jahren. Obschon keine der anderen alliierten Nationen dem 65. Jahrestag besondere Bedeutung zumass, feierten die Russen „ihren“ Sieg mit besonders pompösen und aufwändigen Paraden.


Militärparade „light“ – im Vergleich zu Moskau

Im Vergleich zu Moskau, wo wie zu Sowjetzeiten eine gigantische Machtdemonstration mit einer Heeresschau auf dem Roten Platz abgehalten wurde, fiel die Petersburger Feier ziemlich bescheiden aus. Die Zeremonie auf dem Schlossplatz war zwar ebenfalls grösser und länger als üblich, doch unterschied sie sich nicht so stark von jenen in anderen Jahren.

Neben den Abteilungen aus Heer, Marine und Luftwaffe, die traditionellerweise aufmarschieren, nahmen dieses Jahr auch Soldatinnen und Soldaten der Petersburger Militärhochschulen und der Polizei teil. Der Jubiläums-Akzent wurde mit historischen Uniformen der verschiedenen Waffengattungen gesetzt wie sie 1943 getragen wurden. Mit militärischem Gerät hielt man sich zurück – es fuhren lediglich leichte Mannschaftstransporter und Panzerabwehrrakten auf.

Kommunisten sorgten für Unruhe

Die Zuschauerränge waren dieses Jahr ausschliesslich den Kriegsveteranen vorbehalten. Alle anderen, die etwas von der Parade mitbekommen wollten, waren angesichts des guten Wetters und der vielen Besucher am Fernseher besser bedient. Wie jedes Jahr fuhren und marschierten am Nachmittag die Kriegsveteranen über den Newski, begleitet von den Ehrenflaggen der Militärformationen, die an der Befreiung Leningrads beteiligt waren.

Der Feiertag verlief ruhig – nur beim Aufmarsch auf dem Newski kam es laut Fontanka.ru zu einem kleineren zwischen der Polizei und Mitgliedern der kommunistischen Partei, die Transparente mit Parteisymbolen mittragen wollten.

Jabloko-Aktivist nach Anti-Stalin-Demo von Polizei misshandelt

Die kritischen Seiten dieses Jubiläums waren in den Tagen davor ausgetragen worden. Am Freitag organisierte die oppositionelle Jabloko-Partei eine Kundgebung gegen einen Bus, der mit einem Riesenporträt Stalins im Stadtzentrums verkehrte. Nach Protesten war das Porträt erst übermalt, dann wieder freigewischt und schliesslich ganz entfernt worden.

Die Demonstration wurde von der Polizei aufgelöst, und drei der Teilnehmer, die in Sträflingskleidung die Bevölkerung über die Verbrechen Stalins aufklärten, festgenommen. Laut einer Mitteilung der Partei wurde einer von ihnen danach auf dem Polizeiposten misshandelt, weil er sich weigerte, sich ohne konkrete Anschuldigung fotografieren zu lassen. Gegen die verantwortlichen Polizisten will die Partei Anzeige erstatten.

Bild: gov.spb.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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